Iustitia Europa Fordet EU- und NATO-Austritt per Referendum

Die spanische Partei Iustitia Europa fordert bindende Referenden zum Austritt aus der EU und der NATO und entfacht Debatten über Souveränität und Schulden neu.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Iustitia Europa Fordet EU- und NATO-Austritt per Referendum
Iustitia Europa Plant Bindende Referenden Für Den Austritt Aus Der EU Und Der NATO

Ein Wahlprogramm, das zwei bindende Referenden vorschlägt – eines über den Verbleib in der Europäischen Union und ein weiteres über die NATO – hat eine der ältesten Gräben der spanischen Politik wieder aufgerissen: die zwischen dem Souveränismus und den internationalen Blöcken. Die Formation Iustitia Europa vertritt laut ihrem veröffentlichten Programm, dass Spanien „die Souveränität zurückgewinnen“ und strategische Bündnisse verlassen müsse, die ihrer Ansicht nach gegen Frieden und Neutralität gerichtet sind. Der Text fügt hinzu, dass die Gemeinschaftspolitik zu einem „Befehlsgehabe verschiedener Lobbygruppen“ geworden sei. Der Vorschlag ist im Kern nicht neu, wohl aber in der Form: ihn als Teil des Manifests einer zur Wahl antretenden Partei zu präsentieren.

Was Genauer Schlägt Das Programm Von Iustitia Europa Vor?

Der fünfte Punkt des Dokuments mit dem Titel „Mehr Spanien und weniger Europäische Union“ gliedert sich in vier Maßnahmen. Die erste besteht darin, die nationale Souveränität wiederherzustellen und die von der Partei mit der NATO verbundenen strategischen Ausrichtungen aufzugeben. Die zweite ist eine scharfe Kritik am Funktionieren der Gemeinschaftsinstitutionen: Sie behauptet, Brüssel handle unter dem Kommando von Lobbys. Die beiden anderen Punkte sind die konkretesten: ein bindendes Referendum darüber, ob Spanien in der EU bleiben soll, und ein weiteres über den Verbleib in der NATO.

Der Vorschlag kommt in einem Kontext, in dem die EU-kritische Rhetorik nicht nur einer einzigen politischen Familie gehört. Die Debatte drehte sich schnell darum, wer diese Unzufriedenheit für sich nutzt. Eine Strömung vertritt die Ansicht, dass jede kritische Haltung gegenüber Brüssel von Parteien absorbiert wird, die daraus nichts Praktisches machen. Eine andere erwidert, dass das Problem nicht darin liege, wer es sage, sondern dass es niemand deutlich genug ausspreche.

Das Wirtschaftliche Argument: Schulden, Monetäre Souveränität Und Handlungsspielraum

Der wirtschaftliche Schwerpunkt der Debatte konzentriert sich auf eine wiederkehrende Zahl: Ein Staat, der 170 % seines BIP schuldet, habe keinen echten Handlungsspielraum. Dies ist das Argument derer, die den Vorschlag als Wunschdenken betrachten. Die Antwort der Gegenseite lautet, dass dieser Spielraum bereits abgetreten wurde und die EU-Mitgliedschaft ihn nicht zurückgibt.

Manche treiben die Überlegung weiter und schlagen vor, dass der einzige Ausweg darin bestehe, das Land auf den Tiefpunkt fallen zu lassen, damit danach ein drastischer Schnitt erfolgt. Es ist eine Minderheitenposition, die jedoch kursiert. Dagegen steht das praktische Gegenargument: Spanien kontrolliert weder seine Währung noch seine Geldpolitik, und die Wiedererlangung dieser Kontrolle in einem Land, dessen Hälfte des Wählerspektrums pogre ist, würde laut einem Teilnehmer nicht gut ausgehen.

Die Fälle der Schweiz und Norwegens tauchen als wiederkehrende Gegenbeispiele auf: Länder außerhalb der EU, die nicht kollabiert sind. Die Entgegnung lautet, dass ihre Situation nicht übertragbar sei.

Die Migrationsfront Und Die Südgrenze

Das Programm widmet einen weiteren Block der Einwanderung, mit Maßnahmen wie einer umfassenden Reform des Ausländergesetzes (Ley de Extranjería), der Verstärkung der Zäune in Ceuta und Melilla, dem Einsatz der Streitkräfte an der Grenze sowie der Verlegung der in Ferrol stationierten Marineflotte zu den Kanarischen Inseln zur Patrouille der Hoheitsgewässer. Diese Vorschläge gehören zum selben souveränistischen Paket.

In der Diskussion werden diese Maßnahmen aus zwei Blickwinkeln betrachtet. Manche sehen sie als Kern dessen, was eine Staatspolitik sein sollte. Andere warnen, dass das gesamte Paket ein Köder für Protestwähler sei und dass diese Stimmen ohne parlamentarische Vertretung letztlich den großen Parteien zugutekämen. Die Kalkulation besagt, dass die Formation zwar keine Sitze erringen würde, aber genug Unterstützung abziehen könnte, um die Verteilung zu verändern.

Die Debatte Um Strategiewahl Und Die Ermüdung Der Alternativen

Ein Großteil der Unterhaltung dreht sich nicht um das Programm selbst, sondern darum, wen man wählen sollte. Die vorherrschende These unter denen, die den Vorschlag ablehnen, lautet, dass die Stimmen auf die Regierungsalternative konzentriert werden müssen, um die aktuelle Exekutive abzulösen, und dass jede Option außerhalb dieses Pols das Ziel nur verwässere. Die Antwort der Souveränisten ist, dass dieses Argument zuvor schon bei anderen Parteien angewandt wurde und das Ergebnis gleich war: Nichts änderte sich.

Die Diskussion verwickelt sich in konkrete Namen. Man erwähnt die italienische Premierministerin und ihre Migrationspolitik, debattiert, ob bestimmte Parteien als Hebel der Regierung oder als echte Opposition fungieren, und erinnert daran, dass eine Formation, die bereits durch Institutionen gegangen ist, die bekämpften Politiken nicht wesentlich verändert hat. Die in mehreren Abschnitten wiederholte Schlussfolgerung lautet, dass das System jede Abweichung absorbiert und in Verwaltung umwandelt.



Das Programm von Iustitia Europa wird so nicht umgesetzt werden. Das weiß jeder, der eine Legislaturperiode verfolgt hat. Aber die Diskussion, die es angestoßen hat – Souveränität, Währung, Grenzen, Militärblöcke –, ist dieselbe, die die beiden Machtwechselparteien seit Jahren vermeiden. Ob dieses Gespräch auf dem Papier bleibt oder Platz im Parlament findet, werden die nächsten Wahlen zeigen. Bis jetzt ist die einzige harte Tatsache, dass jemand es schriftlich festgehalten hat.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (88 Antworten).

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