Ist katholisch jetzt links? Der Streit, der gläubige spaltet

Hat die Soziallehre der katholischen Kirche einen Linksruck vollzogen? Freimaurer-Vorwürfe, Vergleiche mit dem Sozialismus und ein Papst, der Konservative verunsichert.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Die Kirche, dieser unbequeme politische Akteur ohne klares Etikett

In Wirtschafts- und Politikkreisen gewinnt eine Idee an Gewicht: Die Soziallehre der katholischen Kirche mit ihrem Fokus auf die Armen, auf Verteilungsgerechtigkeit und Kritik am entfesselten Kapitalismus passe besser ins Gedankengut der Linken als in das der Rechten. Eine wachsende Strömung vertritt die Auffassung, dass der institutionelle Katholizismus, insbesondere unter Papst Franziskus, in Wirtschafts- und Sozialfragen pogre Positionen eingenommen hat. Auf der anderen Seite wird eingewandt, dass es eine intellektuelle Falle sei, den Glauben auf eine Links-rechts-Achse zu reduzieren.

Der Schatten der Freimaurerei und des kirchlichen „Wokismus“

Einer der Vorwürfe, der immer wieder auflodert, lautet, die Kirche werde von der Freimaurerei kontrolliert, und ihre jüngsten Verlautbarungen – gegen den freien Markt, für staatliche Regulierung und gegen den Konsumismus – seien der Beweis dafür. Wer das behauptet, verweist auf Vergleiche zwischen den Predigten der beiden letzten Päpste: Während Benedikt XVI. in Wirtschaftsfragen als orthodoxer galt, hat Franziskus seine Anprangerungen des „raffgierigen Kapitalismus“ vervielfacht. Für andere gibt es jedoch keine solche Kontrolle: Die Kirche sei schon immer eine transpolitische Institution gewesen, und ihre Sozialbotschaft sei nicht links, sondern evangelisch.

Antiker Sozialismus oder revolutionäre Häresie?

Die Diskussion erreicht historische Ironie, wenn das Christentum als „der Sozialismus des Altertums“ bezeichnet wird. Eine Provokation, die manche auf die Spitze treiben: Die Kirche habe in ihrem Bündnis mit Rom die ursprüngliche Botschaft Jesu verfälscht, um sie auf einen nichtrevolutionären Weg zu lenken, und sei damit zu einer antichristlichen Struktur geworden. Die Linke sei nach dieser These eine säkulare Version eben dieses Klerikalismus. Ein ideologisches Wirrwarr, das den Leser mit dem Gefühl zurücklässt, dass auf diesem Terrain nichts ist, wie es scheint.

Die Zahlen, die aufgehen (oder nicht)

Es gibt keine verlässlichen Statistiken darüber, wie viele Gläubige sich von der sozialen Botschaft des Vatikans vertreten fühlen. Beobachten lässt sich jedoch eine Spaltung zwischen einem Teil des traditionellen Katholizismus, der die ökologische und marktkritische Wende misstrauisch betrachtet, und einem anderen, der sie beklatscht. In der Praxis kollidiert die Ökonomie von Papst Franziskus – Verdammung der Finanzspekulation, Aufrufe zu einer gerechteren Wirtschaft – mit der Politik vieler konservativer Regierungen, aber auch mit Teilen der eigenen Gläubigen.



Das Dilemma bleibt offen. Während manche die Enzykliken als ein Linkprogramm lesen, sehen andere in ihnen die Verteidigung eines unmöglichen dritten Weges. Fest steht: Das Etikett „katholisch“ garantiert keine Stimme mehr an der Wahlurne, und der Skeptiker, der bis hierher gelesen hat, wird wissen, dass die Antwort weder schwarz noch weiß ist, sondern ein unbequemes kirchliches Grau.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (34 Antworten).

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