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Kanadas wichtigste Zeitung plädiert für tödliche Injektion bei psychisch Kranken
In Kanada wird darüber debattiert, ob Sterbehilfe auf psychische Störungen ausgeweitet werden soll. Der Globe and Mail veröffentlichte eine Pro-Kolumne, zwei Psychiater warnen vor den Risiken.
Die kanadische Zeitung Globe and Mail veröffentlichte eine Kolumne der Ärztin Jean Marmoreo, in der sie fordert, die medizinisch assistierte Sterbehilfe auf Menschen mit psychischen Erkrankungen auszudehnen. Die Regierung von Mark Carney kündigte an, diese Ausweitung zu verbieten, und in der Debatte stehen sich diejenigen gegenüber, die auf die Autonomie der Patientinnen und Patienten verweisen, und jene, die davor warnen, dass psychisches Leid nicht irreversibel ist.
Die medizinisch assistierte Sterbehilfe wird in Kanada seit Jahren ausgeweitet. Zunächst galt sie für unheilbare Erkrankungen, dann für chronische Leiden und Behinderungen. Der nächste Schritt sollte die psychische Gesundheit sein – und an diesem Punkt ist der Konsens gebrochen. Justizminister **Sean Fraser** kündigte an, dass die Regierung von **Mark Carney** die Sterbehilfe für Menschen, die ausschließlich an psychischen Störungen leiden, verbieten will. Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten.
## Eine Kolumne im Globe and Mail und zwei Psychiater in der New York Times
**Jean Marmoreo**, eine Ärztin, die seit mehr als einem Jahrzehnt Sterbehilfe praktiziert, veröffentlichte im **Globe and Mail** einen Artikel mit dem Titel „Die Ablehnung medizinisch assistierter Sterbehilfe bei psychischen Störungen wird einen schrecklichen Preis haben“. Darin argumentiert sie, dass der Zugang zu dieser Leistung für diese Menschen zu verweigern „ein feiger Akt mit politischen Motiven“ sei. Marmoreo ist Mitautorin von *The Last Doctor: Lessons for Life from the Front Line of Medical Assistance in Dying* und beginnt ihren Text mit der Erinnerung daran, dass sie mehr sterbende Menschen begleitet hat, als sich die meisten Politiker in ihrem ganzen Leben vorstellen könnten.
Ihr zentrales Argument lautet, dass das Leiden eines Menschen mit einer psychischen Erkrankung genauso unerträglich sein kann wie das eines Krebspatienten. Und dass dieselben Maßstäbe, die bei anderen Erkrankungen gelten, auch auf psychiatrische Störungen angewendet werden sollten. „Die Kanadier können es sich nicht leisten, dass ihre Gesetzgeber bei Menschen mit psychischen Erkrankungen diesen Weg einschlagen“, schreibt sie.
Die Antwort kam aus einer anderen Zeitung. Zwei Psychiater der **University of Toronto**, von denen einer selbst Sterbehilfe an Patienten praktiziert hat, veröffentlichten einen Meinungsbeitrag in der **New York Times**, in dem sie davor warnen, dass Kanada zu weit gegangen ist und Sterbehilfe an Menschen praktiziert wird, die sie nicht erhalten dürften.
## Die Debatte über Einwilligung und Unumkehrbarkeit
Der Psychiater **John Maher**, der auf als aussichtslos geltende Fälle spezialisiert ist, hält psychische Erkrankungen nicht für unheilbar und verweist auf andere Behandlungsmöglichkeiten. Das ist der eigentliche klinische Einwand: Schwere Depressionen, Schizophrenie oder eine Borderline-Persönlichkeitsstörung sprechen in einem keineswegs geringen Prozentsatz der Fälle auf Behandlungen an, auch wenn diese langwierig, teuer und schwer zugänglich sind.
Marmoreo stellt nach Ansicht ihrer Kritiker ein falsches Dilemma auf. Niemand vergleicht das Leiden eines 25-Jährigen mit Depressionen mit dem eines Menschen im Endstadium einer unheilbaren Krebserkrankung. Die eigentliche Frage ist eine andere: Ob die Einwilligung eines Menschen, dessen Geist krank ist, mit der eines Menschen gleichgesetzt werden kann, dessen Körper krank ist. Millionen Kanadier kennen jemanden, der Suizidgedanken hatte und heute bei bester Gesundheit ist. Millionen kennen Menschen, die unerträgliches Leid ertragen haben und heute dankbar sind, am Leben zu sein.
Marmoreo beruft sich auf die körperliche Selbstbestimmung und die Wahlfreiheit. Ihre Kritiker entgegnen, dass Wahlfreiheit einen fähigen Willen voraussetzt und dass bei vielen psychischen Störungen genau diese Fähigkeit beeinträchtigt ist. Das ist keine Nebendebatte: Es geht um die Definition dessen, was Einwilligung überhaupt bedeutet.
## Die Suizidzahlen in Kanada
Die Zahlen des kanadischen Gesundheitssystems sind eindeutig. Etwa **einer von fünf Kanadiern** leidet an einem psychischen Problem oder einer psychischen Erkrankung, und bis zum 40. Lebensjahr steigt dieser Anteil auf rund **50 %**. Der Zugang zur psychiatrischen Versorgung ist äußerst schwierig: Die **Canadian Mental Health Association** schätzt, dass die Unterfinanzierung mehr als **eine Milliarde Dollar** beträgt.
Für **2024** wurde die Zahl der Suizidversuche in Kanada auf **100.000** geschätzt. Ohne die Sterbehilfe wurden **4.394** Todesfälle durch Suizid registriert. Die Frage, die über der Debatte schwebt, lautet: Was geschieht, wenn ein Staat Suizidgedanken bei Menschen mit Hirnstörungen offiziell anerkennt und beschließt, dass sie den mit öffentlichen Geldern finanzierten Suizid in Anspruch nehmen dürfen.
Marmoreo argumentiert, dass die schrecklichen Kosten einer Nichtausweitung der Sterbehilfe Patienten sind, deren Zustand sich verschlechterte und die sich das Leben nahmen, obwohl sie von der assistierten Sterbehilfe hätten profitieren können. Ihre Kritiker weisen darauf hin, dass sie die zahlreichen Kanadier, die Suizidgedanken hatten oder einen Suizidversuch überlebten, mit keinem Wort erwähnt. Viele Menschen begehen keinen Suizid aus Angst oder Sorge um ihre Angehörigen. Die Medikalisierung des Suizids würde diese Rechnung verändern.
Die Regierung Carney hat entschieden, auf die Bremse zu treten. Abzuwarten bleibt, ob das Parlament sie unterstützt oder ob der Druck derjenigen, die diese Tode seit einem Jahrzehnt praktizieren, die Entscheidung doch noch kippt. Es ist eine Frage der öffentlichen Gesundheit und des Rechts, und vor Schlussfolgerungen im Einzelfall sollten medizinische und juristische Fachleute befragt werden.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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