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Krätze-Fälle in Spanien steigen seit 2020 um 40 % jährlich
Die Zahl der Krätze-Fälle in Spanien ist seit 2020 um 40 % pro Jahr gestiegen. Der Verkauf von Skabiziden explodierte und Ausbrüche häufen sich in Schulen...
Krätze-Fälle in Spanien steigen seit 2020 um 40 % jährlich
Krätze (scabies) ist wieder ein Thema in den spanischen Schlagzeilen. Die Fälle dieser Infektion, die durch eine mikroskopisch kleine Milbe, den Sarcoptes scabiei, verursacht wird, nehmen seit 2020 jedes Jahr um 40 % zu, laut Daten des Pharmasektors, die auf dem Verkauf von Skabiziden basieren. Es gibt keine offiziellen Zahlen, da Einzelfälle nicht meldepflichtig sind: Nur Ausbrüche werden gemeldet. Und diese Ausbrüche häufen sich in Schulen, Altersheimen und Gefängnissen.
Der Anstieg begann direkt nach dem Lockdown. Die Verkäufe von topischem Permethrin und oralem Ivermectin —den beiden Standardbehandlungen— schossen zwischen September 2021 und August 2022 um 168,5 % in die Höhe. Im gleichen Zeitraum 2023 stiegen sie weitere 55,6 %. 2024 stabilisierten sie sich mit einem Anstieg von 4,4 %. Übersetzt: Der Höhepunkt ist vorbei, aber das Niveau ist viel höher als vor der Pandemie.
Was ist Krätze und warum breitet sie sich so leicht aus?
Die Milbe wird durch direkten, wiederholten und anhaltenden Hautkontakt mit einer infizierten Person übertragen, einschließlich beim Geschlechtsverkehr. Auch indirekt über Bettwäsche, Handtücher oder Kleidung, die nicht bei hohen Temperaturen gewaschen wird. Eine infizierte Person kann wochenlang symptomfrei sein und die Milbe unwissentlich weitergeben. Wenn Symptome auftreten, geschehen dies in Form von starkem Juckreiz —besonders nachts— und Gängen in der Haut, wo die Milbe ihre Eier ablegt.
Der Fall von Ernesto, einem 22-jährigen Madrilenen, und seiner Freundin Marta fasst das Martyrium zusammen. Vier Monate Kratzen, Fehldiagnosen —Nesselsucht, Dermatitis—, eine nutzlose Spritze und schließlich Ivermectin-Pillen, die wirkten. "Es ist ein schrecklicher Juckreiz, nachts kann man nicht schlafen", erzählt sie. Er steckte sich erneut an, weil er ein Kleidungsstück nicht rechtzeitig wusch. Krätze unterscheidet nicht nach Klasse oder Stadtviertel, aber Stigma tut es: "Meine Freundinnen sagten mir, ich soll mich nicht nähern", berichtet eine Betroffene.
Warum Experten sich uneins über die Ursache sind
Der Verantwortliche für wissenschaftliche Kommunikation des Generalrats der Apothekerverbände weist auf mehrere Faktoren hin: Veränderungen der sozialen Gewohnheiten, eine Zunahme der älteren oder immungeschwächten Bevölkerung und eine zunehmende Toleranz der Milbe gegenüber Skabiziden. Die Sprecherin der Spanischen Gesellschaft für Infektionskrankheiten fügt eine weitere Ebene hinzu: Nach dem Lockdown nahm der soziale Kontakt zu, die Erkennung in der Sprechstunde sank und mehr Menschen infizierten sich. Das heißt, die Milbe ist nicht neu, aber das Ökosystem, das sie verbreitet, schon.
In der öffentlichen Meinung ist die Angelegenheit zum Schlachtfeld geworden. Manche behaupten, dass das Wiederauftreten von Krankheiten, die in Europa als residual galten, auf Migrationsströme und fehlende Gesundheitskontrollen an den Grenzen zurückzuführen sei. Andere entgegnen, dass Krätze in Spanien schon immer existiert habe, dass sie mit Behandlung heilbar sei und dass die Zuschreibung an eine bestimmte Gruppe eine Vereinfachung ohne epidemiologische Grundlage darstelle. Die Diskussion kreuzt sich mit Antibiotikaresistenz, der Überlastung der Primärversorgung und punktuellen Engpässen bei Permethrin in Apotheken.
Die reale Karte der Ausbrüche: Schulen, Pflegeheime und Gefängnisse
Die verfügbaren Daten zeichnen ein klares Muster. Ausbrüche wurden in einem Gefängnis in Segovia, einer Schule in Bilbao, Altersheimen in Kantabrien und der Autonomen Gemeinschaft Madrid sowie 44 Ausbrüchen auf den Balearen gemeldet, elf davon im Zusammenhang mit Bildungseinrichtungen. Geschlossene Umgebungen mit engem und anhaltendem Kontakt sind der ideale Nährboden. Es ist kein Zufall, dass Dermatologen mit zwanzig Sekunden Untersuchung und einer Lupe die Ersten sind, die es erkennen.
Die Behandlung erfordert Disziplin. Permethrin wird als Creme aufgetragen und Ivermectin oral eingenommen, aber nichts wirkt, wenn alle Bettlaken, Handtücher und Kleidungsstücke, die in Kontakt waren, nicht bei hoher Temperatur gewaschen werden. Reinfektionen sind die Norm, wenn die häusliche Logistik versagt. Und auch die späte Diagnose: Viele Hausärzte sehen Krätze nicht täglich und verwechseln sie mit Allergien.
Was Spanien mit diesem Wiedererstarken riskiert
Krätze tötet nicht. Aber sie verschlechtert die Lebensqualität, belastet die Arztpraxen und erzeugt ein soziales Stigma, das Betroffene dazu bringt, es zu verbergen. In einem ohnehin angespannten Gesundheitssystem zwingt jeder Ausbruch in einem Heim oder einer Schule zur Mobilisierung von Ressourcen für Verfolgung und Behandlung. Die Frage ist nicht, ob die Milbe verschwinden wird —das wird sie nicht— sondern ob Spanien einen Plan hat, mit ihr zu leben, ohne dass die Zahl jedes Jahr weiter steigt.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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