Warum das Unabhängigkeitsreferendum auf die 3/4-Hürde des Congreso stößt
Es wird keinen Bürgerkrieg geben. Fast niemand glaubt daran wirklich zu Beginn dieser Debatte, aber der Ausdruck wird so oft wiederholt, dass er wie eine Wettervorhersage funktioniert. Der Ausgangspunkt ist ein ausstehendes Treffen: Der König empfängt am Montag Pedro Sánchez und nach der am häufigsten erzählten Version ergeben sich zwei Szenarien —Amnestie und Referendum oder eine Eskalation der Spannung auf der Straße—. Keines davon kommt mit Zahlen. Was Zahlen hat, ist das andere: die verfassungsrechtliche Arithmetik, die jede Unabhängigkeitsbefragung blockiert.
Ist ein Unabhängigkeitsreferendum verfassungswidrig?
Ja, und nicht wegen einer erzwungenen Interpretation des Textes. Der Einwand erscheint gleich in der ersten Botschaft: Ein bindendes Referendum über die Sezession passt nicht in die geltende Verfassung. Um sie zu ändern, reicht eine einfache Mehrheit nicht aus. Es bedarf einer verschärften Reform und praktisch der Unterstützung von drei Vierteln des Congreso. Das ist die reale Mauer, viel höher als die Kriterien eines jeden Gerichts.
Die Diskussion bleibt jedoch nicht auf dem Papier stehen. Es werden zwei Abkürzungen vorgeschlagen: die Verfassung mit der Hälfte der Kammer reformieren und darauf vertrauen, dass das Tribunal Constitucional es billigt, oder den Congreso direkt überspringen und die Befragung nur in Katalonien abhalten. Es sind Hypothesen, keine Ankündigungen. Man sollte sich daran erinnern, denn bei diesem Thema ist die Distanz zwischen dem, was getan werden kann, und dem, was gesagt wird, getan zu werden, die ganze Geschichte.
Das Tribunal Constitucional als Schiedsrichter und Verdächtiger
Die Neutralität des Schiedsrichters ist der schwächste Punkt der gesamten institutionellen Erzählung. Eine Strömung der Analyse gewährt ihm keine Neutralität und beschreibt das Garantietribunal als ein Organ, das von regierungsnahen Sensibilitäten kolonisiert wurde. Es ist eine grobe Disqualifikation ohne Beweise, aber sie erklärt, warum die Sache festfährt: Wenn der Schiedsrichter kontaminiert ist, gilt keine Regel mehr.
Daraus entspringt eine längere Anschuldigung über die Nutzung des Gesetzes als parteiisches Werkzeug. Es wird behauptet, dass bestimmte Normen, die in den letzten Jahren verabschiedet wurden, bereits den verfassungsrechtlichen Rahmen gebrochen haben und dass, sobald diese Tür geöffnet ist, der Rest nur noch eine Frage der Zeit ist. Es ist eine politische These, kein bewiesener Fakt, und so sollte man sie lesen.
Ist alles vor dem Treffen entschieden?
Hier teilt sich die Prognose in zwei. Ein Teil verteidigt, dass das Treffen mit dem König reine Kulisse ist und die Vereinbarung bereits geschlossen ist: Amnestie zuerst, Referendum danach, mit der aktuellen oder der nächsten Legislaturperiode als Frist. Die aggressivste Variante dieser These versichert, dass die Forderungen nicht aufhören werden zu wachsen —mehr Investitionen, mehr Privilegien— und dass die einzige offene Frage ist, wie es später denen verkauft wird, die es bis vor Kurzem für unmöglich hielten.
Auf der anderen Seite gibt es kein öffentliches Dokument, keine Erklärung, kein Datum. Nur ein Hinweis: Die Amnestie wurde in sehr kurzer Zeit vom Tabu zum Verhandlungsgeld, und das nährt den Verdacht, dass jede rote Linie verhandelbar ist. Der Verdacht ist kein Beweis, aber er hat Gewicht.
Wird es einen Bürgerkrieg geben? Diejenigen, die glauben, dass niemand auf die Straße gehen würde
Das Szenario brennender Straßen trifft auf eine zynischere Diagnose: Es gibt keine kritische Masse für einen Aufstand. Das Argument ist generationell. Die Kohorte, die berufen ist, etwas zu tragen, ist am Bildschirm geformt, ohne Organisation, ohne Hierarchie und mit einer Mobilisierungsfähigkeit, die sich in ein paar Trends erschöpft. Hinzu kommt ein obligatorisches Detail in diesem Land: Ein großer Teil der mobilisierbarsten Mittelschicht um die dreißig sorgt sich mehr um ihre Hypothek als um eine Flagge.
Und da ist die Ermüdung. Es wird behauptet, dass die soziale Ausdauerfähigkeit während der Pandemie unter Beweis gestellt wurde, als harte Einschränkungen kaum Reibung akzeptiert wurden. Daher eine unbequeme Schlussfolgerung: Wenn damals nichts brach, wird es schwerlich durch eine Amtseinsetzung brechen. Addiert man die Alterung der Bevölkerung hinzu, fehlt dem Konfrontationsszenario das Soldatenmaterial. Eine andere, dunklere Linie zeigt auf das Gegenteil: Dass, wenn nichts mehr zu verlieren ist, auch die Motivation zu kämpfen verschwindet, und dass jene, die kämpfen, dies tun, in der Hoffnung, etwas zu verbessern.
Das externe Rauschen: Ukraine, russisches Rohöl und Marokko
Mitten im Getümmel taucht ein Datum auf, das nichts damit zu tun hat und gerade deshalb das nützlichste ist. Es wird kommentiert, dass die Vereinigten Staaten eine Obergrenze von 60 Dollar für russisches Rohöl festlegten und dass Russland antwortete, indem es eine Deckelung seiner Kohlenwasserstoffexporte festlegte, wobei Ural bei 82 Dollar gehandelt wurde. Das Detail ist wichtig, weil es die Idee entkräftet, dass ein Krieg —kommerziell oder real— mit Willen gewonnen wird. Er wird mit Preisen gewonnen oder verloren, und keine Rede übertüncht das.
Hinzu kommt der wiederkehrende Verdacht, dass dritte Akteure die innere Unordnung ausnutzen würden. Marokko wird als Nachbar erwähnt, der seine Karten spielen würde, während das Land nach innen schaut. Es gibt keinen Beweis, nur alte Misstrauen, gut dokumentiert durch dazwischenliegende Schläge.
Mit diesem Material ist die vernünftige Vorhersage langweilig: Das Treffen wird vergehen, die Amnistie wird ihren Prozess fortsetzen und das Referendum wird ohne ausreichende Mehrheit bleiben. Was nicht ausgeschlossen werden kann, ist das Übliche —dass das Rauschen die Analyse ersetzt und dass jemand am Ende seine eigene Schlagzeile glaubt—. Wenn das passiert, wird die Rechnung von denen bezahlt, die am wenigsten in der Lage sind, ihr Viertel zu verlassen.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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