Kugelblitz ist real, aber virale Videos sind gefälscht

Obwohl Kugelblitz ein echtes atmosphärisches Phänomen ist, sind die bekanntesten viralen Clips digitale Montagen aus Belarus.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Kugelblitz ist real, aber virale Videos sind gefälscht
Kugelblitz existiert; das Video war eine Fälschung

Kugelblitz ist ein reales Phänomen, doch die Wissenschaft weiß noch immer nicht genau, wie er entsteht. Eine leuchtende Kugel, so groß wie ein Ball oder größer, die während eines Gewitters erscheint, einige Sekunden lang verweilt und dann spurlos verschwindet. Es gibt keine bekannten, wissenschaftlich fundierten Aufnahmen. Das Material, das im Internet kursiert, hat sich in analysierten Fällen als Fälschung herausgestellt. Das ist der Kern des Problems: Wenn das einzige verfügbare Material eine Montage ist, überträgt sich der Zweifel auf das gesamte Phänomen.

Was genau ist ein Kugelblitz?

Der populäre Name ist *centella* (spanisch für Blitz/Funke), der technische Begriff ist Kugelblitz oder Blitzkugel. Die im Diskurs wiederholte Beschreibung spricht von einer hochgradig ionisierten Luftmasse, die in den Plasmazustand übergeht, erzeugt durch den Potenzialunterschied zwischen Wolken und Boden. Bis dahin ist alles plausibel. Das Problem beginnt danach.

Einige behaupten, dass dieses Modell nicht erklärt, was man sieht. Eine Entladung zwischen zwei Punkten geht, sobald die dielektrische Grenze überschritten ist, von Punkt A nach Punkt B: das ist ein Blitz. Aber eine Plasma-Kugel, die sich in der Mitte des Weges konzentriert, sich bewegt und so wirkt, als hätte sie ein Eigenleben, passt nicht in dieses Muster. Die Ionisierung der Luft wird mangels besserer Erklärungen akzeptiert; die Bedingungen, unter denen sie sich an einem Punkt sammelt und umherwandert, hingegen nicht.

Auch das Wörterbuch hilft nicht weiter. Die RAE (Spanische Königliche Akademie) definiert *centella* als einen „Blitz geringer Intensität“ oder Funken, eine Bedeutung, die der Idee einer Kugel widerspricht. Und *centellear* bedeutet Blitzen oder Funkeln, sodass für viele eine *centella* immer nur ein kurzer Lichtblitz war, keine Kugel. Diese Diskrepanz zwischen dem Wörterbuch und dem, was auf dem Bildschirm zu sehen ist, ist der erste Riss in der Erklärung.

Das Video aus Belarus: Warum man weiß, dass es eine Montage ist

Der am häufigsten geteilte Clip, eine glühende Kugel, die eine Straße entlangrollt und beim Berühren von Zäunen Funken schlägt, ist ein Render. Das sagt der Autor selbst im Originaltitel, und diejenigen, die es im Thread analysiert haben, bestätigen es: Die Funken sind lächerlich, denn ein Blitz reißt beim Berühren von Metall keine glühenden Metallstücke heraus; zudem wäre das Licht, das sich in den Bäumen und der Umgebung widerspiegeln müsste, viel stärker. Ein Blitz beleuchtet die gesamte Szene. Hier nicht.

Der Verdacht wird durch die Statistik der Beobachtungen verstärkt. Kugelblitze sind so selten – es gibt kaum eine Handvoll gut dokumentierter Fälle –, dass es unwahrscheinlich ist, dass jemand genau in der richtigen Sekunde das Handy bereit hat, in der richtigen Ausrichtung und ohne zu zittern. Das Video existiert, weil es hergestellt wurde, nicht weil es eingefangen wurde.

Von St. Elmo bis zum Irrlicht: verschiedene Namen für verschiedene Dinge

Unter dem Begriff *centella* werden mindestens drei verschiedene Phänomene zusammengefasst. Das St. Elmo-Feuer taucht in Debatten auf, die oft scherzhaft mit Wassererhitzern in Verbindung gebracht werden. Das Irrlicht ist etwas anderes: eine spontane Verbrennung von Zersetzungsgasen, reich an Phosphor, die ein schwaches Leuchten erzeugt und auf Friedhöfen gesehen wurde. Daher stammt auch das Wort Phosphoreszenz.

Und dann gibt es noch die rein sprachliche Verwechslung: *centella asiática* (eine Heilpflanze), die absolut nichts damit zu tun hat. Diese Namensgleichheiten führen zum totum revolutum: Jeder, der nachts ein seltsames Licht sieht, glaubt zu wissen, wie man es nennt, auch wenn er wahrscheinlich das, was er sah, falsch benennt.

Foo Fighters: die Kugelblitze, die Piloten im Zweiten Weltkrieg sahen

Eines der am häufigsten zitierten Ereignisse fand in der Luft statt. Wie im Thread erwähnt, sahen alliierte Piloten im Zweiten Weltkrieg leuchtende Kugeln in Höhen, in denen zuvor kaum geflogen worden war, mit den neuen B-17 Bombern. Sie nannten sie foo fighters, und eine Zeit lang dachte man, es handele sich um eine geheime deutsche Waffe. Später wurde geschlussfolgert, dass sie auf ein seltenes meteorologisches Phänomen zurückzuführen waren, das nie zuvor gesehen worden war, weil man nie zuvor so hoch geflogen war.

Daraus ergeben sich zwei Schlussfolgerungen. Erstens: Kugelblitz ist keine Internet-Erfindung oder eine Legende vom Friedhof; er wird schon sehr lange beobachtet. Zweitens: Sichtungen hängen davon ab, wo man schaut. In Bodennähe sind sie außergewöhnlich; in großen Höhen weniger.

Zwei Augenzeugenberichte: die Kugel im Flur und die im Kamin

Persönliche Zeugenaussagen sind der am schwersten zu verifizierende und interessanteste Teil. Einer beschreibt einen elf- oder zwölfjährigen Jungen, der während eines Sturms von der Schule kommt, in einem Portal Schutz sucht, beim Überqueren der Straße ein Knacken hinter sich hört und sich gerade noch rechtzeitig umdreht, um eine blaue Kugel von über einem Meter Durchmesser zu sehen, mit etwas Rötlichem in der Mitte und einem Rauchfaden, der vom Boden aufsteigt. Ein anderer berichtet von einer Arbeiterin, die an einem Tag ohne Strom die Schicht einer Kollegin übernimmt: Eine weiße Kugel kam durch die Tür, rollte durch den Flur und prallte gegen den Schaltschrank.

Abseits der Anekdoten wird im Thread mindestens ein medizinischer Bericht zitiert: ein mexikanischer Bericht über eine Person, die von einer *centella* verbrannt wurde, die durch den Kamin ihres Hauses eingedrungen war. Wenig Material für ein Phänomen, das, wie oft wiederholt wird, seit Milliarden von Jahren existiert.



Da die Videos zweifelhaft und die Physik ungelöst sind, wird der Kugelblitz das bleiben, was er ist: ein reales Phänomen, das fast niemand gesehen hat und das die meisten nur durch Rekonstruktionen kennen. Man kann hoffen, dass eine kalibrierte Kamera, am richtigen Ort und mit etwas Glück, irgendwann ein definitives Bild von dem liefert, was wir heute nur in niedriger Auflösung haben. Bis dahin verdient jede Lichtkugel, die auf einem Bildschirm erscheint, dieselbe Frage: Wurde das aufgenommen oder gezeichnet?

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (103 Antworten).

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