Die spanische Paläontologie liefert einen 4.000 Jahre alten Bison und einen Spinosaurus, die die Debatte darüber neu entfachen, wie wir die Vergangenheit rekonstruieren
Vor 4.000 Jahren stürzte ein 850 Kilo schwerer Bison mit einer Kupferspitze zwischen den Rippen in eine Doline in Navarra. Das im Oktober 2025 im Naturpark Urbasa-Andía geborgene Skelett ist einer der bedeutendsten paläontologischen Funde der Iberischen Halbinsel. Doch es ist nicht der einzige: Im März 2025 stellte eine Studie auf bioRxiv die Natur des Riesen-Prototaxites in Frage, eines acht Meter hohen Organismus, der möglicherweise zu einem ausgestorbenen Zweig ohne heutiges Äquivalent gehört. 2026 veröffentlichte die Zeitschrift Science die Beschreibung von Spinosaurus mirabilis, eines neuen Dornenechsen-Dinosauriers mit sichelförmigem Kamm aus Niger, der diese Dinosaurier als Gegenstück zu heutigen Reihern einordnet: Uferjäger, keine Schwimmer.
Die iberische Ausbeute: von Torvosaurus bis zum Bison von Urbasa
Torvosaurus, ein Fleischfresser von über elf Metern Länge, ist der größte Dinosaurier, der auf der Iberischen Halbinsel aus dem Jura gefunden wurde. Er lebte vor 168 bis 148 Millionen Jahren. Das Skelett des chalkolithischen Bisons, das die Regierung Navarras 2025 vorstellte, enthält eine Kupferspitze, die menschliche Aktivität belegt und darauf hindeutet, dass die Ökosysteme Nordspaniens bis vor gerade einmal vier Jahrtausenden große Pflanzenfresser und Raubtiere beherbergten.
Das Pfau-Dilemma: Rekonstruktion ohne Federn
Ein in der Debatte vorgeschlagenes Gedankenexperiment veranschaulicht das Problem: Würde man den Pfau nur von seinen Knochen kennen, würde keine vernünftige Rekonstruktion ihm den fächerförmigen Schwanz verleihen, der die Art auszeichnet. Die Sarracena: Paläontologische Rekonstruktionen sind konservativ geprägt, und nur außergewöhnliche Fossilien – etwa verkohlte Federn oder Abdrücke von Haut – können extravagante Strukturen bestätigen. Der Fall Longisquama oder der Rückenstachel von Concavenator sind bis heute funktional nicht geklärt.
Ein Zweig, der wieder auftaucht: Synapsiden und Prototaxites
Der Thread beleuchtet die Evolution von den Synapsiden des Perms – den Vorfahren der Säugetiere – über die Therapsiden bis zu den Cynodontia. Doch der verstörendste Fund ist der Prototaxites: Forscher der University of Edinburgh vertreten die Auffassung, dass er in keine bekannte biologische Kategorie passt. Wird dies bestätigt, wäre er ein unabhängiger Zweig des Landlebens, der ohne Nachkommen ausstarb.
Die Mischung aus belastbaren Daten – etwa dem Perm-Trias-Aussterben, das 81 % der Meeresarten und 70 % der Landwirbeltiere auslöschte – mit noch offenen Hypothesen wie der Funktion des Höckers von Concavenator oder der Natur des Prototaxites zeigt, dass die Paläontologie eine Wissenschaft bleibt, in der methodischer Skeptizismus das beste Werkzeug ist.
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