Katalonien zahlt Migranten für Dorfbelebung

Das Programm Oportunidad 500 bietet Migrantenfamilien in katalanischen Dörfern jährlich 19.434 € brutto und zwölf Monate Wohnraum.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Haus und 19.434 € pro Jahr zur Wiederbelebung von Dörfern: nur für Migrationsfamilien

Miquel Montarmat wandte sich an die Vereinigung der Kleinstädte, um zu erfahren, ob er am Umsiedlungsprogramm teilnehmen kann, das die Generalitat de Catalunya in kleinen Ortschaften pilotiert. Die Pressestelle antwortete, dass das Projekt „ausschließlich auf Migrationsfamilien“ ausgerichtet sei. Er veröffentlichte dies in den sozialen Medien, und die Frage – „Ist das nicht Rassismus?“ – fasst den Kern einer Kontroverse zusammen, die von e-noticies.cat aufgedeckt wurde und weiterhin Wellen schlägt. Ein weiterer Bürger, Anthony Sánchez, ergänzte: „Es gibt viele junge Katalanen, die gerne entvölkerte Gebiete wieder besiedeln würden. Warum wird uns nicht geholfen?“

Hinter dem Streit steht ein konkretes Programm mit Zahlen und einem ungewöhnlichen administrativen Design. Es heißt Oportunidad 500: Arbeit, Dach über dem Kopf und zwölf Monate für Migrationsfamilien in kleinen Gemeinden Kataloniens.

Was genau bietet das Programm Oportunidad 500?

Der Servei d'Ocupació de Catalunya (SOC) zahlt jedem eingestellten Arbeitnehmer 19.434 Euro Bruttojahresgehalt. Jede teilnehmende Gemeinde stellt die Wohnung bereit und übernimmt zudem die Verpflichtung, den Begünstigten nach Ablauf der zwölfmonatigen Programmdauer eine berufliche Perspektive zu suchen.

Der Plan befindet sich bis Oktober in der Pilotphase, mit dem erklärten Ziel, ihn auf Gemeinden mit weniger als 1.000 Einwohnern auszuweiten. Fünf Fachkräfte des SOC begleiten und beraten die Teilnehmer. Tania Verge ist eine der Initiatorinnen, koordiniert mit dem Ministerium für Feminismus.

Die Anforderung, die Einheimische ausschließt

Die Ausschreibung richtet sich ausschließlich an Flüchtlinge und Einwanderer mit gültigen Papieren. Es gibt keine weiteren Zugangsvoraussetzungen. Der Fall von Montarmat, der sich selbst als Aspirant bezeichnet, leere Gebiete Kataloniens wieder zu besiedeln, löste Vorwürfe der Diskriminierung aufgrund ethnischer Herkunft und Nationalität aus: Einige bezeichnen dies als verfassungswidrig, andere bezweifeln, dass die Regelung so umgesetzt wird.

Ein Teil der Unzufriedenheit bleibt nicht beim Vergleich der Ungerechtigkeit stehen. Es wird argumentiert, dass Neuankömmlinge bei der ersten Gelegenheit abwandern werden und kein Interesse am Landleben haben; im Gegenzug wird daran erinnert, dass sich Bevölkerungen in Zyklen bewegen und dieses leere Spanien bereits zuvor gefüllt und geleert wurde. Inmitten dessen der übliche Vorwurf: Dass öffentliche Gelder namentlich vergeben werden, während der Nachbarjunge noch bei seinen Eltern wohnt.

Ist es legal, die Hilfe nur Migranten vorzubehalten?

Bisher gibt es keinen gerichtlichen Beschluss, keine formelle Klage und kein Urteil in dieser Angelegenheit. Der rechtliche Vorwurf kursiert als Verdacht: Es wurde bereits eine Verfassungsbeschwerde gefordert, um die Ausschreibung zu stoppen, und manche gehen davon aus, dass eine nach Nationalität eingeschränkte Beihilfe vor Gericht nicht bestehen würde. Nichts davon hat den Bereich der Meinung verlassen.

Ripoll und der Präzedenzfall der Sozialhilfe

Die Angelegenheit knüpft an einen früheren Konflikt an: die Verteilung der Sozialhilfe. Die Bürgermeisterin von Ripoll, Sílvia Orriols, behauptet, dass der Consorci de Benestar Social „vor allem Einwanderer begünstigt und die Einwohner von Ripoll diskriminiert“, und befürwortet die Abschaffung von Klauseln, die sie als zugunsten der Migrationsbevölkerung ansieht, damit Nachbarn unter gleichen Bedingungen Zugang erhalten. Sie behauptet auch, dass Einwanderer nicht verpflichtet seien, Immobilien oder andere Vermögenswerte anzugeben.

[Gleichbehandlung], in ihrer wörtlichsten Version. Das Argument lässt sich jedoch ebenso gut auf das Umsiedlungsprogramm anwenden: Wenn Diskriminierung das Problem ist, scheint die Lösung nicht darin zu bestehen, eine andere zu schreiben.

Die Rechnung: 1.600 Euro monatlich versus Jugendarbeitslosigkeit

Die 19.434 Euro Bruttojahresgehalt entsprechen etwa 1.600 Euro monatlich, eine Zahl, die in weiten Teilen des Landes über dem liegt, was ein junger Mensch mit prekären Vertrag verdient. Daraus resultiert der Großteil des Ärgers: Es wird daran erinnert, dass Arbeitslose 800 Euro beziehen und KMU sowie Selbstständige unter Druck stehen, und es wird verteidigt, dass ländliche Arbeitsplätze besser geschaffen werden, indem man die Lasten für die dort bereits Anwesenden reduziert.

Auf der anderen Seite steht ein schwer zu widerlegendes Faktum: Keine andere Verwaltung zahlt ein vergleichbares Gehalt für den Umzug in ein Dorf, und kommunaler Wohnraum ist eine knappe Ressource, die nicht gleichmäßig verteilt wird.

Bezahlung für Wiederbesiedlung ist keine katalanische Erfindung

Das World Economic Forum hat ähnliche Programme zusammengestellt: Japan, Portugal, Irland und Australien bieten Anreize für den Umzug ins ländliche Gebiet, und 2020 bot ein italienisches Dorf mit 115 Einwohnern bis zu 8.000 Euro pro Jahr für drei Jahre an. Die Pandemie und das Homeoffice machten diesen Umzug machbarer. Der Unterschied ist, dass fast alle diese Pläne für jeden Bewohner offen sind, nicht nur für eine bestimmte Gruppe.

Bleibt das unbequeme Detail. Dieselbe Gemeinde, die das Haus stellt, muss danach die Arbeit finden, und wenn das Dorf nicht mehr hergibt, verfällt die Hilfe und der Neuankömmling packt seine Koffer. Ein Umsiedlungsprogramm mit einer Verfallsfrist von zwölf Monaten belebt nicht wieder: Es macht nur Zwischenstopp.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (248 Antworten).

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