Kino als Zufluchtsort: Ein Forumsthread sammelt seit Jahren Filmeempfehlungen

Ein Filmthread vereint Empfehlungen von Wilder, Berlanga und Tarkowski. Der Wunsch nach einem Pin und einem eigenen Subforum bleibt bislang unbeantwortet.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Kino als Zufluchtsort: Ein Forumsthread sammelt seit Jahren Filmeempfehlungen
Ein Ort zum Reden über Filme, der mit Empfehlungen und Debatten am Leben bleibt

Ein Weihnachtsklassiker eröffnete die Unterhaltung, und im Laufe des Threads blieb das Gespräch lebendig. Die Paradoxie: Ein Raum, der dem siebten Kunst gewidmet ist, brauchte Zeit, um sich in einem Forum zu etablieren, in dem – so die Teilnehmer – Meme-Threads viel leichter gepinnt werden. Die Zahl ist nicht gering: 2.800 Antworten rund um Filme von Wilder bis Berlanga, von Tarkowski bis zu den Dardenne-Brüdern. Die Cinephilie, die viele im Streaming-Zeitalter längst abgeschrieben hatten, weigert sich zu sterben.

Die ursprüngliche Bitte war bescheiden: ein einziger Ort zum Teilen und Entdecken von Filmen, mit Pin versehen, damit der Thread nicht «wie Tränen im Regen» verloren geht. Der Blade-Runner-Verweis war kein Zufall. Die Reaktion auch nicht: Manche feierten die Initiative, andere empfingen sie mit der Skepsis von Leuten, die schon zu viele Threads am Ufer sterben gesehen hatten. Der Thread lebt noch.

Von 'Ist das Leben nicht schön?' bis 'La gran familia': Weihnachten als Einstieg

Der Auftakt war volkstümlich. Ist das Leben nicht schön? und La gran familia dienten als Vorspeise: zwei Weihnachtsbilder, ein amerikanisches und ein spanisches, mit James Stewart und Alberto Closas in den Hauptrollen. Der Vergleich lag nahe: Manche ziehen den spanischen Schauspieler bedenkenlos vor, andere verteidigen, Capras Film sei «mehr Märchen», während der von Palacios «volkstümlicher» sei. Beide werden jedenfalls jedes Jahr im Dezember erneut gezeigt.

Der Thread blieb jedoch nicht beim Weihnachtsthema. Bald kamen Empfehlungen für Plácido von Berlanga, mit jener beißenden Note, die in seiner Zeit kaum einer zu filmen wagte. Und von dort zu Wilder, zu Huston, zu Kiarostami. Das Gespräch wandelte sich von der Weihnachtsnostalgie zur Analyse von Regisseuren, die – wie mehrfach angemerkt wurde – eine Gabe für Gesellschaftskritik hatten, selbst wenn sie Komödien drehten.

Billy Wilder, der intelligenteste Regisseur, den eine Mutter je geboren hat

Wenn es einen Namen gibt, der den Thread von Anfang bis Ende durchzieht, dann Billy Wilder. Frau ohne Gewissen gilt als der beste Film noir, der je gedreht wurde. Boulevard der Dämmerung als das beste Porträt der Filmwelt, noch vor Singin' in the Rain. Und Reporter der Satanspresse als runde Meisterwerk, das Journalismus, Justiz und Politik schonungslos kritisiert. Manche behaupten, Wilder sei der Beste in der Komödie und insgesamt der künstlerischste gewesen, aber nicht unbedingt der beste Regisseur. Die Nuance zählt.

Das Gespräch driftete zum Film noir und zur Niederlage als zentralem Thema in Hustons Kino. Die Nacht des Jägers, Charles Laughtons erstes und verfluchtes Werk, erscheint als einer jener Filme, die man nicht vergisst. Ebenso Goldenes Gift mit Robert Mitchum und Frau im Fenster von Fritz Lang. Der Konsens, falls es einen gibt: Das klassische Kino bleibt ein unerschöpfliches Terrain.

