Indiens Anteil am Welt-BIP sank von 25 % auf unter 4 %

Eine Forumsdebatte stellt die These der britischen Ausplünderung Indiens gegen Kritik an den BIP-Zahlen und der wirtschaftlichen Attribution dar.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Indiens Anteil am Welt-BIP sank von 25 % auf unter 4 %
Indien produzierte einst ein Viertel des weltweiten Reichtums, heute sind es weniger als 4 %

Im Jahr 1700 entfielen laut einer im Diskurs kursierenden Schätzung fast 25 % des weltweiten Bruttoinlandsprodukts (BIP) auf Indien. Als die Briten das Land verließen, lag diese Zahl nach denselben Berechnungen bei unter 4 %. Zwischen diesen beiden Zeitpunkten lagen fast zwei Jahrhunderte der Herrschaft der Ostindien-Kompanie und später des British Raj. In dieser Zeit wurde die indische Textilindustrie – damals die wettbewerbsfähigste der Welt – durch asymmetrische Zölle und direkte Verbote zerschlagen, so mehrere Teilnehmer. Die Debatte, ob dies Handel oder Ausplünderung war, bleibt offen, doch die Zahlen lassen wenig Zweifel zu, argumentieren die Befürworter dieser These.

Indische Textilien, mit denen England nicht mithalten konnte

Im 17. Jahrhundert produzierte Indien 25 % der weltweiten Textilien und exportierte sie überallhin, was einen Zufluss edler Metalle auf den Subkontinent erzeugte, wie ein Teilnehmer berichtet. Europäische Händler ließen sich genau aus diesem Grund an seinen Küsten nieder. Das Problem, so einige Analysen, war, dass ein Handelsdefizit mit ihnen unvermeidbar war. Daher verbesserten die Engländer ihre eigene Produktion und erließen den Calico Act zum Schutz ihrer Industrie. Asymmetrischer Protektionismus sei der Schlüssel zur Geschichte des „freien Handels“, behaupten sie.

Die Zölle betrugen laut einer Aussage in der Debatte 5 % für britische Produkte, die nach Indien eingeführt wurden, und 70 % für indische Produkte. Mit solchen Margen hatte die traditionelle indische Textilindustrie keine Chance, so das Argument. Und als die britische Produktion zu teuer wurde, verlegte man Fabriken nach Indien und schuf Monopole, um das Land als gefangenen Konsumenten zu halten, so dieselbe Version. Nur britische Fabriken durften auf indischem Boden Textilien produzieren, behauptet ein Teilnehmer.

Abgeschnittene Finger und Gandhis Spinnrad

Ein wiederkehrendes Detail im Material ist das Verbot für Inder, ihre eigenen Stoffe zu weben. Wer dagegen verstieß, dem wurden die Finger abgeschnitten. Nicht Millionen, aber Tausende, so ein Teilnehmer. Dies erklärt, warum Gandhi das Spinnrad zum zentralen Symbol seiner Unabhängigkeitsbewegung machte, bis hin zum Versuch, es in die Nationalflagge aufzunehmen. Das Spinnrad war kein folkloristischer Einfall: Es war die Antwort auf ein Verbot, das die Hauptindustrie des Landes zerstört hatte, so die Anhänger dieser Lesart.

Adam Smith selbst verurteilte in seinen Schriften, was England in Indien tat, laut Zitaten, die in der Debatte kursieren. Demnach beschrieb der Vater des ökonomischen Liberalismus, wie die Briten „Knappheit in Hungersnot verwandelten“, nachdem sie die Agrarwirtschaft zerstört und das Land in eine riesige Mohnplantage für den chinesischen Markt umgewandelt hatten. Die folgende Hungersnot war nach diesen Quellen katastrophalen Ausmaßes.

War es Ausplünderung oder die Industrielle Revolution?

Gegen die These der Ausplünderung wird oft eingewandt: Wenn die Engländer alles mitnahmen, warum haben die Inder nach ihrem Abzug nicht wieder produziert? Das BIP ist eine jährliche Produktionsgröße, kein akkumuliertes Erbe, argumentiert ein Teilnehmer. Zudem hinterließen die Briten Bahnen, Elektrizität und Flughäfen, die die Inder allein in zweihunderttausend Jahren nie gebaut hätten, so die Behauptung. Dagegen hält ein anderer Teilnehmer entgegen, dass die zurückgelassenen Fabriken britisch waren, das Monopol auf die Textilproduktion hielten und lange nach dem Verschwinden der traditionellen indischen Industrie errichtet wurden.

Die Diskussion verlagert sich auf die Gegenwart. Manche sehen Parallelen zwischen dem Vorgehen in Indien und den heutigen Handelspolitiken in Europa, wo Gesetze den freien Handel behindern und angeblich die Deindustrialisierung des Kontinents zugunsten angloamerikanischer Interessen vorantreiben. Der Zusammenhang ist umstritten, doch das beschriebene Muster – asymmetrische Zölle, Monopole und Handelsabhängigkeit – hat dokumentierte Präzedenzfälle, so die Befürworter dieses Vergleichs.

Nader Schah, die unerwähnte Plünderung

Nicht alle Plünderungen kamen aus London, meint ein Teilnehmer. Die afsharidische Invasion von 1739 unter Nader Schah nahm Punjab ein, zerstörte die Mogul-Armee, gefangen den Kaiser und plünderte Delhi, bevor er durch Fruta und Sindh zog und alles verwüstete. Die Beute war so gewaltig, dass in Persien jahrelang keine Steuern erhoben wurden, so die Schilderung. Wer dieses Episode anspricht, leugnet nicht die britische Ausplünderung, erinnert aber daran, dass Indien bereits geplündert worden war, bevor die Briten ihre Herrschaft festigten.

Der Vergleich hat seine Logik und Grenzen. Die persische Plünderung war punktuell; die britische war strukturell und über Generationen hinweg angelegt, so die Vertreter dieser These. Sie dient jedoch dazu, die Vorstellung zu entkräften, Indien sei bis zur Ankunft der Europäer ein unversehrtes Paradies gewesen. Es hatte seine eigenen Dynamiken von Eroberung und Raub. Der Unterschied bestehe darin, dass eine binnen weniger Jahre endete, während die andere die Weltwirtschaft neu ordnete, so die Interpretation.

Teilung und die Armee, die sich abwandte

Nach 1945 bestand mehr als die Hälfte der britischen Armee aus Indern, so ein Teilnehmer. Viele seien unabhängigkeitsgesinnt geworden, nachdem sie gesehen hätten, wie lächerlich die Briten gegenüber Japanern und Deutschen wirkten, so dieselbe Version. Die japanischen Siege über Briten und Franzosen in Asien hätten das psychologische Gefühl europäischer Überlegenheit zerstört. Die Briten konnten nur noch versuchen, das Land durch Unterstützung der Muslime zu spalten, woraus Pakistan und Bangladesch hervorgingen. Eine Aufrechterhaltung der Kolonien sei unmöglich gewesen, lautet das Fazit.

Das Ende des British Raj war kein großzügiges Zugeständnis, sondern ein Rückzug angesichts des Unvermeidlichen, so die Deutung. Die offene Frage bleibt, wie Indien ohne zwei Jahrhunderte fremder Herrschaft ausgesehen hätte. Die Zahlen sprechen für sich, meinen manche. Die Interpretationen hängen, wie immer, davon ab, wer sie vertritt.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (119 Antworten).

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