Iran: Postkartenlandschaften unter einem umstrittenen Regime
Laut der im Thread zitierten Studie beträgt der durchschnittliche Intelligenzquotient der Iraner über 20 Jahre 105,61. Bei den Jüngeren liegt er bei 97,73. Diese Zahlen stammen nicht aus einem Reiseprospekt: Dem angegebenen Link zufolge stammen sie aus dem Repositorium der National Institutes of Health der USA. Und sie rahmen das Paradox ein, das jede Diskussion über Iran durchzieht: ein Land mit erstklassigem Erbe, Talent und Landschaften, regiert von einer klerikalen Apparatur, die all dieses Potenzial in eine unbequeme Frage verwandelt.
Ein Land, das Gehirne exportiert, nicht nur Teppiche
Unter den diskutierten Daten sticht eines hervor: Erwähnt wird der Fall eines iranischen Mädchens, das 162 erzielte. Ein Teilnehmer erinnert daran, dass 2020 ein 16-jähriger Iraner Magnus Carlsen am Brett besiegte. Und die Zahl der iranischen Mathematiker mit Wikipedia-Eintrag, 57, überträfe die der Spanier, die bei 52 liegt – immer nach den zitierten Zählungen. Das sind grobe Zahlen, methodisch angreifbar, aber sie deuten in dieselbe Richtung wie die IQ-Studie: ein bemerkenswerter intellektueller Nachwuchs angesichts der Größe des Landes.
Die wiederkehrende Erklärung ist das persische Erbe. Eine Kultur mit Jahrhunderten von Mathematik, Astronomie und Poesie im Rücken bringt am Ende Gesellschaften mit einem besonderen Verhältnis zum Studieren hervor.
Türkise Strände, Nebelwälder und 5.000-Meter-Berge
Das zweite Argumentbündel ist visuell. Strände mit hellem Sand und türkisfarbenem Wasser – Marjan, die Insel Hengam, der Strand von Darak –, Nebelwälder, goldene Canyons und Moscheen mit einer Farbvielfalt, die das Auge kaum zu unterscheiden vermag. Dazu kommen Märkte und Streetfood-Stände, deren Vielfalt an Geschmäckern, Gerüchen und Texturen, so wird behauptet, im Westen kein Pendant hat. Ein Teilnehmer vergleicht die Bilder mit der mexikanischen Karibik oder dem Pazifik der Maori.
Die Architektur erledigt den Rest. Hotels mit Marmor-, Glas- und Goldveredelungen, die sich ohne Minderwertigkeitskomplexe mit den großen internationalen Ketten messen. Die Leistung, so wird angemerkt, liege nicht darin, Ornamente anzuhäufen, sondern darin, dabei gut auszusehen, ohne ins Kitschige abzugleiten. Und wer in Teheran war, ergänzt ein Detail, das in keinem Reiseführer steht: die 5.000 Meter hohen Berge, die man von der Stadt aus sieht – so nah, dass man sie beinahe mit den Fingern berühren könnte.
Die Kehrseite: Todesstrafen, arrangierte Ehen und überwachte Freiheit
Hier bricht der Konsens. Dem freundlichen Porträt steht ein anderes entgegen, und es ist kein geringeres. Den wiedergegebenen Kritiken zufolge steht Gaiität unter Todesstrafe, während transsenstrans Menschen quasi zur Operation gedrängt würden, um ihren Körper an das anzupassen, was der Staat als akzeptabel betrachtet. Auch Ehebruch wird als hart verfolgtes Delikt genannt, ebenso der Druck auf christliche Minderheiten und die Fortgeltung arrangierter Ehen.
Keine Nuance überdeckt diesen Teil. Wer das Land verteidigt, antwortet mit etwas anderem: Die iranische Gesellschaft sei modern und fortschrittlich und lebe gefangen unter einem Regime, das ein großer Teil der Bevölkerung nicht trägt. Die Berichte aus direktem Kontakt gehen in diese Richtung. Ingenieure, exquisit im technischen Detail. Bürger, die privat ihre Müdigkeit gegenüber der klerikalen Apparatur äußern. Die Kluft zwischen Land und Regierung sei, so die These, breiter, als der Reisepass vermuten lässt.
Schiismus, Zoroastrismus und die Versuchung, die Geschichte umzuschreiben
Die dritte Front ist religiös. Manche halten den Schiismus, weil er die Auslegung der Hadithe erlaubt, für weniger starr als die sunnitische Tradition. Die Erwiderung eines anderen Teilnehmers: Dieselbe Apparatur, die auslegt, richtet auch hin. Und eine dritte, minoritäre, aber beharrliche Strömung will den Zoroastrismus als persisches Identitätsmerkmal gegenüber dem Sarracin zurückgewinnen, mit dem Argument, die Religion vor der arabischen Eroberung habe weniger Schaden angerichtet. Schwer zu sagen, wie viel historische Selbsterfindung und wie viel Provokation in dieser Idee steckt.
Mitten in all dem taucht das wirtschaftliche Argument auf. Ein Teilnehmer verortet das Pro-Kopf-Einkommen Irans über dem von Ungarn, Rumänien oder einem Großteil Lateinamerikas – immer nach den zitierten, ungeprüften Schätzungen. Stimmte das, läge das Kernproblem offen da: ein Land, das in fast allem funktioniert, nur an seiner Spitze nicht. Ein Forenmitglied hebt den iranischen Film Nader und Simin als Porträt dieser Spannung hervor, und die Darstellung eines winzigen Gerichtssaals genügt, um zu erklären, wo der Alltag festhängt.
Vor diesem Hintergrund lautet die Frage nicht, ob Iran spektakulär ist. Sondern ob er es sein kann, ohne für einen Teil seiner eigenen Bevölkerung ein Ort zu bleiben, von dem man fortgeht.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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