KI illustriert Tolkien, während die Kreativbranche Kosten kalkuliert
Kann eine KI besser malen als 98 % der Menschen? In einer Gruppe von Fans von Der Herr der Ringe wird diese Frage ohne Nuancen beantwortet: Fantasy-Bilder werden in Sekunden mit Midjourney und ähnlichen Programmen generiert. Das Hauptargument ist umfassend — Text, Musik, Bild, Video und 3D-Rendering in jedem Stil und in unglaublich kurzer Zeit — und endet immer gleich: Die Technologie steht erst am Anfang.
Das klassische Gegenargument, dass die Maschine keine Seele habe, wird als relativ abgetan. Modelle improvisieren nicht: Sie abstrahieren Millionen menschlicher Werke und treffen mit Millionen Parametern zunehmend genau das, was verlangt wird. Damit wird die Frage nicht mehr künstlerisch, sondern buchhalterisch.
Was heutige Bild-KIs leisten und wo sie scheitern
Die Tools haben sich in zwei Ligen aufgeteilt. Spezialisierte wie Midjourney, Novel AI oder Mage liefern Illustrationen mit Auftragscharakter. Generalisten wie Grok, Gemini oder ChatGPT produzieren brauchbare Ergebnisse, wenn der Nutzer präzise promptet. Mit einer guten KI, so argumentieren Enthusiasten, lässt sich sogar ein Ölgemälde simulieren.
Kritiker betrachten Details und finden Fehler. Figuren mit einem zusätzlichen Bein. Das Cameron-Blau bei Rüstungen. Der neblige Halo um Gesichter. Überlagerte Texturen, die kein Maler verwenden würde, dekorative Pinselstriche ohne Volumen oder Dicke, fehlende Verläufe. Dies sind Fabrikationsfehler, die jeder, der viele Kunstbücher durchblättert hat, sofort erkennt.
Selbst Skeptiker prognostizieren, dass diese Liste wöchentlich kürzer wird. Wenn die Technik keine Schwächen mehr zeigt, muss das Urteil anders getroffen werden: nach dem eigenen Stil, der noch nicht existiert. Bisher reproduziert die Maschine fremde Stile, und es heißt, dass man nur einige Bilder in guter Auflösung zur Schulung braucht, um den Stil eines beliebigen Autors zu klonen.
Wegfallende Jobs: Von zehn Künstlern zu zwei
Die häufigste Berechnung spricht nicht über Kunst, sondern über Gehälter. Wo früher zehn Künstler arbeiteten, werden zwei Künstler und zwei Prompter das Dreifache produzieren. Die Schlussfolgerung ist hart und duldet keine Ausschmückungen: Es werden viel mehr Arbeitsplätze vernichtet als geschaffen.
Die kursierenden Zahlen sind schwer zu überprüfen und leicht zu wiederholen. Eine besagt, dass im Vorjahr allein in den USA eine Million intellektuelle, künstlerische und kreative Jobs weggefallen seien. Eine andere spricht von Werken, die zu 90 bis 100 % mit KI erstellt wurden und als eigene Arbeit in Katalogen und Aufträgen auftauchten.
Konkrete Fälle sind beredter als jede Statistik. Laut einem im Thread erwähnten Beispiel entließ ein Unternehmen für interaktive Kinderinhalte die Person, die die Bilder erstellte. Und in KMU, wo nur ein Logo oder eine einfache Skizze benötigt wird, lautet die Frage nicht mehr, wer es besser macht, sondern wer Hunderte oder Tausende Euro für etwas zahlen wird, das eine KI kostenlos liefert.
Wer zahlt einen Cent für eine KI-Illustration?
Hier bricht der Konsens auf merkwürdige Weise. Selbst Befürworter räumen ein, dass generierter Content keinen Markt hat: Es gibt kein Original zu kaufen, nur einen gedruckten Abzug.
Einige vertreten die Ansicht, Grafikdesign sei nie ein stabiler Beruf gewesen, sondern eine konjunkturelle Tätigkeit, gebunden an eine bestimmte Technologie, und die Illustration habe mehr Zukunft, weil sie einen handwerklichen Aspekt bewahre. Am anderen Ende behaupten manche, dass eine erfahrene, überdurchschnittliche Künstlerin bereits aufgegeben habe. Schlechte Zeiten für Lyrik und fürs Leben, oder halbe Leben, von der Kunst.
Suno, Grok und das Weihnachtsbuch: Nutzung, die kaum jemand bestreitet
Außerhalb der arbeitsrechtlichen Debatte häufen sich praktische Anwendungen. Ein Vater berichtete, er habe mit KI ein illustriertes Buch für seine Tochter erstellt: Die Geschichte zweier Brüder, die Axolotl retten, eine Adaption des Campbell-Monomythos, die funktioniert, weil sie mit dem Unbewussten resoniert, mit kindgerechten Beschreibungen und Kawaii-Stil. In Minuten hatte er das layoutierte Manuskript mit kleinen Korrekturen.
Ein 3D-Animator mit fast 30 Jahren Berufserfahrung spielt mit Grok und nutzt vorhandenes Material neu. Und es wird der Fall einer Person mit höherer Musikausbildung geschildert, die aufgrund einer lateralen Lähmung ihr Instrument nicht spielen kann und in Suno die Möglichkeit gefunden hat, wieder zu komponieren. Sie steuert bereits auf ein viertes Album zu.
In der Musik ist die technische Diskussion zudem eine andere. Harmonie folgt erkennbaren Mustern, und Komposition stützt sich seit jeher auf Versuch und Irrtum, zwei Bereiche, in denen sich Maschinen wohlfühlen. Man kann Millionen Songs pro Minute veröffentlichen, und nicht alle sind schlecht.
Am Ende hat sich die Debatte, die mit der Frage begann, ob die Maschine eine Seele habe, zu etwas Unbequemeren entwickelt. Wenn ein Programm die Arbeit von 98 % gut macht, liegt das Problem vielleicht nicht in der Empfindsamkeit der Maschine, sondern in dem, was wir zu bewundern vorgaben.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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