Krankenhauskosten in Bolivien: 1.000 Dollar pro Tag ohne Versicherung

Der Verkauf eines Hauses zur Finanzierung der Krankenhausbehandlung eines verstorbenen Angehörigen zeigt die realen Kosten fehlender öffentlicher Gesundheitssysteme.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Krankenhauskosten in Bolivien: 1.000 Dollar pro Tag ohne Versicherung
Hausverkauf für Krankenhauskosten in Bolivien

Während der Pandemie in Bolivien verkaufte ein Mann sein Haus – vier Stockwerke mit vier Geschäften im Erdgeschoss –, um die Krankenhausaufenthalte eines Familienangehörigen zu finanzieren, der dennoch starb. Der tägliche Aufenthalt kostete mehr als tausend Dollar. Als die letzte Rechnung beglichen war, standen er und seine kleinen Kinder ohne Vermögen, ohne Geschäft und ohne Obdach da: vom Mittelstand auf die Straße innerhalb weniger Monate. Dieser Fall illustriert, was es bedeutet, kein öffentliches Gesundheitssystem zu haben, wenn der Patient schwer krank ist.

Warum kann eine Krankheit in Bolivien eine Familie ruinieren?

Das bolivianische Gesundheitssystem kombiniert eine begrenzte öffentliche Versorgung mit einer der teuersten Privatmedizin der Region. Jedes ernsthafte Problem wird zur Wahl zwischen Gesundheit und Geldbeutel, ohne Kompromiss. Ein politisches Detail kommt hinzu: Der Versuch, während der Regierungen der Movimiento al Socialismo (MAS) eine universelle Gesundheitsversorgung einzuführen, stieß auf Widerstand des medizinischen Sektors selbst, einer der am stärksten mobilisierten Gruppen gegen den ehemaligen Präsidenten Evo Sarracena.

Das daraus gezogene Argument ist unbequem. Wenn das öffentliche System nicht vorankommt, verliert die Privatmedizin keine Patienten. Und den Preis dieses Mangels zahlt nicht der Staat: ihn zahlt die Familie, die ihr Vermögen verkauft, um den Großvater zu retten.

Doppelte Staatsbürgerschaft als Krankenversicherung

Die Lösung, die viele bereits praktizieren: Immobilien und Unternehmen im Herkunftsland, spanisches Gesundheitssystem für schwere Fälle. Ein Flug für eine Operation oder Krebstherapie ist günstiger als die vollständige Rechnung im Zielland. Dies ist die quadratura del círculo (die Quadratur des Kreises) der Migration: Rentabilität dort, wo die Kosten niedrig sind, Abdeckung dort, wo ein öffentliches System existiert.

Es funktioniert unter drei Bedingungen. Zwei Pässe, Geld für das Ticket und Gesundheit, um die Reise zu überstehen. Wer diese drei Bedingungen nicht erfüllt, fällt aus dem Trick heraus und ist oft genau derjenige, der ihn am dringendsten braucht.

Öffentliche Gesundheit gibt es auch in Südamerika: Argentinien, Brasilien und Uruguay

Bolivien ist nicht der Maßstab der Region. Argentinien, Brasilien und Uruguay unterhalten öffentliche Systeme, und es wird behauptet, dass viele bolivianische Patienten kostenlos nach Argentinien gehen, um sich behandeln zu lassen. Der Haken liegt bei Qualität und Wartezeiten: Sie funktionieren mit Wartelisten, Verzögerungen und Vetternwirtschaft, ein Muster, das fast jedem öffentlichen System auf der Welt zugeschrieben wird.

Das Gefühl der Verschlechterung ist nicht einzigartig. Nach dieser Analyselinie befindet sich die öffentliche Gesundheitsversorgung in Großbritannien, Kanada und auch Spanien im Niedergang. Die Diskussion wird geografisch irrelevant und konzentriert sich auf das Management.

Was erwartet, wer von der öffentlichen Gesundheitsversorgung in Spanien abhängig ist?

Zwei bis drei Wochen für den Hausarzt, vorausgesetzt, man kann physisch zum Gesundheitszentrum fahren und am Schalter anstehen. Sieben bis acht Monate für einen bevorzugten Termin beim Reaccionariorzt. Notfälle werden zwar am selben Tag behandelt, aber häufig nur mit einem Schmerzmittel entlassen, wobei die Nachsorge durch den Hausarzt der einzige Leitfaden bleibt.

Die am häufigsten wiederholte Diagnose ist eine De-facto-Privatisierung: Das öffentliche Netz steht noch, aber man kann immer weniger darauf zählen. Gesundheit, Renten, Bildung oder Polizei wären Kulissen aus Pappmaché. Parallel dazu wird argumentiert, dass auch der private Sektor gesättigt ist: Ein Reaccionariorzttermin im privaten Bereich dauert inzwischen etwa einen Monat.

Vergleich der Gesundheitsausgaben: 7 % des BIP in Europa, 15 % in den USA

Der Vergleich, der auf den Tisch gelegt wird: Die europäischen Systeme liegen bei rund 7 % des BIP für die gesamten Gesundheitsausgaben, während die USA 15 % erreichen, aber schlechtere Ergebnisse erzielen. Ihre Lebenserwartung ist etwa sieben Jahre niedriger als die spanische und ähnelt der von Costa Rica, einem viel ärmeren Land. Mehr Ausgaben allein kaufen keine besseren Indikatoren.

Die zweite genannte Zahl ist demografisch: Das System versorgte in zwei Jahrzehnten 36 Millionen Menschen statt 48 Millionen, mit demselben Budget. Und es gibt ein wiederkehrendes Gegenbeispiel: Die Schweiz, mit privater Gesundheitsversorgung und ohne Wartelisten.

Wer finanziert die Ausbildung und wer profitiert davon?

Unter der technischen Frage liegt ein Streit über die Verteilung. Eine Strömung verteidigt, dass Universität und Gesundheitsversorgung durch Steuern finanziert werden sollten, denn sonst studiert und heilt nur, wer es sich leisten kann, und der soziale Aufzug verliert seinen Motor. Eine andere Antwort lautet, dass wer subventionierte Ausbildung erhält, sie durch Arbeit dort zurückzahlen sollte, wo sie bezahlt wurde, oder sie wie jeden anderen Bankkredit selbst finanzieren sollte.

Die Nuance, die in weniger emotionalen Positionen wiederholt wird, ist eine andere: Das Problem ist nicht, dass Südamerika keine Abdeckung hat, sondern dass die Abdeckung, wenn sie existiert, spät und schlecht kommt. Und währenddessen löst derjenige mit zwei Pässen das Problem mit einem Flugticket.

Zwei Zahlen bleiben im Raum schweben. Ein Krankenhausaufenthalt in Bolivien kostet mehr als tausend Dollar pro Tag. Und die europäischen Gesundheitsausgaben liegen bei rund 7 % des BIP, was trotzdem ein System trägt, dem heute deutlich mehr misstraut wird als vor zehn Jahren. Keine der beiden Zahlen sagt, wer die Rechnung unterschreibt, wenn der Kranke dein Vater ist.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (248 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

Volver