Krise des Rechtsstaats in Spanien: Vom TC-Veto zur milden Strafe

PP wirft Conde-Pumpido Justizblockade vor, Staatsanwaltschaft ficht Anklage gegen Sánchez-Bruder an und betrunkenes Unfallopfer entgeht Haftstrafe.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Krise des Rechtsstaats in Spanien: Vom TC-Veto zur milden Strafe

Zu behaupten, der Rechtsstaat sei in Spanien nicht mehr existent, klingt nach Stammtischparolen. Doch die Fakten geben den Kritikern recht. Die PP hat beim Verfassungsgericht (Tribunal Constitucional) Klage gegen Kongress und Regierung eingereicht, weil diese Senatsänderungsanträge blockierten, und Präsident Cándido Conde-Pumpido vorgeworfen, eine Vorlage an den Europäischen Gerichtshof im ERE-Skandal von Sevilla zu verhindern. „Sánchez agiert wie ein kleiner Diktator“, lautet der Vorwurf. Zusätzlich legte die Staatsanwaltschaft Berufung gegen die Anklageerhebung gegen den Bruder von Ministerpräsident Pedro Sánchez ein, da die Richterin angeblich keine konkreten Indizien oder Delikte benenne.

Der Fall, der wehtut: Betrunkenes Unfallopfer zu 6.000 Euro verurteilt
Das i-Tüpfelchen setzt ein Urteil aus Marbella. Am 13. März 2021 fuhr eine alkoholisierte und unter Drogen stehende Autofahrerin auf der A-7 in Gegenrichtung und tötete einen Motorradfahrer. Das Provinzgericht setzte die Gefängnisstrafe aus, sofern sie 6.000 Euro zahle, fünf Jahre straffrei bleibe und ihre Entgiftung nachweise. Kein einziger Tag Haft. Währenddessen werden gewöhnliche Delikte streng bestraft. Der Eindruck einer zweigeteilten Justiz verbreitet sich.

Gewalt gegen Frauen: Ist die Unschuldsvermutung abgeschafft?
Im Bereich der Gewalt gegen Frauen (Violencia de Género) argumentieren Anwältinnen, dass die Aussage der Frau automatisch als wahr gelte. „Wenn man Frauen immer glauben muss, ist ein Prozess unnötig“, so das Fazit. Seit 2004 hat das Verfassungsgericht Rechtsprechung etabliert, die in bestimmten Fällen ungleiche Behandlung von Männern und Frauen erlaubt. Dies, kombiniert mit selektiven Begnadigungen und dem Gefühl der Straflosigkeit bei Verkehrsdelikten, stärkt die These, dass die Grundpfeiler des öffentlichen Rechts ausgehöhlt sind.

Unsicherer Horizont
Manche sagen, Wahlen seien keine Lösung mehr. Vielleicht übertreiben sie, aber das Gefühl, einen Punkt ohne Rückkehr überschritten zu haben, ist real. Mit einem angezweifelten Verfassungsgericht, einer Staatsanwaltschaft, die als Gegengewicht fungiert, und Fällen, die scheinbar von der Identität des Angeklagten abhängen, wankt der spanische Rechtsstaat. Wenn sich nichts ändert, wird sich der institutionelle Bruch nur verschärfen.

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