Streaming tötet das Kino: Die Klage, die die Unterhaltung durchzieht

Einer der am häufigsten wiederholten Argumentationsstränge ist der Verlust des Rituals. Ins Kino gehen, auf die Premiere warten, das Gefühl spüren, wenn das Licht ausgeht. Die Klage ist nicht neu, aber sie wiegt schwer, wenn man bedenkt, dass der Thread eine Pandemie überlebt hat, die die Kinos monatelang schloss. Manche erinnern sich, Im Namen des Vaters mit fünfzehn gesehen zu haben und das Kino «fast im Schockzustand» verlassen zu haben. Das, so heißt es, könne man zu Hause nicht zurückgewinnen.

Gegen diese Nostalgie halten andere, dass die Filme von früher nicht besser waren: Sie werden einfach mit der Nachsicht erinnert, die die Zeit mit sich bringt. Die menschliche Tendenz, das Alte aufzuwerten, weil sein Kontext schwer zugänglich ist, ist ein Argument, das mit Nachdruck auftaucht. Die Zensur von damals, so wird angemerkt, sei durch subtilere Zensuren ersetzt worden. Die Debatte bleibt offen.

Scorsese, Eastwood, die Dardennes: Das Autorenkino hält stand

Der Thread diente auch dazu, das zeitgenössische Autorenkino zu verteidigen. Mystic River, Million Dollar Baby, Before the Devil Knows You're Dead. Eastwoods Werk als Schauspieler und Regisseur. Die Dardenne-Brüder und ihr Porträt der Radikalisierung. AzulOscuroCasizaino von Daniel Sánchez Arévalo als Beweis, dass auch der spanische Kino Geschichten zu erzählen weiß.

Und Tarkowski. Immer Tarkowski. Andrej Rubljow wird als «sehr interessant als Initiationsreise» beschrieben, wegen seiner Behandlung der vier alchemistischen Elemente. Aber auch als «sehr lang» und «langweilig» für alle, die sich mit seinem Tempo nicht anfreunden können. Die Wahrnehmung von Langsamkeit, so das Fazit, ist subjektiv. Jeder Film hat seinen eigenen Rhythmus.

Der Pin, der nie kam (oder doch)

Die Sache mit dem Pin verdient einen eigenen Abschnitt. Die ursprüngliche Bitte stieß auf die Bürokratie des Forums: Ein Meme-Thread bekam ihn eher als einer, der dem siebten Kunst gewidmet war, so die Klage der Teilnehmer. Die Klage wiederholte sich über Jahre hinweg. Ebenso die Forderung nach einem eigenen Film-Subforum, das zum Zeitpunkt dieser Unterhaltung noch immer nicht existierte. Die Kultur, so scheint es, kommt in der Prioritätenliste immer zu spät.

Die Paradoxie: Der Thread funktionierte ohne Pin. 2.800 Antworten später ist die Unterhaltung noch aktiv. Die Empfehlungen häufen sich: Fanny und Alexander, Shoplifters, Hell or High Water, Die Dämonischen, Breaking the Waves. Jede mit Synopsis, Jahr und Regisseur. Fast wie eine kollaborative Filmothek.

Das Vermächtnis: ein unprätentiöses Filmarchiv

Der Thread hat das Grundproblem nicht gelöst: Es gibt keinen einzigen, geordneten Ort, um im Forum über Filme zu sprechen. Aber er hat bewiesen, dass die Cinephilie keine Erlaubnis braucht, um zu existieren. Von Wilder bis Berlanga, von Tarkowski bis Eastwood hat die Unterhaltung mehr als ein Jahrhundert Filmgeschichte abgedeckt, ohne sich zu entschuldigen.

Bleibt die ewige Frage: Lohnt es sich, weiter Filme in einem Raum zu empfehlen, der dafür nicht gedacht ist? Die Antwort scheint angesichts der 2.800 Nachrichten offensichtlich. Ob jemand sich endlich entscheidet, den Thread zu pinnen, ist eine andere Sache.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (2805 Antworten).

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