Die 22-jährige Kfz-Mechanikerin, die eine Werkstatt in Donostia füllt
Eine kleine Werkstatt in San Sebastián ist zu einem der meistbesuchten Schaufenster auf TikTok geworden. Die Protagonistin ist keine Marketingkampagne, sondern Irati Etxandi, eine 22-Jährige aus Donostia, die im Familienbetrieb Fahrzeuge repariert und ihren Arbeitstag mit dem Schraubenschlüssel in einen Magnet für Millionen von Aufrufen verwandelt hat. Das Paradoxe liegt am Anfang: Ihre Ausbildung zielte nicht auf Mechanik ab, sondern ins Büro. Etxandi besitzt ein Bachelor-Abschluss in Betriebswirtschaft an der UPV/EHU, und ihr erster Versuch in den sozialen Medien war ein Make-up-Kanal, der nie durchstartete.
Von Lippenstift zum Bremskolben
Den Wandel erklärt sie selbst in einem Interview mit dem Fachmedium «Infotaller»: „Eines Tages habe ich ein Video über Mechanik hochgeladen und gesehen, dass es sehr viel Reichweite hatte. Warum nicht?“ Ihre Diagnose des Sprungs ist so ehrlich wie unbequem: Make-up ist gesättigt, aber ein Mädchen mit Nussknacker-Schlüssel ist es nicht. „Ich nehme an, dass die Leute, wenn sie eine weibliche Mechanikerin sehen und das nicht gewohnt sind, eher angezogen werden, das Video zu schauen“, fügt sie hinzu.
Der Account hat kaum 50 veröffentlichte Videos, und mehrere haben bereits eine Million Wiedergaben überschritten. Das Material reicht von der Reparatur eines losen Fensterhebers, eines Airbag-Gurts oder eines Bremskolbens bis hin zu praktischen Tipps wie dem, was vor einer Reise überprüft werden sollte, oder typischen Fehlern beim Austausch von Glühbirnen.
Und warum Mechanik und nichts anderes? „Ich hatte andere Jobs, aber sie bestanden darin, vor einem Computer zu sitzen, was mir sehr monoton erschien. Mechanik ist das genaue Gegenteil. Am Ende geht es darum, mehr zu interagieren, mit den Händen zu arbeiten, Teile zu wechseln und das Problem zu finden“, begründet sie. Der Beruf kam zudem von zu Hause: Ihr Vater und ihr Bruder sind ebenfalls Kfz-Mechaniker.
„Sag mir“: Der Kunde, der mit einem Mechaniker sprechen will
Der Alltag ist nicht so sympathisch wie die Zahlen. „Noch heute muss man viele Leute ertragen, die in die Werkstatt kommen und mich allein wegen meines Geschlechts nicht ansehen. Sie suchen den Blick anderer Kollegen. Sie kommen und sagen, sie wollen mit einem Mechaniker sprechen, und ich sage ihnen: ‚Sag mir‘“, erzählt sie verärgert. Ihre Einschätzung ist direkt: Ein Teil der Kundschaft geht immer noch davon aus, dass eine Frau in einer Werkstatt an der Rezeption oder in der Verwaltung sitzt, niemals unter der Hebebühne.
Diese Szene wiederholt sich mit einer Häufigkeit, die sie bereits als selbstverständlich ansieht, und es ist nicht das Problem eines einzelnen Kunden: Es ist eine soziale Erwartungshaltung, die sich jedes Mal aktiviert, wenn eine Frau die Motorhaube öffnet. Die Familienwerkstatt schützt sie nicht davor, sondern setzt sie dieser täglichen Prüfung aus. Eine Fachkraft mit Abschluss in Betriebswirtschaft, die hätte von der Rechnungsstellung leben können, wählte den Geruch von Fett und muss nun ihre Kompetenz beweisen, jedes Mal, wenn ein Auto durch die Tür kommt.
Offene Haare und Maniküre: Das Urteil darüber, ob sie wirklich arbeitet
Hier spaltet sich die Angelegenheit in zwei Lager. Manche behaupten, alles sei Inszenierung und dass Etxandi nicht die Stunden in der Werkstatt verbringt. Die vorgebrachten Hinweise stammen aus der Werkstatt, nicht aus dem Büro: lange offene Haare, die zwischen Riemen und Achsen ein reales Risiko darstellen; das Fehlen von Handschuhen; Armbänder und eine Maniküre, die nicht zu den geschwärzten Nägeln passt, die jemandem zugeschrieben werden, der täglich mit Eisen arbeitet. Gebrochenes Porträt.
Gegen diese These erinnert eine andere Strömung daran, dass ein vertikales Video in Minuten aufgenommen wird und dass eine Aufnahme nicht den gesamten Arbeitstag von jemandem misst. Sich für eine Kamera in Szene zu setzen bedeutet nicht, sich nicht schmutzig zu machen. Der Zweifel wurde jedenfalls nicht mit Daten gelöst, nur mit Eindrücken.
Der doppelte Maßstab des Berufs
Die andere Front ist die um das Publikum. Ein Großteil des Erfolgs wird der Anziehungskraft des überwiegend männlichen Zuschauers gegenüber jeder Frau zugeschrieben, die vom erwarteten Skript abweicht. Es wird argumentiert, dass wenn derselbe Inhalt von einem anonymen und nicht besonders attraktiven Mechaniker unterschrieben würde, er bei Weitem nicht dieselbe Reichweite hätte. Die Argumentation stützt sich auf ein Muster, das einige Teilnehmer auf anderen Plattformen sehen, wo das gleiche technische Niveau mehr Aufmerksamkeit erhält, wenn es von einer jungen Frau präsentiert wird.
Dieser These kann entgegengehalten werden, dass der Algorithmus belohnt, was den Blick hält, und dass Accounts von Frauen in technischen Sektoren wachsen, weil eine ungedeckte Nachfrage nach solchen Inhalten besteht. Verdienst und Sensationslust erreichen selten getrennt in den sozialen Medien.
Ein zu Hause gelernter Beruf
Es fehlt nicht an Stimmen, die daran erinnern, dass der Ausgangspunkt ein Vorteil war. Aufgewachsen zwischen Hebebühnen und Werkzeugkisten ermöglichte es, den Beruf zu lernen, ohne ein Gehalt zu riskieren oder durch ein Ausbildungszentrum zu gehen. Mit einem anderen Hintergrund wäre die Tür ziemlich verschlossen gewesen. Dies ist der klassische Vorwurf gegen meritokratische Erfolge mit Teppichboden: Talent zählt, aber der Ort, an dem man geboren wird, zählt mehr.
Am Ende bleibt die Zahl, Millionen von Wiedergaben, und die Frage, die die Protagonistin jeden Morgen in die Werkstatt mitschleppt. Wie viel dieses Erfolgs spricht über Mechanik und wie viel über die Überraschung, eine Frau unter dem Auto zu sehen? Den Schlüssel dazu hat sie. Die Antwort gibt der Algorithmus.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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