Fast jeder fünfte Kanarier hat keine 500 Euro Ersparnisse
Eine Studie in Lanzarote, die ursprünglich für 380 Euro monatlich vermietet wurde, stieg nach einer Vertragsverlängerung auf 509 Euro. Der Mieter, dessen Gehalt kaum die Lebensmittelausgaben deckte, packte seine Sachen und kehrte aufs Festland zurück, bevor sich die Lage weiter verschlechterte. Diese Szene wiederholt sich auf weiten Teilen des Archipels, wo die Besucherzahlen Rekorde brechen, gleichzeitig aber viele Einwohner ohne finanziellen Puffer für unerwartete Ausgaben leben. Fast jeder fünfte Bewohner der Kanaren kann nicht einmal 500 Euro sparen, eine Zahl, die nüchtern betrachtet eine Gemeinschaft beschreibt, die von der Hand in den Mund lebt.
Das Thema rückte durch einen unbequemen Vergleich ins öffentliche Bewusstsein: Würde die Schwelle auf 1.500 Euro angehoben, würde der Anteil derer, die dies nicht erreichen, drastisch steigen. Wie argumentiert wird, traut sich niemand, diese Daten zu veröffentlichen, um keine Panik auszulösen. Die verfügbaren Zahlen deuten auf ein strukturelles Problem hin, nicht auf individuelle Gewohnheiten, doch die Diskussion dreht sich immer wieder um dieselbe Frage: Liegt es an den Löhnen oder am Konsumverhalten?
Die Miete frisst das Gehalt
Die vorliegenden Zeugenaussagen sind eindeutig. Ein Bewohner, der drei Jahre auf Lanzarote lebte, erinnert sich daran, dass er 380 Euro für ein Studio zahlte und die Erhöhung auf 509 Euro das Signal zum Auszug war: „Abgesehen von Beamten, die den Inselzuschlag erhalten, verdient der Rest praktisch nur Mindestlohn“, fasst er zusammen und fügt hinzu, dass Lebensmittel und Wasser teurer seien als auf dem Festland. Ein weiterer, aktueller Fall: Eine Zwei-Zimmer-Wohnung in Playa Blanca, die 2020 für 550 Euro vermietet wurde, kostet nun 950 Euro. Das Paar bezieht 1.500 und 1.000 Euro Einkommen, hat eine Tochter und kommt mit dem Geld bis Monatsende nicht aus.
Hier scheiden sich die Geister. Manche behaupten, dass in Tourismusgebieten die höchsten Tarifverträge im Gastgewerbe Spaniens gelten und Trinkgeld sowie Schwarzarbeit das reale Einkommen aufbessern. Die Gegenargumente kommen schnell: Bei den Wohnkosten verschwindet dieser Extra-Verdienst, bevor er beim Mieter ankommt. Eine detaillierte Aufschlüsselung mehrerer Mietfälle zeigt eine auffällige Lücke zwischen Einnahmen und Ausgaben.
Warum folgen die Löhne nicht dem Tourismus?
Auf dem Tisch liegt eine wiederkehrende Zahl: Mehr als 15 Millionen Touristen in einem Gebiet mit etwas mehr als zwei Millionen Einwohnern. Die von den Betroffenen selbst benannte Paradoxie besteht darin, dass dieses hohe Besucheraufkommen nicht in entsprechende Einkommen für jene mündet, die in Restaurants bedienen, Notfälle versorgen oder Hotels reinigen. Es wird betont, dass die Kanaren trotz ihrer führenden Rolle im nationalen Tourismus zu den Regionen mit dem geringsten verfügbaren Haushaltseinkommen in Spanien gehören – ein Missverhältnis, das die offizielle Darstellung nicht vollständig klärt.
Hinzu kommt die Uneinigkeit über Steuern und Subventionen. Einige erinnern daran, dass die IGIC (indirekte Steuer auf den Kanaren) niedriger ist als die IVA (Mehrwertsteuer) auf dem Festland und dies sich im Geldbeutel bemerkbar machen sollte; andere entgegnen, dass eine niedrigere indirekte Steuer ein Minimum-Lohn-Gefälle nicht kompensiert, wenn die Quadratmeterpreise explodieren.
Die Sparmentalität unter der Lupe
Ein Teil der Analyse schiebt die Schuld auf die finanzielle Bildung. „Viele Menschen wissen nicht, wie man auch nur einen Euro auf dem Konto hält“, lautet ein Argument, gestützt auf das Beispiel einer Frau, die mit einer nicht beitragsgedeckten Rente von 480–500 Euro pro Monat ihr eigenes Haus baute und 20.000 Euro sparte. Die daraus gezogene Schlussfolgerung ist, dass ein niedriges Einkommensniveau das Sparen nicht verhindert, sondern lediglich erschwert.
Der andere Lager antwortet, dass diese Logik die Ausnahme mit der Regel verwechselt. Sie betonen, dass Sparen davon abhängt, ob nach Zahlung von Miete und Nahrungsmitteln noch etwas übrig bleibt, und dass dies in einem Markt, der durch Ferienvermietung angespannt ist, nicht immer der Fall ist. Aussagen wie, dass viele berechnen, um am Monatsende bei Null zu stehen, beschreiben keinen Fehler, sondern eine Rechnung, die nicht aufgeht.
Wer gewinnt und wer verliert bei der Ferienvermietung?
Im Kern geht es um Verteilung. Für jeden Mieter, der 2.000 Euro monatlich zahlt, gibt es einen Eigentümer, der diese Summe erhält, und nicht alle leben auf den Inseln: Ein großer Teil der Wohnungen, die auf dem Ferienmarkt erscheinen, gehört Besitzern vom Festland. Kritiker des Modells weisen darauf hin, dass dies die Einheimischen vom Wohnungsmarkt verdrängt, während Verteidiger der Branche argumentieren, dass der Tourismus die Arbeitsplätze schafft, die die Inselwirtschaft tragen. Ohne Tourismus, so heißt es, gäbe es weder Löhne noch Mieten zu zahlen.
Was kaum jemand bestreitet, ist das Gefühl der Überlastung: Verkehrsstaus, Warteschlangen und Druck auf öffentliche Dienste, die für viel weniger Menschen ausgelegt sind, als sie in der Hochsaison auf den Inseln unterwegs sind.
Was im Bild fehlt
Mit 15 Millionen jährlichen Besuchern und dem Tourismus als Hauptindustrie gelingt es dem Archipel nicht, dass seine Bevölkerung Geld zurücklegt. Der Indikator, der diese Debatte eröffnet — jeder Fünfte ohne 500 Euro Puffer — koexistiert mit einem stilleren Phänomen: Wer heute Ersparnisse hat, baute sie vor Jahren auf, als die Mieten halb so hoch waren. Wenn die Schwelle auf 1.500 Euro steigt, hat bisher niemand konkrete Zahlen genannt.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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