Indexfonds verdrängen die aktive Fondsverwaltung mit niedrigeren Gebühren

Der aktive Fonds verlangt 2 %, ein ETF auf denselben Index nur 0,20 %. Diese Rechnung erklärt den unaufhaltsamen Vormarsch der Indexfonds.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

2 % Gebühr für einen aktiven Fonds, der nur den Index kopiert

Ein Anleger kann 2 % jährliche Verwaltungsgebühr zahlen oder 0,20 % für einen ETF, der denselben Index abbildet. Das erste ist ein Produkt der aktiven Fondsverwaltung, das zweite ein Indexfonds. Wenn der aktive Fonds ohnehin nur seinem Benchmark folgt, wird der zehnfache Kostenunterschied zum entscheidenden Argument – und erklärt, warum Indexfonds die aktive Fondsverwaltung seit Jahren verdrängen. Die These stützt sich auf eine Arithmetik, die kaum jemand bestreitet, auch wenn die Konsequenzen mehr Fragen aufwerfen, als es scheint.

Die Gebühr, die die aktive Verwaltung nicht rechtfertigen kann

Die Überlegung ist rein rechnerisch. Ein Fonds, der 2 % gegenüber den 0,20 % eines ETF auf denselben Index verlangt, muss den Markt Jahr für Jahr um mehr als 1,8 Prozentpunkte schlagen, nur um gleichzuziehen. Und das nachhaltig zu schaffen ist nach vorherrschender Auffassung fast unmöglich: Niemand verfügt über alle Informationen, um Preise vorherzusagen. Wenn der Fonds seinen Index zudem zu fast 95 % nachbildet, wird die Frage unbequem. Warum für eine Verwaltung zahlen, die sich kaum von der automatischen unterscheidet?

Von da an wird die Kritik schärfer. Manche bezeichnen das Geld, das noch in aktiven Fonds liegt, schlicht als Abzockerei für Ahnungslose: zu viel Kapital, das hohe Gebühren für ein Produkt zahlt, das im besten Fall mit dem Index gleichzieht. Der Verdacht gilt nicht nur den Kosten, sondern auch den Anreizen. Nicht immer ist klar, ob der Berater für den Kunden arbeitet oder für den eigenen Bonus.

Und wenn die Gefahr im Index selbst steckt?

Hier wird die Geschichte komplizierter. Den aktiven Fonds zu kritisieren heißt nicht, den Indexfonds zu segnen. Der am häufigsten genannte Einwand richtet sich gegen den MSCI World, das Vorzeigeprodukt der passiven Anlage, das derzeit voller KI-Unternehmen steckt – der marktkapitalisierungstärksten Werte. Blasen diese Firmen ab, fällt der Index, der sie abbildet, mit ihnen. Die skeptische Frage lautet, ob eine Blase in einem Indexfonds nicht sogar wahrscheinlicher ist als bei einer einzelnen Aktie – gerade weil dort das Geld Tausender Anleger in denselben Gewinnern konzentriert ist.

Die Verteidigung des Indexfonds bestreitet das Risiko nicht, sie relativiert es. Ein Weltindex setzt sein Portfolio über die Zeit neu zusammen: Die heutigen Marktführer können ersetzt werden, wenn sich der Zyklus dreht. Was die Branche allerdings einräumt, ist die Unkenntnis. Ein Fall, der kursiert, zeigt es schonungslos: Ein Anleger, überzeugt, breit gestreut zu sein, hielt 35 % in Schwellenländern und 50 % in Europa, ohne es zu wissen. Viel Bergbau und viele Banken, ohne klare Idee, warum.

Der Tag, an dem die Stagflation kommt

Das Szenario, das am stärksten spaltet, ist eine hohe und anhaltende Inflation bei gleichzeitig fallenden Börsen. Ein Teil der Analyse hält nur Vermögenswerte für belastbar, die ihre Kosten an die Kunden weitergeben können: Rohstoffe und Edelmetalle voran. Als Präzedenzfall gilt die Stagflation der 1970er Jahre in den USA, als der Markt zeitweise bei einem durchschnittlichen KGV von 8 lag und stark einbrach, während Ölwerte sich hielten. In Argentinien, mit Hyperinflation statt Stagflation, fiel das KGV auf 5.

Demgegenüber steht die Auffassung, der Indexanleger rühre sich bei Kursverlusten nicht: Er zahlt genauso bei Regen wie bei Sonnenschein – so zumindest die Theorie. Die berechtigte Frage ist, wie viele durchhalten, wenn die Durststrecke sich in die Länge zieht. Niemand weiß es, bis es passiert.

Auch die aktive Verwaltung hat ihre Fälle

Nicht alles Geld flieht wegen schlechter Ergebnisse aus aktiven Fonds. Es gibt Fonds mit Namen, die sich behaupten. Am häufigsten genannt wird Gamma Global FI mit kaum 10 % Aktienquote und einer Rendite von nahezu 8 % pro Jahr, wie Nutzer berichten, die ihn als konservatives Polster einsetzen. Der Haken: die Gebühren, hoch für ein so defensives Profil.

Auch persönliche Beispiele nähren den Glauben an die eigene Verwaltung. Ein Aktienportfolio, verglichen mit Berkshire Hathaway, wobei jede Einzahlung durch Anteile des Konzerns ersetzt wurde, erzielte ein Ergebnis, das die Nachahmung des Orakels von Omaha fast verdoppelte. Das Verdienst liegt laut seinem Urheber nicht in der Intuition, sondern darin, nur billig zu kaufen. Das Kleingedruckte: Der Vergleich steht und fällt mit dem gewählten Zeitraum.

Derweil gerät die Gründungserzählung des Indexfonds ins Wanken. Weder Buffett noch Bogle, die beiden großen Prediger der passiven Anlage, hielten ihr Privatvermögen in Indexfonds. Eines zu predigen und das andere zu praktizieren ist die älteste Tradition der Finanzen.

Das Ergebnis: Preis gegen Konzentration

Das Bild ist für beide Lager unbequem. Indexfonds gewinnen beim Preis, tragen aber das Klumpenrisiko. Die aktive Verwaltung hat weiterhin Glanzfälle, auch wenn sich ihre Durchschnittsgebühr in den meisten Prospekten nicht rechtfertigt. Und wenn die Lösung nicht darin bestünde zu wählen, sondern zu wissen, was man im Depot hat? Diese Frage beantwortet dir kein Vertriebler.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (74 Antworten).

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