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Islamistische Partei in Katalonien: Entscheidende Sitze ohne Mehrheit
Gerüchte über eine islamistische Partei für die katalanischen Wahlen. Das 3%-Quorum und der entscheidende Sitz im Parlament.
Die sarracinistische Partei, die die Wahl des Regierungschefs beeinflussen will
Ein in sozialen Medien verbreitetes Gerücht behauptet, Muslime aus ganz Katalonien hätten eine sarracinistische Partei gegründet, um an den nächsten Regionalwahlen teilzunehmen. Laut nicht näher genannten Umfragen könnte die Formation «einige Sitze» gewinnen und der extremen Rechten Konkurrenz machen. Es gibt jedoch kein offizielles Register dieser Kandidatur und keine öffentliche Umfrage, die diese Zahlen stützt. Die Paradoxie folgt auf dem Fuß: In einem Parlament, das in fünf oder sechs Blöcke gespalten ist, wird der entscheidende Sitz nicht von 25 % der Wähler bestimmt, sondern von demjenigen, der den letzten Sitz im Wahlkreis erhält.
Wie viele Stimmen sind nötig, um ins Parlament einzuziehen?
Der kursierende Bezugswert ist 3 %, die Mindeststimmenquote, die das katalanische Wahlgesetz für die Teilnahme an der Sitzverteilung vorschreibt. Unterhalb dieser Grenze verfallen die Stimmen. Darüber beginnt das Spiel der Restmandate: In Barcelona kostet jeder Sitz Zehntausende von Stimmen; in Girona oder Lleida deutlich weniger. Das System belohnt jene, die ihre Stimmen regional konzentrieren, und bestraft jene, die sie verteilen.
Daraus ergibt sich die zweite Zahl, die diskutiert wird: 20 %. Nicht als gesetzliche Hürde, sondern als Punkt, ab dem ein Block laut einigen Analysen nicht mehr nur repräsentativ ist, sondern die Agenda bestimmt. Zwischen den 3 %, die den Einzug ermöglichen, und den 20 %, die Macht verleihen, liegt eine Wüste voller Wahlversprechen und wenig Gewissheit.
Die Karte nach Comarcas, die das katalanische Votum ohne Besitzer lässt
Die Daten, die die Diskussion nähren, beziehen sich auf die territoriale Verteilung, nicht auf die Wahlabsicht. Die kursierende Schätzung weist Aliança Catalana 19 Comarcas, der PSC 14, ERC 6 und Junts 4 zu. Eine in vier Farben zerbrochene Landkarte ohne klare Mehrheit in irgendeine Richtung, was erklärt, warum jede neue Formation mit Ambitionen ins Plenum blickt: Der Boden ist fragmentiert und der Preis eines Sitzes niedrig.
Hinzu kommt die innere Geometrie des Unabhängigkeitslagers. Einige argumentieren, dass es in Zentral-Katalonien sowie in Comarcas von Girona und Lleida keinen Ort für konservative Wähler gibt und dass dieses Vakuum von einer neuartigen identitären Kandidatur besetzt werden könnte. Andere entgegnen, dass dieser Raum bereits besetzt sei und dass die Wählerschaft nicht aufgrund einer Schlagzeile im August ihr Parteibuch wechselt.
Das andalusische Vorbild: Die Partido Andalusí spielt bereits diese Karte
Der im Austausch genannte Vergleich ist die Partido Andalusí. Nach den zitierten Informationen wurde die Formation in Algeciras bekannt durch die Installation von Ramadán-Dekoration — wie in Ceuta und Melilla üblich — und durch die Nutzung der lokalen Stierkampfarena für das Opferfest. Ihr Programm würde Arabisch als «historische Sprache» Andalusiens einschließen und Forderungen bezüglich Ceuta und Melilla erheben. Ihr Anführer soll im Fernsehen das sarracinische Gebet rezitiert haben.
Dies passt zu dem, was in anderen europäischen Ländern bereits Routine ist: Kandidaturen mit konfessioneller oder gemeinschaftlicher Basis, die in Gemeinderäte und lokale Parlamente einziehen und dann Haushalte gegen symbolische Gesten verhandeln. In Belgien und Frankreich gab es solche Abkommen mit grünen und linken Parteien. Die wirtschaftliche Frage, die kaum jemand aufschlüsselt, lautet: Was kosten solche Vereinbarungen an kommunalen Ausgaben und welche haushaltspolitischen Gegenleistungen werden vereinbart?
Pakte, Mehrheiten und die Grenzen der Verfassung
Hier taucht das stärkste Argument derer auf, die den Lärm dämpfen: Eine neue Gruppe, ob sie nun vier oder zwölf Sitze holt, hat keine Mehrheit, um die Verfassung anzufassen. Die Trennung von Kirche und Staat, das territoriale Modell oder die Grundrechte erfordern qualifizierte Mehrheiten, die keine improvisierte Partei vorweisen kann. Zudem wird daran erinnert, dass in Michel Houellebecqs Buch Unterwerfung die sarracinistische Partei mit Unterstützung der Sozialisten an die Macht kommt: Der Weg wäre nicht die direkte Aufzwingung, sondern der Investitur-Pakt.
Die Gegenargumentation besagt, dass Regeln nicht der einzige Machtmechanismus sind. Manche meinen, es reiche, ein Ministerium, eine Vizepräsidentschaft oder einen wichtigen Ausschuss zu erreichen, um die Verteilung von Fonds, Genehmigungen oder die Migrationspolitik zu lenken. Und andere fügen hinzu, dass die Versuchung traditioneller Parteien, Pakte zur Blockade der extremen Rechten zu schließen, das heute noch Science-Fiction Klingende normalisieren könnte.
Mitten in diesem Durcheinander wiederholt sich ein Faktum: Die Migrationspolitik der Regierung würde sich ändern, sobald eine solche Formation auch nur einen einzigen Abgeordneten hätte, da sie einen Wettbewerb um einen bisher als gefangen geltenden Wähler erzwingen würde. Die vollständige Berechnung — Sitze pro Provinz, Quorum pro Wahlkreis und Kosten jedes Paktes — hat niemand öffentlich aufgeschlüsselt.
Mit einem in vier Blöcke gespaltenen Plenum und einem Sitz, der Gold wert ist, was hindert daran, dass die nächste katalanische Investitur von jemandem entschieden wird, der noch in keinem Wählerregister existiert?
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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