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Katalonien: Anteil der Muslime bei neun Prozent
Schätzungen sehen den muslimischen Bevölkerungsanteil in Katalonien bei neun Prozent, höher als in Belgien. Daten aus Madrid und Barcelona beleben den Vergleich.
Katalonien und die neun Prozent Muslime: Der Kontrast zu Madrid
Seit Monaten kursiert eine Schätzung, die den Anteil der muslimischen Bevölkerung in Katalonien auf rund 9% beziffert – etwa 700.000 Menschen von insgesamt 8,1 Millionen Einwohnern. Diese Zahl würde die Region über Länder wie Belgien oder die Niederlande stellen. Von dieser Demografie auf einen Machtgewinn für die PSC (Partido de los Socialistas de Cataluña) zu schließen, ist jedoch ein großer Schritt, der derzeit heftig diskutiert wird. Die gleichen Berechnungen, die gegen Katalonien angeführt werden, gelten auch für Madrid. Dort verheddert sich das Argument allerdings.
Hat Katalonien mehr Ausländer als Madrid?
Madrid gilt als die spanische Stadt mit den meisten marokkanischen und afrikanischen Bewohnern, während Barcelona eher westeuropäische und russische Zuwanderer anzieht. Dies ist die häufigste Gegenreaktion auf die eingangs genannte Schlagzeile und nicht unwichtig: Betrachtet man die absoluten Zahlen in den Großstädten, ändert sich das Bild. Auch die administrative Gliederung spielt eine Rolle. Katalonien verteilt seine Bevölkerung auf 1.000 Gemeinden; Madrid auf nur 110. Dieser Unterschied verzerrt jeden Provinzdurchschnitt und erklärt, warum zwei Personen dieselben Quellen lesen können, aber zu gegensätzlichen Schlüssen kommen.
Prozentsätze variieren je nach Gruppierung der Herkunftsländer
In prozentualer Hinsicht wird argumentiert, dass Barcelona mehr afrikanische und nordafrikanische Einwohner habe, während Madrid mehr Lateinamerikaner konzentriere. Der Schlüssel liegt in der Kategorisierung. Werden Argentinier zur europäischen Gruppe gezählt und andere separat betrachtet, neigt sich die Waage in die eine Richtung; werden Lateinamerikaner zusammengefasst und Nordafrika getrennt gehalten, kippt sie in die andere. Keine Kombination ist neutral, alle passen in dieselben Statistiken. Bevor man demografische Schlagzeilen akzeptiert, sollte man fragen, wo genau die Grenzen zwischen den Gruppen gezogen wurden.
Kriminalitätsdaten, die in die Debatte einfließen
Das zweite Feld sind die Straftaten. Laut den verglichenen Daten registrierte Madrid 2024 940 Vergewaltigungen (bei 110 Gemeinden und ca. 7 Millionen Einwohnern), im Vergleich zu 729 in den vier katalanischen Provinzen (bei 1.000 Gemeinden und 8,1 Millionen Einwohnern). Hinzu kommt die Beobachtung eines Anstiegs von zwei täglichen Vergewaltigungen auf neun innerhalb von zwanzig Jahren. Diese Zahlen dienen der Orientierung, nicht der endgültigen Bewertung, und kommen mit einem Vorbehalt: Sie stammen aus langen Reihen, die oft nicht nach denselben Kriterien oder mit derselben Bezugsgröße verglichen werden. Ceuta und Melilla werden ebenfalls genannt, mit höheren Quoten als jede Festlandprovinz, was den Rahmen „Katalonien gegen den Rest“ relativiert.
Hospitalet de Llobregat und Bürgerproteste gegen Unsicherheit
Die Debatte erreichte die Straße. In Hospitalet de Llobregat und Esplugues de Llobregat wurden Demonstrationen gegen Unsicherheit und Verwahrlosung der Stadtviertel angekündigt, festgelegt für Mittwoch, den 1. Oktober, um 18:00 Uhr auf der Plaça de la Bóbila. In diesen Monaten fanden Polizeieinsätze gegen Banden und Verhaftungen statt, wie in den jeweiligen Medienberichten zu lesen war. Der Schwerpunkt lag auf diesen konkreten Fällen statt auf allgemeinen Statistiken. Mit spezifischen Vierteln im Fokus wurde die Demografie plötzlich greifbar.
Wie misst man die muslimische Bevölkerung ohne religiöse Zählung?
Es gibt kein offizielles Register, das die Bevölkerung nach Religion zählt. Die Zahlen werden aus Staatsangehörigkeiten und indirekten Indikatoren geschätzt, weshalb die Ergebnisse schwanken: Die 9%, die Katalonien zugeschrieben werden, sinken auf 8,2%, wenn man sie auf die Gesamtbevölkerung bezieht, und ändern sich erneut, je nachdem ob irreguläre Bewohner einbezogen werden oder nicht. Jeder Vergleich zwischen Regionen, erst recht zwischen Ländern, trägt diese Ungenauigkeit in sich. Die Präzision, die man von den Daten erwartet, bietet keine der verfügbaren Quellen.
Vom Melderegister zur Wahlurne: Das offene Fragezeichen
Hier stockt die Analyse. Es wird argumentiert, die Demografie werde die Wahlen in Katalonien entscheiden und die PSC begünstigen. Die Gegenposition lautet, dass Wahlverhalten nicht aus einem Melderegister abgeleitet werden kann und die Diskussion eher bei Labels als bei harten Zahlen steht. Dazwischen bleibt ein fester Fakt: Katalonien nähert sich den 10 Millionen Einwohnern, während weite Teile des spanischen Binnenlands entvölkert werden. Noch hat niemand erklärt, wie Boden, Wasser und Dienstleistungen für dieses Wachstum finanziert werden sollen.
An diesem Punkt endet die Rechnung. Niemand legt die Kosten des nächsten Jahrzehnts auf den Tisch, noch den tatsächlichen Einfluss der Demografie auf die Wahlen, noch warum der Vergleich mit Belgien oder den Niederlanden als selbstverständlich gilt, obwohl die Ausgangszahlen Schätzungen sind. Das Thema wird weiterhin Schlagzeilen machen. Die Arithmetik schließt sich vorerst nicht.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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