Zwei Euro pro Flasche im Viertel Paco: Wer zahlt die Rechnung?
Wie viel sollte ein Bier in einer Kneipe kosten? Auf einer Terrasse im Viertel Paco verlangte ein Kunde nach einem Cruzcampo. Als er zahlen wollte, sah er den Preis: zwei Euro. Er behauptete, solche Lokale müssten wegen „überhöhter Preise“ schließen. Das Detail, das den Streit entkräftet: Die Bars sind trotzdem voll. Von diesem Widerspruch ausgehend, reicht das Thema vom Bierpreis bis zum Lohn hinter jedem Getränk – und betrifft auch Kaffee, Mindestlohn und die Menge an Miesmuscheln.
Was kostet ein Bier in der Nachbarschaftskneipe?
Die Flasche liegt je nach Gegend zwischen 1,50 und 2 Euro. In einfachen Vierteln und Clubs kostet sie 1,50; im Viertel Paco zwei Euro. Die kleine Flasche (Tercio) wird für 2,20 Euro verkauft, und es überrascht nicht, dass ein Glas (Caña, 25 cl) genauso viel kostet wie die große Flasche (33 cl). Auch die Marke spielt eine Rolle: Mahou und Estrella Dam gibt es in Döner-Lokalen für 1,80 Euro, während ein Doppel-Mahou in gehobener Lage bei 4 Euro liegt. Und das Fassbier ist nicht überall gleich teuer: Cruzcampo ist am teuersten, gefolgt von Estrella Galicia, mit Mahou auf Platz drei.
Steigt die Preisklasse, wird es komplizierter. Ein Cocktail kostet rund 6 Euro, und der Kaffee – den niemand beachtet – liegt im günstigsten Fall bei 1,40 Euro, in vernachlässigten Lokalen bei 1,80 Euro. Zwei Cocktails mit einer Freundin: 38 Euro. Ein Pepito de ternera (Rindfleisch-Sandwich) mit kleinem Bier: 8 Euro – was vor Jahren der Preis eines ganzen Menüs war. Der Referenzpunkt jedes Kunden ist anders, und das erklärt die Hälfte des Ärgers. Die andere Hälfte ist eine Rechnung von 70 Euro für zwei Gläser Fassbier, die jemand angeblich in einer schlechten Bar gezahlt hat.
Warum wird der Mindestlohn für den Bierpreis verantwortlich gemacht?
Das häufigste Argument ist einfach: Ein Mindestlohn bedeutet minimale Arbeitskosten. Wenn es eine Untergrenze für die Tätigkeit gibt, muss das Produkt diese Kosten tragen. Dazu kommen Steuern, Miete, Strom und andere Fixkosten. Die unbequeme Schlussfolgerung der Befürworter dieser These: Diejenigen, die vom steigenden Mindestlohn profitieren, werden auch am stärksten durch die allgemeine Preissteigerung getroffen, weil ihre Kaufkraft stärker sinkt. Es ist eine Hypothese, keine Quittung.
Gegenargumentiert wird oft aus Sicht der Wirte: Das Produkt selbst ist der günstigste Teil der Rechnung. Die Marge geht für Miete, Personal, Strom und Steuern drauf; nur wenige Lokale sind sehr profitabel, die meisten kämpfen ums Überleben. Manche erinnern daran, dass in Cafés früher nur der Spielautomat Geld brachte – und davon ging die Hälfte ans Finanzamt. Nur wenn man jede Position der Rechnung einzeln betrachtet, ergibt die Diskussion Sinn. Das tut aber kaum jemand, bevor er die zweite Runde bestellt.
„Komm nicht wieder, wenn es dir zu teuer ist“ – warum das den Streit nicht beendet
Der schnelle Ausweg lautet immer: Wenn das Angebot nicht passt, sei kein Kunde; such dir ein anderes Lokal oder trink zu Hause. Einfach, aber irreführend, denn es verlagert ein Problem auf den Kunden, das er nicht kontrollieren kann: Wenn alle Preise gleichzeitig steigen, ändert ein anderer Barbesuch nur den Namen des Lokals, das denselben Preis verlangt. Manche vergleichen dies mit einem Oligopol, das hohe Preise abspricht, und sagen: Nicht konsumieren löst nichts.
Es gibt einen ehrlicheren Ansatz: In der Gastronomie zahlt man nicht nur für die Flüssigkeit. Man zahlt dafür, dass jemand bringt, dass das Glas kühl ist, dass Stühle, Tische und ein sauberes WC vorhanden sind. Wer nur billiges Bier will, geht zum Supermarkt. Tatsächlich kaufen immer mehr Leute Sechserpacks und trinken zu Hause, was wiederum die Preise im Einzelhandel unter Druck setzt.
Bier in Amsterdam und der Lohn, der es bezahlt
Internationale Vergleiche tauchen immer im selben Kontext auf: Im Ausland ist es teurer, und niemand beschwert sich. Am Damrak in Amsterdam kosten Biere hierzulande lächerliche Summen; in Madrid, im Stadtteil Chamartín, kostet ein kleines Bier 2,20 Euro, und im Zentrum liegen viele Lokale leicht über 3 Euro. Der entscheidende Unterschied, der den Vergleich bricht, ist das Gehalt: Das mittlere niederländische Gehalt liegt bei etwa 3.200 Euro, das spanische unter 1.800 Euro.
Und nicht alles ist dort oben proportional teurer. Das Gegenbeispiel kommt mit einer anderen Rechnung: Parken in Amsterdam kann einen Tag lang 60 Euro kosten, während man in einer mittelgroßen spanischen Stadt den ganzen Tag für 5 Euro parkt. Die Diskussion verheddert sich darin, welche Seite schwerer wiegt – genau das passiert, wenn man Preise vergleicht, ohne Einkommen gegenüberzustellen.
Shrinkflation: Gleicher Preis, weniger Inhalt
Dieses Phänomen hat einen Namen und beschränkt sich nicht auf die Theke. Eine Packung pasteurisierter, vakuumverpackter Miesmuscheln, die knapp über 3 Euro kostete, kam mit einer Überraschung nach Hause: 850 Gramm statt des üblichen Kilos. Gleicher Preis, weniger Essen. Das Etikett lügt nicht, man liest es nur seltener als nötig.
Dieser Trick erklärt, warum das Gefühl des Abzockens über die Gastronomie hinausgeht. Das Bier in der Bar ist nur die sichtbare Seite einer Anpassung, die im Supermarkt, bei der Verpackung und bei der Portionsgröße stattfindet. Wer weiterhin den Preis von vor zehn Jahren als Maßstab nimmt, ist nicht rückständig: Er vergleicht mit der einzigen Tabelle, die er im Kopf hat.
Bleibt ein sicherer Ausweg: Supermarktbier und Sonnenblumenkerne zu Hause. Und eine Frage, die niemand beantwortet: Wenn die Bars trotz 2 Euro pro Flasche voll sind, war vielleicht nie der Preis das Problem, sondern das Gehalt, mit dem man ihn bezahlt.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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