Kanarier: Weiße Europäer oder hellhäutige Afrikaner?

Im Diskurs wird behauptet, die meisten Kanarier stammten von kastilischen Siedlern ab, mit nordafrikanischen und subsaharischen Einflüssen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Kanarier: Weiße Europäer oder hellhäutige Afrikaner?

Sind die Kanarier weiße Europäer oder Afrikaner mit etwas hellerer Haut? Diese Frage, die in Spanien oft mit einem gewissen Unterton gestellt wird, hat eine unbequeme Antwort: Es hängt davon ab, wen man fragt und was man unter „weiß“ versteht. Auf den Kanaren, wie im Diskurs argumentiert wird, stammt die Mehrheit der Bevölkerung von kastilischen Kolonisten ab, die nach der Eroberung ankamen, aber es gibt auch einen nordafrikanischen und subsaharischen genetischen Anteil, das Ergebnis von Sklaverei und Immigration. Diese Mischung ist weit davon entfernt, ein Stigma zu sein; sie ist die Grundlage der Inselidentität.

Der genetische Ursprung der Kanarier: Guanchen, Kastilier und Sklaven

Die ersten Bewohner der Kanaren waren die Guanchen, ein berberisches Volk aus Nordafrika. Nach der kastilischen Eroberung im 15. Jahrhundert wurde die indigene Bevölkerung durch Kriege, Krankheiten und Deportationen dezimiert. Auf diesem Untergrund ließen sich Siedler aus Kastilien, Portugal, Galicien und in geringerem Maße aus anderen europäischen Regionen nieder. Ab dem 16. Jahrhundert verlangte die Zuckerwirtschaft und später die Weinindustrie Sklavenarbeit, überwiegend subsaharischer Herkunft. Dieser dreifache Beitrag – guanchisch, europäisch und afrikanisch – bildet das heutige genetische Erbe der Kanaren.

Manche vertreten die Ansicht, dass die Kanarier im Wesentlichen weiße Europäer mit einer leichten afrikanischen Nuance sind. Andere betonen jedoch, dass diese Nuance mehr als nur ein Detail ist und dass die Mischung der Inselidentität wesensmäßig eigen ist. Die Diskussion wird oft hitzig, wenn sie auf die physische Erscheinung übertragen wird: Kann man einen Kanarier von einem Festlandsspanier unterscheiden? Die Antwort ist nicht eindeutig.

Der soziale Status der Kanarier im kolonialen Venezuela

Ein historisches Ereignis, das zeigt, wie relativ die Einstufung als „weiß“ ist, ereignete sich im kolonialen Venezuela. Dort wurden die eingewanderten Kanarier – bekannt als *isleños* – nicht als Halbinselbewohner (Peninsulares) betrachtet. Sie wurden in einer sozialen Rangordnung ähnlich der der *Pardos* eingeordnet, einer Mischung aus Indigenen, Afrikanern und Europäern. Sie standen sogar unterhalb von *Pardos* mit Eroberer-Abstammung. In der Praxis waren sie billige Arbeitskräfte, während afrikanische Sklaven Zwangsarbeiter waren. Diese Rassenhierarchie erscheint heute grotesk, prägte aber das Leben tausender Familien.

Das Paradox ist, dass viele Venezolaner Jahrhunderte später ihre kanarische Abstammung als Zeichen des Stolzes beanspruchen. Das Blut der Inseln ist in einem großen Teil der venezolanischen Bevölkerung präsent, und nicht wenige rühmen sich dieser Verbindung. Die Geschichte zeigt jedoch, dass Weißsein ein wandelbares soziales Konstrukt ist, keine unveränderliche biologische Kategorie.

Was sagt die Genetik über den Ursprung der Kanarier?

Genetische Studien auf den Inseln zeigen eine breite Spanne. In einigen Gebieten, wie La Gomera oder La Palma, ist der europäische Anteil mehrheitlich und liegt über 75 %. In anderen ist der nordafrikanische und subsaharische Einfluss sichtbarer. Es gibt keinen „typischen Kanarier“: Die Variation zwischen den Inseln und sogar zwischen den Regionen ist bemerkenswert. Diese Vielfalt widerlegt jeden Versuch, die Inselbevölkerung in eine einzelne Rassenkategorie einzuordnen.

Hinzu kommt ein weiterer Faktor: die jüngste Immigration. Die Kanaren haben in den letzten Jahrzehnten einen konstanten Zustrom von Menschen aus Afrika und Lateinamerika erhalten, was neue Schichten auf einen ohnehin gemischten Untergrund hinzugefügt hat. Von „den Kanariern“ als homogenem Block zu sprechen, ist zumindest ungenau.

Die Falle der Rassenkategorien

Die Debatte darüber, ob die Kanarier weiß sind oder nicht, verrät mehr über den Fragenden als über die Kanarier selbst. Die Kategorie „weiß“ ist historisch flüchtig: Im kolonialen Venezuela galten die Kanarier nicht als weiß; im festländischen Spanien wurden sie oft als Spanier zweiter Klasse betrachtet. Die Frage verbirgt im Grunde ein Vorurteil: das Bedürfnis, andere anhand ihres Phänotyps zu klassifizieren.

Die Realität ist, dass die Kanaren ein Schmelztiegel sind. Ebenso die Iberische Halbinsel, wo der nordafrikanische genetische Fußabdruck ebenfalls signifikant ist. Wir Spanier sind, in den Worten eines Teilnehmers an der Debatte, „eine reiche Mischung aus gotischen und semitischen Genen“. Reinheit der Rasse vorzutäuschen bedeutet, die Geschichte zu ignorieren.

Der Fall Venezuela: Kanarier und Weiße in Amerika

Die Auswanderung von den Kanaren nach Amerika, insbesondere nach Venezuela, war zwischen dem 17. und 20. Jahrhundert massiv. Diese Insulaner integrierten sich in die Kolonialgesellschaft in einer untergeordneten Position, mischten sich aber im Laufe der Zeit mit der lokalen Bevölkerung. Heute wird in Venezuela die kanarische Abstammung von vielen als Teil ihrer Identität beansprucht. Allerdings war die soziale Bewertung der Kanarier in der Kolonialzeit weit davon entfernt, derjenigen von „Weißen“ gleichzusetzen, die mit den Halbinselbewohnern vergleichbar waren.

Diese Dualität – spanisch, aber nicht ganz weiß – hat die Geschichte der Kanaren und ihrer Diaspora geprägt. Es ist eine Erinnerung daran, dass Rassenhierarchien soziale Konstrukte sind, die sich mit der Zeit und dem Ort ändern.

Fazit: Weder rein weiß noch einfach afrikanisch

Die Frage „Sind die Kanarier weiße Europäer oder Afrikaner mit etwas hellerer Haut?“ lässt mehrere Antworten zu, aber keine kategorische. Genetisch ist die kanarische Bevölkerung eine Mischung aus europäischen, nordafrikanischen und subsaharischen Beiträgen, wobei der europäische Anteil in vielen Gebieten dominiert. Sozial wurden sie in einigen Kontexten als zweitrangig betrachtet. Und kulturell ist ihre Identität ebenso spanisch wie afrikanisch. Diese Komplexität auf ein Rassenlabel zu reduzieren, bedeutet schlichtweg, nichts verstanden zu haben.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (122 Antworten).

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