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Ist der Mensch wirklich das dümmste Wesen der Erde?
Ein viraler Text behauptet, der Mensch sei das törichtste Wesen des Planeten und das Selbstbewusstsein ein vergiftetes Geschenk. Die Evolutionswissenschaft stützt das nicht.
Die Idee, dass das menschliche Selbstbewusstsein ein Fehler der Evolution sei, hat keine wissenschaftliche Grundlage: Bewusstsein gilt nicht als vergiftetes Geschenk, sondern als ein Merkmal unter anderen im biologischen Repertoire. Der Rest des Manifests ist Meinung, kein Fakt.
Manche Texte liest man mit einem Lächeln, andere mit hochgezogener Augenbraue. Dieser gehört zur zweiten Kategorie. Seine zentrale These lautet, dass das Selbstbewusstsein, jener Funke, der uns von den anderen Tieren trennt, ein vergiftetes Geschenk war: Statt uns vom Instinkt zu emanzipieren, nutzen wir ihn, um die Gier zu verfeinern. Es ist eine alte Idee im neuen Gewand.
## Selbstbewusstsein war kein Fehler der Evolution
Die Evolution verteilt weder Preise noch Strafen. Sie entwirft nichts mit Absicht, daher ist die Rede von einem "vergifteten Geschenk" eine literarische Metapher, kein biologischer Mechanismus. Das menschliche Bewusstsein entsteht aus einem komplexen Nervensystem und wird von der Neurowissenschaft und der Evolutionspsychologie erforscht, nicht aus dem Verdacht heraus, die Natur habe sich bei uns geirrt.
Zu behaupten, wir seien das einzige Wesen, das Lüge und Selbstbetrug wählt, hält ebenfalls nicht stand. Täuschung gibt es bei anderen Arten: Primaten verstecken Futter, Vögel stellen Verletzungen vor, um Fressfeinde abzulenken. Der menschliche Unterschied liegt in der Größenordnung und der Kultur, nicht in der Exklusivität.
## Zwei Jahrzehnte Internet messen niemandes Intelligenz
Der Text wettert gegen **zwei Jahrzehnte Hyperkonnektivität** —seit **2006**—, als müsse sich in dieser Frist kollektive Klarheit beweisen. Das ist ein willkürlicher Maßstab. Das Internet ist keine Intelligenzprüfung: Es ist eine Infrastruktur. Die Qualität der Inhalte, die darin zirkulieren, mit der intellektuellen Kapazität von Milliarden Menschen zu verwechseln, ist ein logischer Sprung.
Dass es Philosophen gibt, Musiker wie **Chopin** oder jede Figur, die der Autor verschont, beweist nichts über den Rest. Die Kulturgeschichte hatte immer sichtbare Minderheiten und anonyme Mehrheiten. Das ist weder neu noch eine Besonderheit des digitalen Zeitalters.
## Menschen "Automaten" zu nennen erklärt keine Entfremdung
Das Manifest beschreibt die Mehrheit als "Absurditäten aus Fleisch und Elektrizität", die einem makroökonomischen Getriebe dienen, das sie nicht verstehen. Entfremdung in der Arbeit ist ein ernstzunehmendes Konzept mit Tradition in Soziologie und Ökonomie. Es auf ein kollektives Schimpfwort zu reduzieren, erklärt es jedoch nicht: Es macht Verachtung daraus.
Die Ökonomie untersucht durchaus, wie die Arbeit Menschen von dem trennen kann, was sie hervorbringen. Diese Debatte existiert und hat Namen. Keinen wissenschaftlichen Namen hat dagegen der Schluss, die gesamte Spezies sei dumm, weil sie weitermacht. Weitermachen ist es, was Spezies tun. Die interessante Frage ist nicht, warum wir noch hier sind, sondern was wir mit der Zeit anfangen, die uns gegeben ist.
Wenn der Text eine existenzielle Krise auslöst, sprechen Sie mit jemandem, dem Sie vertrauen, oder mit einer Fachperson. Kneipenphilosophie taugt für einen Nachmittag, nicht für die Diagnose der Menschheit.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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