'Ihr werdet nichts besitzen und glücklich sein': Fakten und Verschwörungstheorie

Das Davos-Forum veröffentlichte 2016 ein Video über 2030 mit dem Satz „Ihr werdet nichts besitzen und glücklich sein“. Wir prüfen, was über diesen Slogan und die Zucman-Steuer bekannt ist.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Der Satz „Ihr werdet nichts besitzen und glücklich sein“ erschien 2016 in einem offiziellen Video des Weltwirtschaftsforums über die Welt von 2030 und ist seitdem zum Kern einer verschwörungstheoretischen Deutung der Wirtschaft geworden. Die von dem Ökonomen Gabriel Zucman vorgeschlagene jährliche Steuer von 2 % auf Vermögen über 100 Millionen Euro ist ein echter Steuervorschlag, kein geltendes Gesetz.

Der Satz wird selten ausgesprochen und ständig wiederholt. „Ihr werdet nichts besitzen und glücklich sein“. Er steht in einem Video, das das **Weltwirtschaftsforum** **2016** im Rahmen einer Serie darüber veröffentlichte, wie die Welt **2030** aussehen könnte. Erfunden hat ihn weder ein Forumsnutzer noch ein YouTube-Kanal: Er kam von der Organisation selbst, die das jährliche Treffen in **Davos** ausrichtet. Das verleiht ihm seine Wirkung. Und genau das ist mit etwas anderem vermischt worden: einer Erzählung, die einen Slogan über kollaborativen Konsum in einen koordinierten Plan verwandelt, der der Bevölkerung alles nehmen soll.

## Was das Video von 2016 wirklich sagte

Das Video war Teil einer Kampagne des Davos-Forums, die das Alltagsleben im Jahr 2030 imaginierte. Der Text, der sich verbreitete, beschrieb eine Welt, in der man „nichts besitzt und glücklich ist“, im Rahmen einer Reflexion über Zugang statt Eigentum: geteilte Autos, zeitweise genutzte Wohnungen, gemietete Werkzeuge. Die vorgestellte Idee war die des Konsums nach Nutzung, nicht die der Enteignung.

Aus dem Kontext gerissen, wurde der Satz tausendfach zitiert, als sei er ein politisches Programm. Ist er nicht: Es ist eine Zukunftsanalyse einer privaten Stiftung, die in keinem Land Gesetze erlässt. Das Davos-Forum verabschiedet keine Gesetze und legt keine Leitzinsen fest. Es bringt Unternehmer, Wissenschaftler und Staatschefs zusammen, um über Trends zu sprechen. Sein Aufklärungsmaterial mit einem Regierungsplan zu verwechseln, ist der erste Fehler der gesamten Kette.

## Die Zucman-Steuer: ein Vorschlag, kein Gesetz

Der kursierende Text erwähnt die sogenannte Zucman-Steuer als „Gnadenstoß“. Es lohnt sich zu präzisieren, was sie ist. **Gabriel Zucman**, Ökonom an der **Paris School of Economics** und der University of Berkeley, schlug eine jährliche Steuer von **2 %** auf Vermögen über **100 Millionen** Euro vor. Sie besteuert nicht das Einkommen, sondern das Vermögen, einschließlich nie verkaufter Unternehmensbeteiligungen.

Der Vorschlag wurde in akademischen Foren und in einigen Parlamenten diskutiert, ist aber weder in Spanien noch in den meisten Ländern eine geltende Steuer. Dass etwas diskutiert wird, heißt nicht, dass es angewendet wird. Und das Argument, sie zwänge Gründer, Beteiligungen an große Fonds zu verkaufen, ist eine mögliche Folge, auf die Kritiker der Maßnahme hinweisen, keine vollendete Tatsache.

## Von der Inflation zum Energielabel: echte Maßnahmen und erzwungene Deutungen

Die Erzählung reiht existierende Maßnahmen an übertriebene Wirkungen. Es stimmt, dass die Zentralbanken ihre Bilanzen nach **2008** und während der Pandemie stark ausweiteten und dass dieses Geld zuerst auf den Finanzmärkten ankommt. Es stimmt auch, dass Energie teurer geworden ist und dass die Abschaltung von Kernkraftwerken in mehreren europäischen Ländern, darunter **Deutschland** mit der Abschaltung seiner letzten Kraftwerke **2023**, die Abhängigkeit von Gas erhöht hat.

Was nicht haltbar ist, ist die Darstellung jeder Regel als Teil eines einzigen Mechanismus. Das Energielabel für Gebäude, Umweltzonen oder die Erbschaftssteuer folgen unterschiedlichen Logiken und haben Befürworter und Gegner unter Ökonomen beider Lager. Sie zusammenzunehmen macht sie noch lange nicht zum Plan. Es ist der alte Trick der Zufälligkeit: Sammelt man genug lose Teile, wirkt alles wie ein Puzzle.

## Warum der Slogan so gut funktioniert

Der Satz funktioniert, weil er etwas beschreibt, das viele spüren. Das Leasingauto, die Mietwohnung, die Streaming-Serie, die Software im Abo. Eigentum ist in ganzen Branchen durch Zugang ersetzt worden, und das erzeugt eine legitime Unruhe, die die Wirtschaft seit Jahren unter dem Namen Zugangsökonomie erforscht.

Das Problem beginnt, wenn diese Unruhe zu einer Alltheorie wird. Dass Zugang das Eigentum ersetzt, ist ein dokumentierter Trend. Dass es einen Plan gibt, damit niemand mehr etwas besitzt, ist eine Behauptung, die die zitierten Dokumente nicht stützen. Der Abstand zwischen beidem ist der Abstand zwischen einer Wirtschaftsdebatte und einer Verschwörung. Und um diesen Abstand geht vor allem eines: die Glaubwürdigkeit derjenigen, die die Anschuldigung erheben.

## Das Wichtigste

- Das **Weltwirtschaftsforum** veröffentlichte **2016** ein Video über die Welt von **2030**, das den Satz „Ihr werdet nichts besitzen und glücklich sein“ enthielt.
- Die von **Gabriel Zucman** vorgeschlagene Steuer würde **2 %** jährlich auf Vermögen über **100 Millionen** Euro erheben.
- **Deutschland** schaltete **2023** seine letzten Kernkraftwerke ab, was die Abhängigkeit von Gas erhöhte.
- Die Zentralbanken weiteten ihre Bilanzen nach **2008** und während der Pandemie **2020** massiv aus.
- Die Zugangsökonomie mit Abos und Miete statt Eigentum ist seit über einem Jahrzehnt ein dokumentierter Trend.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (0 Antworten).

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