Kanzleigründung in Madrid: 24.000 Euro Verlust in zwei Jahren

Eine Anwaltskanzlei in Madrid zu eröffnen kostet 24.000 Euro in zwei Jahren – ohne einen einzigen Mandanten. Pflichtverteidigung gibt es erst nach zwei bis drei Jahren Berufserfahrung.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Kanzleigründung in Madrid: 24.000 Euro Verlust in zwei Jahren
Eine Anwaltskanzlei in Madrid zu eröffnen kostet 24.000 Euro in zwei Jahren – und das, bevor der erste Mandant kommt

Die Szene wiederholt sich in jedem Gespräch zwischen Berufstätigen Mitte dreißig: eine Beamtin mit festen Stelle, ein Partner voller Begeisterung und ein Businessplan, der nach Befreiung klingt. Der Fall ist konkret. Eine Rechtsanwältin mit zwei Jahren Beurlaubung vom Beamtenverhältnis, ohne echte Berufserfahrung, mit einem frisch abgeschlossenen Praxis-Master und ein paar Kontakten zu Madrider Kanzleien, beschließt, sich selbstständig zu machen. Ihr Partner fragt in einem Gründerforum, wie es um die Branche steht. Die Antwort ist, von Ausnahmen abgesehen, einstimmig: Lass es bleiben.

Die erste Rechnung, die im Gespräch auftaucht, ist die, die am meisten wehtut. Ein kleines Büro in einem bescheidenen Viertel von Madrid beginnt bei **600 Euro Miete** und rund **400 Euro für Zulassung, Gebühren und Mehrwertsteuer**. Tausend Euro im Monat, zwölftausend im Jahr, vierundzwanzigtausend in den zwei Jahren der Beurlaubung. Und das ohne Nebenkosten, Berufshaftpflichtversicherung oder Beiträge zur Selbstständigenversicherung. Die Frage, die über dem ganzen Austausch schwebt, ist einfach: Woher kommt der erste Mandant?

Die Pflichtverteidigung ist nicht das Sicherheitsnetz, als das sie gilt

Die Vorstellung, über die Pflichtverteidigung den Einstieg zu schaffen, zerfällt schnell. Der Zugang erfordert **zwei bis drei Jahre Berufserfahrung** – genau das, was fehlt. Und selbst wenn sie es schaffen würde, erinnern manche daran, dass man in Madrid *dafür nicht bezahlt wird*: Die Zahlungen kommen spät, schlecht oder gar nicht. Selbst die Erfahrung, die ihr später den Zugang ermöglichen würde, wäre schwer zu sammeln.

Der zweite Schlag kommt von der Kontaktseite. Die befreundeten Kanzleien, die versprechen, Mandate weiterzuleiten, tun das zwar – aber nur mit den Brosamen, die sie selbst nicht wollen. Ein Anwalt mit zweiundzwanzig Jahren Berufserfahrung bringt es auf den Punkt: Ist ein Fall interessant, behalten sie ihn; was beim Neuling ankommt, ist das, was sich nicht lohnt. Das Bild der Nachbarkanzlei, die ein Erbmandat abgibt, weil *die Junge solche Themen nicht mag*, ist keine Einzelanekdote, sondern das Geschäftsmodell.

Das spanische Gerichtsgebührengesetz und der Mandant, der nicht zahlt

Der rechtliche Rahmen verschärft das Bild. Das Gerichtsgebührengesetz, das im Zuge der Haushaltskürzungen der letzten Jahre verabschiedet wurde, verringert die Zahl der Verfahren, die vor die Gerichte kommen – und damit auch die Mandate. Der Vorschuss, ein Begriff, den ein Veteran sich *unbedingt einprägen* empfiehlt, wird zum wertlosen Papier, wenn der Mandant kein Geld hat. Ein Anwalt aus Valencia mit Heimkanzlei sagt es ungeschminkt: Sein monatliches Nettoeinkommen liegt unter dem Gehalt einer mittleren Beamtin. Und im August, dem gerichtsfreien Monat, wird gar nichts abgerechnet.

Die Berichte derer, es versucht haben, zeichnen eine bekannte Kurve. Ein Fall: erstes Jahr Verluste, zweites Jahr **600 Euro** Gewinn, danach die Entscheidung, die Kanzlei aufzulösen und sich wieder zu bewerben. Ein anderer: Einnahmen mitten in der Krise um **70 Prozent** gefallen – nicht wegen fehlender Fälle, sondern weil die Kundschaft nicht zahlen kann. Die wiederkehrende Schlussfolgerung: Die Branche ist kein Produktgeschäft. Es genügt nicht, aufzumachen und zu warten. Was einen Anwalt ernährt, ist das Vertrauen seines Umfelds, und das baut sich über Jahre auf.

Gibt es Raum für Spezialisierung?

Nicht alles ist schwarz. Eine Scheidungsanwältin kommt, laut Bericht eines Verwandten, kaum hinterher. Familienrecht und Erbschaften sorgen für wiederkehrende Arbeit, wobei die Krise auch die Scheidungen gebremst hat: Die Leute trennen sich nicht, um Kosten zu sparen. Das Strafrecht, die erklärte Berufung der Protagonistin, erscheint schwieriger: Die üblichen Mandanten zahlen selten, und die Art der Fälle ist, einer Meinung im Thread zufolge, für Frauen enger begrenzt. Das Verwaltungsrecht scheidet mangels Eignung und Neigung aus.

Die Alternative, die manche vorschlagen, ist die geteilte Kanzlei oder die Zusammenarbeit mit einer großen Kanzlei, die Mandate weiterleitet. Sich ein Büro neben der Kanzlei zu mieten, die Fälle verspricht, ist eine Möglichkeit, nah am Geschäft zu sein, ohne allein von ihm abzuhängen. Aber auch dieser Weg verlangt, Verluste auszuhalten, während sich der Mandantenstamm aufbaut.

Der menschliche Faktor: Begeisterung zahlt keine Miete

Das Gespräch driftet ins Persönliche. Manche sprechen von *beruflich verkleidetem Neid*, andere warnen, die Entscheidung könnte das Familienleben zerstören, wenn Kinder im Spiel sind. Der Partner hat Ersparnisse und ein festes Gehalt, das die Ausgaben während der zwei Jahre Beurlaubung deckt – das Projekt wird so zum Abenteuer mit Netz. Aber das Netz verhindert das Loch nicht: Es macht es nur weniger schmerzhaft.

Der Konsens, mit Abstrichen, lautet: Eine Beamtenstelle wird nicht so leicht zurückgewonnen, wie sie aufgegeben wird. Die Beurlaubung erlaubt die Rückkehr, ja, aber die verlorene Zeit ist verloren. Und in einem Markt mit **achtzig überzähligen Anwälten auf hundert**, wie ein Prozessspezialist zusammenfasst, liegt der Unterschied zwischen Erfolg und Schließung nicht in der fachlichen Qualität, sondern im Verhandlungsgeschick. Das lernt man nicht in einem Praxis-Master.

Die Prognose, mit Vorbehalt: Wenn das Projekt weiterläuft, werden die zwei Jahre höchstwahrscheinlich mit Verlusten und Lernen verbracht. Kehrt die Anwältin in ihre Stelle zurück, hat sie eine Erfahrung gewonnen, die mit Geld nicht zu bezahlen ist. Kehrt sie nicht zurück, fällt das Loch größer aus. Auf das dritte Szenario wettet in dem Gespräch niemand.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (52 Antworten).

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