Katalanischer Presserat verbietet Begriff 'MENA'

Der Katalanische Journalistenverband und der CIC fordern Medien auf, den Begriff 'MENA' nicht mehr zu verwenden, da er unbegleitete Minderjährige entmenschliche.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Katalanischer Presserat verbietet Begriff 'MENA'
Katalanischer Journalistenverband will Akronym 'MENA' aus dem Sprachgebrauch streichen

Der Katalanische Journalistenverband (Col·legi de Periodistes de Catalunya) und der Rat für die Information in Katalonien (CIC) haben Medien aufgefordert, den Begriff „MENA“ für unbegleitete Minderjährige nicht mehr zu verwenden. Ihr Argument: Er entmenschlicht diese Jugendlichen, macht sie zum Ziel von Hassrede und ist fremdenfeindlich. In einer Mitteilung erinnern beide Organisationen daran, dass das Akronym stets umstritten war, weil die extreme Rechte ihm laut ihrer Einschätzung Konnotationen von Kriminalität und falschen Privilegien zugeschrieben habe. Sie verweisen auch auf UNICEF, das gewarnt hat, der Ausdruck „objektiviert Kinder“ und widerspreche der UN-Kinderrechtskonvention.

Was genau gefordert wird und warum jetzt

Die Empfehlung ist inhaltlich nicht neu, aber der Zeitpunkt ist es. Der Verband und der CIC betonen, dass die meisten Medien das Akronym bereits aufgegeben hätten, und dass es erst in den letzten Tagen – im Zuge der Vereinbarungen zur Übernahme der Betreuung dieser Minderjährigen – wieder in Pressemeldungen, digitalen Portalen und audiovisuellen Nachrichten entdeckt wurde. Daher der öffentliche Aufruf.

Der Text beruft sich auf Kriterium 11 des Ethikkodex für Journalisten, der den Schutz der Rechte von Minderjährigen vorschreibt, und empfiehlt die Verwendung von „Ausdrücken, die sich von der Sprache distanzieren, die einen der verletzlichsten Sektoren der Gesellschaft kriminalisieren soll“. Die Forderung stützt sich auf eine einfache Idee: Wenn Sprache die Wahrnehmung prägt, ändert ein neues Label auch den Umgang.

Die Reaktion auf die Mitteilung zeigt in die Gegenrichtung. Viele Antworten teilen eine unbequeme Diagnose für die Unterzeichner der Empfehlung: Das Problem liegt nicht am Wort, sondern an dem, was das Wort benennt. Und wenn das Benannte weiterhin existiert, wird jeder Ersatz irgendwann dieselbe Bedeutung annehmen.

Das häufigste Argument: Das Signifikat erbt die Bedeutung

Dies ist der meistzitierte Einwand und zugleich der schwerste aus ethischer Sicht zu widerlegen. Das Akronym „MENA“ – minderjähriger Ausländer ohne Begleitung – entstand im Verwaltungs- und Journalistenjargon ohne explizit abwertende Last. Durch den Gebrauch, so Kritiker, habe es schließlich die Konnotation der damit verbundenen Fakten mitgeschleppt. Den Namen zu ändern löscht den Inhalt nicht: Es verschiebt ihn nur.

Manche formulieren dies mit einem häuslichen Beispiel: Bevor man es Toilette nannte, hieß das W.C. Abtritt, und Scheiße riecht immer noch gleich, egal wie oft man das Möbelstück umbenennt. Andere verweisen auf die Sprachgeschichte: So erging es dem Begriff Zascandil, ursprünglich ein klinischer Terminus, der später zum Schimpfwort wurde. Ihre Schlussfolgerung lautet, dass die Flucht zum nächsten Euphemismus endlos sei und dass jedes neue Wort irgendwann kontaminiert werde.

Daraus ergibt sich eine wiederkehrende Prognose: Es ist egal, wie man sie nennt. Entscheidet man sich für „Schmetterlinge“, wird „Schmetterling“ in einigen Monaten dieselben Konnotationen tragen. Das Wort erschafft das Phänomen nicht; es etikettiert es.

Der Vorwurf der Inkonsistenz: Wer prägte den Begriff?

Ein Teil der Kritik bestreitet nicht die sprachliche Basis, sondern die Urheberschaft. Es wird behauptet, dass das Akronym von den Medien selbst und dem institutionellen Vokabular eingeführt wurde und nun jene, die es verwendeten, andere auffordern, es zu unterlassen. Die Formel, die diese Haltung zusammenfasst, ist einfach: Erst erfindet man den Begriff, dann tilgt man seine Spuren.

In diesem Zusammenhang wird auf ein weniger edles Motiv als den Kinderschutz verwiesen: die Möglichkeit, Medien durch Ethikkodizes und bedingte Subventionen von öffentlichen Finanzierungen auszuschließen. Der Verdacht – ungeprüft – lautet, dass Richtlinien von der politischen Macht kämen und als professionelle Selbstregulierung präsentiert würden.

Demgegenüber beschränkt sich die Mitteilung des Verbands und des CIC darauf, den Ethikkodex und die UN-Konvention anzurufen. Sie bewertet nicht, wer den Begriff zuvor verwendet hat oder mit welcher Absicht.

Was in die Debatte einfließt: Kriminalität, Nationalität und fehlende Daten

Der dritte Block der Thematik ist der unbequemste und eignet sich am wenigsten für linguistische Analysen. Eine Strömung vertritt die Ansicht, dass die eigentliche Debatte nicht darum geht, wie diese Minderjährigen genannt werden, sondern was einige von ihnen tun: Es werden Übergriffe, Diebstähle und Schlägereien erwähnt, und es wird behauptet, dass das Verschweigen der Nationalität eines ausländischen Täters Teil desselben Mechanismus sei. Dies sind Behauptungen, die im Austausch ohne dokumentarische Belege zirkulieren und daher bleiben, was sie sind: Meinungen, die denjenigen zugeschrieben werden, die sie vertreten, keine nachgewiesenen Fakten.

Eine andere Linie, tonal eher marginal, aber präsent, erinnert daran, dass ein allein ankommender Minderjähriger keine statistische Anomalie ist: Die Anomalie besteht darin, dass seine Eltern in einem anderen Land sind und dass ein Netzwerk existiert, das an diesem Transfer verdient. Unter dieser Perspektive wird das Phänomen als Menschenhandel und Schlepperei von Minderjährigen gelesen, mit Straftaten vom ersten Glied der Kette an, und nicht als Frage der Adjektive.

Und eine dritte Stimme, grundlegender, stellt fest, dass das Problem vor der Sprache liegt: Wenn das Akronym negativ konnotiert ist, liegt die Ursache in den damit assoziierten Verhaltensweisen, nicht in den Silben.

Das Fazit: Eine Empfehlung ohne Zwangsgewalt

Der Journalistenverband und der CIC haben keine Befugnis, etwas zu erzwingen. Was sie getan haben, ist eine öffentliche Empfehlung, gestützt auf einen Kodex, den nur unterzeichnet, wer möchte. Folgen die Medien ihr, verschwindet das Akronym aus den Schlagzeilen und wird durch längere Umschreibungen ersetzt. Folgen sie ihr nicht, hat die Mitteilung zumindest dazu gedient, festzuhalten, wer sie unterzeichnet hat.

Es ist abzusehen, dass der Begriff in der Umgangssprache überleben wird, wo tatsächlich die Bedeutung von Worten entschieden wird. Und dass beim nächsten Vorschlag eines Ersatzes jemand dasselbe Argument wiederholen wird: Es liegt nicht am Label, sondern am Gelabelten.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (121 Antworten).

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