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Klimakollaps und die kaum bekannte Geschichte Amerikas
Der demografische Rückgang in Amerika und die Aufgabe Grönlands durch die Wikinger im 14. Jahrhundert fallen zeitlich zusammen. Was die Wissenschaft über transozeanische Kontakte sagt.
Es gibt keine Belege für einen kontinentalen Zivilisationskollaps, der Amerika ein Jahrtausend lang isolierte, wohl aber für schwere Klimaveränderungen zwischen dem 8. und 14. Jahrhundert, die mit dem Untergang der Maya und dem Ende der nordischen Kolonie auf Grönland zusammenfielen. Transozeanische Kontakte vor 1492 gab es, wenn auch nur sporadisch und ohne Kontinuität.
Eine Frage taucht immer wieder beim Abendessen auf: Was, wenn Amerika gar nicht so isoliert war, wie uns erzählt wurde? Der Zweifel ist nicht neu. Und er ist auch nicht abwegig. Was die Archäologie und die Paläoklimatologie in den letzten Jahrzehnten zutage gefördert haben, zeichnet ein unbequemeres Bild als das aus der Schule – mit Hin und Her, brutalen Dürren und Siedlungen, die verkümmern, ohne dass jemand so recht weiß, warum.
## Tenochtitlan hatte um 1500 mehr Einwohner als London
Als die Spanier im Tal von Mexiko ankamen, fanden sie eine Stadt mit **150.000 bis 200.000 Einwohnern** vor, die auf dem Wasser errichtet war. Zur Einordnung: London hatte Ende des 15. Jahrhunderts rund 50.000 Einwohner, Paris kam nicht einmal auf 100.000. Tenochtitlan besaß Dämmerstraßen, Aquädukte, ein Abfallsammelsystem und Anbau auf Chinampas, die mehrmals im Jahr Erträge lieferten. Die Kombination aus Mais, Bohnen und Kürbis – die Milpa – liefert eine annähernd vollständige Ernährung und wird bis heute in der Agrarwissenschaft erforscht.
Die Vorstellung, ein solches Volk habe „im Neolithikum" gelebt, hält keiner Prüfung stand. Das Rad war in Mesoamerika bekannt, aber nur bei Spielzeugen und Ritualobjekten; für den Lastentransport wurde es nicht genutzt. Der meistgenannte Grund ist nicht mangelnde Fantasie, sondern die Geografie: Ohne große Zugtiere – es gab keine Pferde oder Ochsen – und in bergigem, seenreichem Gelände löste ein Karren nichts, was Träger und Kanus nicht ebenso lösten. Die Inka wiederum bewegten Waren über Gebirgswege mit Lamas und einem Relaisystem, das Tausende von Kilometern umfasste.
## Die Kontakte, die es tatsächlich gab
Die nordische Präsenz in Nordamerika ist belegt. Die Überreste von **L'Anse aux Meadows** in Neufundland (Kanada) wurden in den 1960er-Jahren ausgegraben und auf etwa **1000 n. Chr.** datiert; die UNESCO erklärte sie 1978 zum Welterbe. Es gab eine Siedlung, es gab einen Aufenthalt, und es gab eine Aufgabe. Die nordische Kolonie Grönlands, um **985** von Erik dem Roten gegründet, überstand fast fünf Jahrhunderte und verschwand Mitte des 14. Jahrhunderts. Isotopenanalysen an Knochen ihrer Bewohner zeigen eine Ernährung, die zunehmend vom Meer und weniger von der Viehhaltung abhing – ein Zeichen für ein kühler werdendes Klima.
Und asiatische Kontakte? Hier ist Vorsicht geboten. Es gibt Petroglyphen in Ecuador und Peru, die manche Autoren als alte chinesische Schrift deuten wollten; die meisten Epigraphiker akzeptieren das nicht. Die polynesischen Seereisen erreichten die Osterinsel, und laut Studien, die 2020 in Zeitschriften wie Nature veröffentlicht wurden, gibt es genetische Hinweise auf Kontakt zwischen Polynesiern und südamerikanischen Bevölkerungen um das Jahr **1200**. Das ist keine Entdeckung Amerikas, aber eine echte Ozeanüberquerung – mit Datum und mit DNA.
## Die Dürre, die Städte erlöschen ließ
Zwischen dem 8. und 10. Jahrhundert litten weite Teile Mesoamerikas unter langanhaltenden Dürren. Sedimentbefunde aus Seen im Yucatán und Baumringdaten weisen auf wiederholte Trockenperioden hin, die mit dem sogenannten Maya-Kollaps der Spätklassik zusammenfallen. Städte wie Tikal oder Calakmul verloren zwischen **800 und 950** drastisch an Bevölkerung. Es war kein einzelner Schlag: Es war ein Tropfen aus verketteten Krisen, mit Hungersnöten, Kriegen und Migrationen nach Norden.
Am anderen Ende des Kontinents machte die mittelalterliche Abkühlung – die sogenannte Kleine Eiszeit setzt später ein, doch schon im 13. Jahrhundert gibt es klare Anzeichen – die Viehhaltung auf Grönland unmöglich. Die Nordleute zogen fort oder starben dort aus. Zwei Zivilisationen, getrennt durch Tausende von Kilometern und ohne bekannten Kontakt, erloschen im selben Zeitraum aus ähnlichen Gründen: Das Klima spielte nicht mehr mit.
## Was die Wissenschaft nicht trägt
Von dort zu behaupten, Amerika sei ein Jahrtausend lang isoliert gewesen, ist ein Sprung. Die europäischen Seerouten nach Westen waren durch keinen amerikanischen Kollaps „abgeschnitten"; Europa fehlte schlicht die Technologie und der Anreiz, sie zu befahren, bis ins 15. Jahrhundert. Karavellen, der Magnetkompass und Portolankarten sind europäische Erfindungen des Spätmittelalters, keine Geheimnisse, die von einem Ritterorden enthüllt wurden. Und der demografische Einbruch in Amerika nach 1492 – der real und katastrophal war, mit Schätzungen von **20 bis 60 Millionen Toten** durch Epidemien, Kriege und Ausbeutung – geschah nach dem Kontakt, nicht davor.
Aztekische Menschenopfer gab es, und sie sind durch einheimische und spanische Quellen belegt; ihr genaues Ausmaß wird unter Historikern noch diskutiert. Sie als Erinnerung an ein Klimatrauma zu lesen, ist eine reizvolle Hypothese, kein bewiesener Fakt. Die Geschichte Amerikas vor Kolumbus ist faszinierend – ohne begrabene Riesen und geheime Kontinente. Es genügt, hinzusehen, was da ist.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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