Katalonien-Flüchtige bleiben in NATO-Ländern, nicht in Russland

Puigdemont und sechs weitere Separatisten leben in Verbündetenstaaten wie Belgien, nicht in Russland.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Katalonien-Flüchtige bleiben in NATO-Ländern, nicht in Russland
Ein weiterer Tag: Katalanische Flüchtige verbleiben in Alliiertenländern, nicht in Moskau

Jeden Morgen dieselbe Überprüfung. Keiner der Namen auf der Liste — Carles Puigdemont, Valtonyc, Clara Ponsatí, Toni Comín, Lluís Puig, Meritxell Serret und Marta Rovira — taucht morgens in Moskau auf. Die sieben befinden sich weiterhin im Hoheitsgebiet von Spaniens Verbündeten, und keiner hat seinen Wohnsitz in Russland festgelegt. Dieses Detail, das bis zur Erschöpfung wiederholt wird, dient im Thread als Argument, um einen Teil der Erzählung zu entkräften, die die katalanischen Unabhängigkeitsbefürworter als Akteure einer vom Kreml gelenkten Operation darstellt. Laut dieser Lesart zeigt die Geografie etwas anderes.

Wo sich die sieben Flüchtigen tatsächlich aufhalten

Die Liste ist kurz und unverändert. Puigdemont lebt in Belgien, demselben Land, das den Sitz der NATO beherbergt und den ehemaligen Präsidenten trotz der von der spanischen Justiz erlassenen Haftbefehle nicht ausgeliefert hat. Darüber hinaus hält Puigdemont ein Mandat als Europaabgeordneter, eine Eigenschaft, die jede Auslieferung erschwert und ihm praktisch jahrelang politischen Schutz gewährt hat.

Über die anderen ist weniger bekannt, es wird mehr spekuliert. Ponsatí, Comín, Puig, Serret und Rovira haben ihre Aktivitäten in Belgien und dem übrigen Gemeinschaftsraum fortgesetzt. In keinem Fall Moskau. Wer diese Namen im russischen Einflussbereich sucht, wird sie nicht finden: Sie stehen unter der Flagge jener Partner, die auf dem Papier bei ihrer Übergabe an die spanischen Gerichte kooperieren sollten.

Warum liefert Belgien Puigdemont nicht aus?

Es gibt keine einzige Erklärung, und wahrscheinlich wird es nie eine geben. Ein Teil der Analyse geht davon aus, dass in bestimmten europäischen Institutionen eine grundlegende Sympathie für die Sache der Unabhängigkeit besteht. Eine andere Strömung verweist auf die gerichtlichen Verfahren, Rechtsmittel und den Status als Europaabgeordneter. Und eine dritte — die weniger elegante, aber ehrlichere — stellt fest, dass es sich für bestimmte Partner nicht lohnt, aktiv zu werden, solange die diplomatischen Kosten hoch sind.

Entscheidend ist die Asymmetrie. Spanien fordert seine Landsleute zurück und erhält sie nur tropfenweise; die Länder, die die Flüchtigen beherbergen, berufen sich auf Garantien und Verfahren. Dieselben Staaten, die von Dritten nahtlose Zusammenarbeit verlangen, wenden ihre eigenen Standards mit strenger Lupe an.

Separatismus als Werkzeug Dritter

Seit geraumer Zeit kursiert eine unbequeme These: Für einen Teil der Analyse seien die Abspaltungsbewegungen in Spanien ein Instrument, das von außen genutzt wird, um das Land schwach zu halten. Es wird daran erinnert, dass die Farbrevolution in Katalonien nicht in einem offenen Aufstand endete, und manche behaupten, dies lag nicht am Fehlen eines Plans, sondern daran, dass der Zeitpunkt ungünstig war.

Daraus ergibt sich das schärfste Argument: Wenn die Verbündeten wirklich Verbündete wären, wäre die Antwort anders ausgefallen. Stattdessen wird darauf hingewiesen, dass die innere Schwäche offen ausgenutzt wird und der Druck steigt, sobald Spanien versucht, sich zu profilieren. Die vermeintlichen Freunde, so heißt es, verhalten sich eher wie Herren denn als Partner. Die daraus gezogene Schlussfolgerung ist so einfach wie hart: Auf dem internationalen Schachbrett gibt es keine solidarischen Blöcke, jeder schaut auf seinen eigenen Vorteil.

Die wirtschaftlichen Kosten, die in Katalonien noch immer nachwirken

Der „Procés“ hinterließ eine greifbare Rechnung. Tausende Unternehmen verlegten ihren Hauptsitz aus Katalonien weg. Viele Bürger brachten ihre Ersparnisse zu Banken mit Sitz außerhalb der Region. Und ein Teil der Bevölkerung befürchtete während der angespanntesten Monate, innerhalb und außerhalb Spaniens zu Bürgern zweiter Klasse zu werden.

Diese Angst hat einen Preis, auch wenn es schwerfällt, ihn auf eine einzelne Zahl zu reduzieren. Manche argumentieren, dass die rechtliche Unsicherheit wie eine stille Steuer auf Investitionen wirkte, und die Frage, inwieweit dieser Schaden reversibel war, bleibt unbeantwortet.

Frankreich, der Vatikan und die bequemen Zufluchtsorte

Dieses Phänomen ist nicht neu. Man erinnert sich, dass Frankreich jahrzehntelang als Rückzugsgebiet für die Terrororganisation ETA diente, mit Toleranzphasen, die heute kaum zu erklären sind. Der Vatikan wurde seinerseits als diskreter, aber beständiger Fürsprecher bestimmter nationalistischer Forderungen genannt. Und Marokko, das kein NATO-Mitglied ist, verfügte über Deckungen, die Spanien in konkreten Fällen teuer zu stehen kamen.

Das Muster wiederholt sich: Die Zufluchtsorte sind weder zufällig noch sentimental, sondern kalkuliert. Jedes Land misst den Gewinn, den es aus der Duldung des Flüchtlings des Nachbarn zieht.

Der Spiegel Ukraine

Der Vergleich mit der Ukraine taucht immer wieder auf. Manche behaupten, die katalanischen Unabhängigkeitsbefürworter würden sich mit der Zukunft der ukrainischen Regionen nach einem Konflikt wohlfühlen, der das Gebiet entvölkert und verarmt hat. Die Ironie ist bitter: Wer Selbstbestimmung aus Brüssel heraus proklamiert, hat sich jahrelang nicht zu Fällen geäußert, die perfekt in ihr eigenes Narrativ passen würden.

Hier stockt die Analyse. Man kann diskutieren, ob die katalanische Sache ein Baustein auf einem fremden Schachbrett ist, ob Brüssel aus Interesse oder purer administrativer Trägheit handelt, oder ob all dies Innenpolitik ist, verkleidet als Geopolitik. Was nicht zusammenpasst, ist die Behauptung, Puigdemont und seine Mitstreiter befänden sich im russischen Orbit. Sie sind dort, wo sie nie zugeben wollten, dass sie sind.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (240 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

Volver