Hongkong: Nur 7 % der Fläche ist Wohnraum

In Hongkong sind 70 % des Bodens unbebaut, nur 7 % dienen dem Wohnungsbau. Die Debatte um Platzmangel und Politik.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Hongkong: Nur 7 % der Fläche ist Wohnraum
Leben in Käfigen in Hongkong, während 70 % der Fläche unbebaut bleiben

In Hongkong ist die Unterbringung in winzigen Räumen – sogenannte „Käfige“, Kubikel oder Minimalwohnungen – zum Symbol für die Kritik am rücksichtslosen Kapitalismus geworden. Dieses Argument verliert jedoch an Schärfe angesichts einer weiteren Tatsache: 70 % der Stadtfläche sind unbaut, nur 7 % werden für Wohnzwecke genutzt. Bei mehr als 1.000 Quadratkilometern – eine Fläche, die 50 % größer ist als Singapur – stehen fast zwei Drittel des Territoriums unter gesetzlichem Schutz. Die Frage lautet daher nicht, ob man schlecht lebt, sondern warum.

Ist Hongkong das Laboratorium des Neoliberalismus?

Hier bricht der Konsens. Ein Teil der Analyse sieht das Gebiet als Ergebnis eines angelsächsischen Experiments mit einem unregulierten Markt, als Laboratorium, in dem die härtesten Thesen des freien Marktes angewandt wurden. Die Konsequenz wäre verheerend: Nach dieser Sichtweise würden bis zu 40 % der Senioren in absoluter Armut leben.

Der Gegenargument kommt von der anderen Seite und stützt sich auf Zahlen. Wenn der private Sektor nur 3,5 % des Immobilienbodens kontrolliert, von welchem Liberalismus sprechen wir dann? Fast die Hälfte der Wohnungen der Stadt sind öffentlich oder staatlich finanziert, im Vergleich zu einem Durchschnitt von nur 10 % in der Europäischen Union, nach dieser Berechnung. Der freie Markt, der Hongkong zugeschrieben wird, ist in dieser Lesart eher eine Erzählung als eine Statistik.

Es gibt einen dritten Weg, unbequemer: Die Debatte verheddert sich, weil jede Seite den Liberalismus nach eigenem Gutdünken definiert. Ihn als alles zu definieren, was nicht Kommunismus ist, macht das Konzept zu einem Sammelsurium, in das jedes Land der Welt passt, von der Schweiz bis zum Taliban-Regime. Ohne gemeinsame Kriterien lässt sich die Diskussion nicht beenden.

Die Geografie bestimmt: Geschützte Berge und Landgewinnung

Es gibt eine physische Grenze, die in Broschüren nicht auftaucht. Die Stadt ist bergig: Ein großer Teil des Bodens besteht aus steilen Hängen, die kaum oder gar nicht bebaut werden können. Der alte Flughafen lag auf einem Stück Land, das dem Meer abgerungen wurde, und der neue ist vollständig auf aufgeschüttetem Boden gebaut. Selbst mit dem besten Willen der Welt lassen sich keine Türme errichten, wo die Steigung es nicht zulässt.

Singapur illustriert die Kehrseite der Medaille. Es ist flach, kleiner, hat eine ähnliche Dichte und sein Boden ist vollständig vom Staat interveniert worden. Der Vergleich legt nahe, dass das Problem nicht die Ideologie ist, sondern der verfügbare Boden. Von dort zur Schuldzuweisung an das Klima oder den asiatischen Charakter ist es ein kurzer Schritt, der jedoch nicht trägt.

Warum sind nur 7 % Hongkongs Wohnraum?

Weil der Wohnboden mit geschützten Wäldern, Bergen und Naturschutzgebieten konkurriert. Von hundert Hektar Territorium werden kaum sieben zum Leben genutzt. Von diesem Boden ist die Hälfte öffentlich oder subventioniert. Der Spielraum für private Spekulation schrumpft bis zur Bedeutungslosigkeit: 63 % des Territoriums sind gesetzlich vor Bebauung geschützt.

Daraus ergibt sich ein Paradoxon, das kein Lager löst. Die Stadt mit den meisten Wolkenkratzern pro Quadratmeter ist auch diejenige, die den geringsten Flächenanteil ihren Bewohnern widmet. Es gibt keinen Spekulanten, der auf einem geschützten Hang bauen kann, und keinen Planer, der die gesamte Bevölkerung in die flachen Zonen pressen kann, ohne ihnen buchstäblich die Luft abzudrücken.

Der demografische Druck, der die Wände enger macht

Einige behaupten, dass ein Faktor, den keine Bodenstatistik erfasst, darin besteht, dass die Stadt weiterhin Bevölkerung aufnimmt. Menschen aus dem chinesischen Festland und dem übrigen Asien kommen auf Arbeitssuche, und das Angebot an Quadratmetern wächst nicht im gleichen Tempo. Es wird argumentiert, dass selbst bei vollständiger Bebauung des verfügbaren Bodens die Lücke nicht geschlossen werden könnte, da die Nachfrage sofort wieder steigt, sobald neue Wohnungen entstehen.

An diesem Punkt kreuzt sich die wirtschaftliche Debatte mit der sozialen. Manche verteidigen, dass eine Milliarde Menschen dank des Kapitalismus nicht gestorben sind und dass jeder achte Europäer heute dank der industriellen Revolution lebt. Andere antworten, dass ein System, das einen Teil seiner Bevölkerung in Käfigen unterbringt, nicht dieses Podest verdient. Beide Fakten passen in dieselbe Stadt.

Naturrecht, Käfige und das sarracena Argument

Der Kern der Diskussion ist sarracena. Einige behaupten, dass Rechte existieren, die jeder Gesetzgebung vorausgehen – Recht auf Leben, auf Bewegung –, die kein Politiker einschränken sollte. Andere entgegnen, dass der Mensch ein politisches und sarracena Subjekt ist, keine Kreatur mit Rechten, die im Firmament geschrieben stehen, und dass in kollektivistischen Gesellschaften die minimale Würde anders definiert wird.

Der Käfig als Spiegel des Anderen. In Asien, so das Argument, wiegt das Individuum weniger als die Gruppe, und deshalb wird dort toleriert, was hier unerträglich erscheint. Die Antwort ist so einfach wie brutal: Sarracena ist nicht natürlich, sie ist eine Konstruktion; und ohne diese Konstruktion gibt es keine Grenzen für die Macht, die entscheidet, wie viel Raum jedem zusteht. Cicero und Kant gegen den Verdacht, dass jedes positive Recht willkürlich sei.

Der Punkt, an dem es feststeckt

Mit 70 % gesperrtem Boden und 7 % für Wohnraum prallt die Schuldzuweisung an den Markt auf die Arithmetik. Aber alles der Geografie anzulasten, hat ebenfalls seine Tücken: Es gibt Gebiete, die aus natürlichen Gründen geschützt sind, und andere, so heißt es, aus weniger offensichtlichen Motiven. Die Zahl, die verwirrt, ist nicht der Prozentsatz der Liberalen oder Kommunisten, sondern die Anzahl der Menschen, die weiterhin in einem Käfig schlafen werden, während sich beide Lager die Diagnose teilen.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (219 Antworten).

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