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Jazztel: Vom Kurssturz auf 0,19 Euro
Jazztel stieg 2006 um 100 %, sammelte 120 Mio. € via Société Générale ein und fiel später auf 0,19 €. Die Chronik eines Börsenfiaskos.
Im Dezember 2006 roch Jazztel nach einem schnellen Gewinn. Die Aktie hatte in weniger als zwanzig Tagen um 100 % zugelegt, und die Warnung war eindeutig: Man musste vor dem großen Sprung dabei sein, denn wer zu spät kam, würde nur von der Seitenlinie zuschauen. Gerüchte über eine Allianz mit Vodafone und die Erwartung einer Einigung mit Telefónica schürten die Hysterie. Mehr als ein Jahr später notierte derselbe Wert, der zweistellige Gewinne versprochen hatte, bei 0,19 Euro. Die Kluft zwischen Boom und Ruine wurde in einer langwierigen, monatlichen Analyse dokumentiert.
Die 120-Millionen-Euro-Kapitalerhöhung mit Société Générale
Am 4. Januar 2007 teilte Jazztel der CNMV den Beginn einer Prospektierungsphase mit. Das Instrument war ein PACEO: eine Finanzierungslinie, bestehend aus mehreren Aktienemissionen von bis zu 120 Millionen Euro, vollständig gezeichnet von Société Générale. Die Bank verpflichtete sich, einen Teil zu behalten und den Rest am Markt oder an Dritte zu platzieren. Optimisten sahen darin das Streben der französischen Bank nach stabilen Aktionärspositionen. Skeptiker befürchteten hingegen massenhafte Papierausgabe, wobei der Kleinaktionär die Zeche zahlen müsste.
Am 1. Februar 2007 folgte das wichtige Ereignis: 80 Millionen Aktien wurden problemlos platziert. Für manche bewies die Nachfrage das starke Interesse institutioneller Anleger. Für andere war es reine Finanztechnik im Gewand einer strategischen Partnerschaft. Es war nicht das erste Mal, dass ein ähnlicher Mechanismus verwendet wurde; der Vergleich mit einer alten Anleiheemission mit geliehenen Aktien schwebte über jeder Analyse.
Vodafone, Telefónica und das Quadruple Play
Die zentrale Erzählung drehte sich um eine Allianz mit Vodafone zur Bereitstellung des Quadruple Play: Festnetz, Mobilfunk, DSL und Fernsehen. Hinzu kam der Frieden mit Telefónica. Eine außergerichtliche Einigung galt als sicher, die drei laufende Gerichtsverfahren beenden und Jazztel erlauben würde, als virtueller Mobilfunknetzbetreiber (MVNO) zu operieren sowie eine finanzielle Entschädigung zu erhalten. Papier ist geduldig, und die Gerüchte reichten aus, damit die Aktie in einer einzigen Sitzung um 10,75 % stieg – der beste Wert im regulierten Handel an diesem Tag.
Zu den Gerüchten gesellten sich weitere: Deutsche Telekom prüfe Alternativen für ihre Präsenz in Spanien, und der Verkauf von Ya.com scheitere, was eine Fusion mit Jazztel in den Bereich des Möglichen rückte. Man sprach davon, Verträge zu bündeln und Telefónica mit einem eigenen Netz Paroli zu bieten. Auf dem Papier passte alles. Nichts wurde durch Unterschriften bestätigt.
Verluste, die nicht zur Erzählung passten
Die Zahlen erzählten eine andere Geschichte. Jazztel schloss die ersten neun Monate mit Nettoverlusten von 176,58 Millionen Euro, eine Steigerung von 55,4 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Umsatz erreichte 222,67 Millionen Euro, fast 31 % mehr. Die Diskrepanz war offensichtlich: steigender Umsatz und ein noch schneller wachsendes Loch in der Bilanz. Wer behauptete, das Unternehmen sei aufgrund seines Netzes wertvoll, räumte erheblichen Verbesserungsbedarf ein; wer auf die Gewinn- und Verlustrechnung blickte, sah einen bodenlosen Abgrund.
Der Absturz: Von 0,71 auf 0,19 Euro
Die Korrektur kam und war nicht sanft. Vom Kurs von 0,71 Euro fiel die Aktie auf 0,66, dann auf 0,35 und schließlich auf den Tiefpunkt. In siebzehn Tagen gab die Aktie um 15,78 % nach und schloss bei 0,32 Euro. Spätere Meldungen sprachen bereits von 0,22 und 0,19 Euro. Parallel dazu tauchten Verkaufsrecommendationen in der Fachpresse auf, während der Glaube an den Wert hielt. Manche kauften im Eifer des Gefechts beim Ausbruch aus einem Baissetrend und landeten mitten im Crash; das Chartbild versprach viel, aber die Liquiditätsengpässe überrannten alle, die nicht genug Geduld hatten.
Der Glaube, der in Optionsscheinen zerbricht
Selbst die optimistischsten Prognosen trafen nicht rechtzeitig ein. Es kursierte die Hypothese, Jazztel werde im vierten Quartal 2008 die schwarzen Zahlen erreichen, mit einem Nettogewinn von bis zu 50 Millionen Euro, und zwischen 60 und 100 Millionen Euro im Jahr 2009. Die ADSL-Prognosen sahen Ende 2007 275.000 bis 300.000 Abonnenten vor und sollten in den beiden folgenden Jahren 500.000 bzw. 750.000 überschreiten. Gleichzeitig forderten gehebelte Produkte ihren Tribut: Wer auf Optionsscheine gesetzt hatte, meldete Verluste von nahe 5.000 Euro. Das Vertrauen in die Aktie war bemerkenswert hoch; das eingesetzte Kapital war laut den Berichten jedoch deutlich geringer.
Hier endet das Material und auch der Optimismus. Die Bilanzen kamen nie rechtzeitig, der strategische Partner blieb ein Gerücht, und die Aktie erreichte Tiefstände, die viele für unmöglich hielten. Die alten Fragen bleiben offen: War das Netz seinen Preis wert? Haben die Kapitalerhöhungen die Aktionäre verwässert? Oder fehlte es einfach an Geduld? Niemand hat diese Fragen abschließend beantwortet.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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