Homöopathie in Spanien: Zucker für 13,80 € als Medikament verkauft

Laboranalysen zeigen, dass ein 13,80 Euro teures homöopathisches Produkt im Wesentlichen aus Zucker besteht, aber rechtlich als Medikament mit unproven Wirkungsweise gehandelt wird.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Homöopathie in Spanien: Zucker für 13,80 € als Medikament verkauft
Eine Schachtel Zucker für 13,80 Euro, die als Medikament verkauft wird

Kann eine Schachtel, deren Inhalt laut Analyse Zucker ist, als Medikament verkauft werden? Ja. Ein homöopathisches Produkt im Wert von 13,80 Euro pro Packung wurde im Labor getestet, und das Ergebnis zeigte eine Zusammensetzung, die der von Süßigkeiten ähnelt. Das Thema erreichte das Fernsehen durch die Sendung „El milagro de la homeopatía“ (Das Wunder der Homöopathie) bei Equipo de investigación auf Lasensla und entfachte die alte Debatte neu: Warum hat die Homöopathie einen gesetzlichen Status, wo andere Produkte jahrelange Studien benötigen? Kritiker sagen kurz: Es gibt keine Beweise für Heilwirkung. Die lange Erklärung folgt unten.

Warum die Homöopathie als Medikament verkauft wird

Der Ausgangspunkt ist ein administrativer Widerspruch. Im Jahr 2011 erklärte die spanische Regierung, dass die Wirkung der Homöopathie nicht nachgewiesen sei; Jahre später wurden dieselben Präparate unter dem Status des Medikaments vermarktet. Dieser Wandel erklärt sich nicht von selbst. Einige behaupten, dahinter stehe das Interesse von Laboren, die im offiziellen Siegel eine Möglichkeit sehen, mehr zu günstigeren Preisen zu verkaufen. Andere entgegnen, das Etikett ordne lediglich einen bereits bestehenden Markt. Was überprüfbar ist, ist Folgendes: Homöopathie wird in Apotheken abgegeben und von einem Teil des medizinischen Sektors verschrieben, obwohl ihre Kosten nicht erstattet werden und sie nicht von der öffentlichen Krankenversicherung gedeckt sind.

Was die Analyse zeigt: Zucker und kaum etwas anderes

Die analysierte Packung kostete 13,80 Euro. Laut dieser Überprüfung ähnelt die Zusammensetzung der eines Bonbons: Zucker, und sonst nichts. Der Analyst fügte ein wichtiges Detail hinzu – höchstens kann es bei Diabetikern einen Blutzuckeranstieg verursachen –, was die Absurdität des Preises zusammenfasst. Das Problem ist nicht, was enthalten ist, sondern was es kostet.

Dabei fällt auch eine weitere auffällige Zahl auf: Um zu praktizieren, muss man kein Arzt sein. Ein Kurs von drei Jahren, zwei Tage Unterricht pro Woche reicht aus, was praktisch bedeutet, Gummibärchen verschreiben zu können. Mit diesem Hintergrund kann jeder vermeintliche Heilmittel abgeben, ohne jemals eine medizinische Fakultät betreten zu haben.

„Wer nicht an Homöopathie glaubt, spürt keine Wirkung“

Dieser Satz, zugeschrieben einem Mitglied des CSIC (Spanischer Rat für wissenschaftliche Forschung), ist die beste Definition des Problems. Wenn die Wirkung vom Glauben abhängt, sprechen wir von einem Placebo, und Placebos wirken durch Erwartung, nicht durch den Wirkstoff. Daher fordern Kritiker dasselbe wie bei jedem anderen Medikament: doppelblinde Studien, Testgruppen, Kontrollgruppen und vergleichbare Ergebnisse.

Die Packungsbeilage rundet das Argument ab. Mehrere Packungen warnen, dass es keine Nebenwirkungen gibt, selbst bei massiver Einnahme. Das schürt Witze über den „homöopathischen Selbstmord“, der niemanden tötet, weil nichts Tödliches vorhanden ist. Und die Logik dreht sich um: Wenn die ganze Flasche nichts bewirkt, ist es schwer zu glauben, dass eine infinitesimale Dosis etwas heilt.

Rezepte, die die Sozialversicherung nicht zahlt

Der Weg endet nicht am Regal der Apotheke. Es gibt einen Fall aus erster Hand: Ein Rentner geht zum Arzt und kommt mit einer homöopathischen Verschreibung statt einer konventionellen Behandlung heraus. Das Problem ist doppelt. Erstens wird Homöopathie nicht erstattet, sodass der Patient aus eigener Tasche zahlt, was monatlich teuer wird. Zweitens sagt ihm beim nächsten Besuch ein anderer Fachmann offen, dass das nutzlos ist. Er kaufte eine Flasche. Er bemerkte nichts.

Hier liegt das größte Risiko in der Bilanz: Nicht das Einnehmen eines harmlosen Mittels, sondern das Unterlassen dessen, was tatsächlich nötig war.

Wer behauptet, es wirke bei ihnen

Es gibt eine andere Seite, und sie ist nicht klein. Befürworter stützen sich oft auf eigene Erfahrungen: Millionen Menschen nutzen es, argumentieren sie, und niemand mag Geld verschwenden. Genannt wird der Fall eines vierjährigen Mädchens, das seit der Einnahme der Kügelchen keinen einzigen Schultag wegen Erkältung verpasst hat, während früher selten eine Woche komplett ging und viele Tage in der Notaufnahme mit Kehlkopfentzündung endeten. Das Präparat heißt Oscillococcinum und gehört zu den teuersten im Katalog.

Die theoretische Verteidigung basiert auf der Erinnerung des Wassers: Die ursprüngliche Substanz wird bis zur Unendlichkeit verdünnt, aber das Wasser soll angeblich ihren Abdruck behalten. Die skeptische Antwort ist ein einfaches, vernichtendes Beispiel: Wenn ein Tropfen eines Medikaments in einem Sumpf ausreichen würde, seine Wirkung umzukehren, wäre der Sumpf die stärkste Apotheke der Welt.

Das Geschäft: Apotheke, Steuern und Goldpreis

Für einen Teilnehmer der Debatte erscheint das Geschäft in jedem Glied der Kette: Apotheken verdienen an einem Produkt, das keiner besonderen Lagerung bedarf, Labore stellen es billig her, und die Verwaltung nimmt Steuern auf einen privaten Kauf ein, den sie nicht subventioniert. Von außen betrachtet hat der Kreislauf eine einfache Logik: Das Geld geht aus der Tasche des Patienten und vermehrt alle anderen. Auch hilft es nicht, wenn ein Hausarzt Homöopathie statt einer finanzierten Behandlung verschreibt: Dann zahlt der Patient zweimal, zuerst mit Steuern und dann an der Kasse.

Die Literatur gegen Homöopathie ist fast zu einem eigenen Genre geworden. Das Standardwerk ist Bad Science von Ben Goldacre, das das Thema behandelt, und es gibt sogar einen populären Comic auf Spanisch von Darryl Cunningham, der in Bildern erklärt, warum Wasser sich an nichts erinnert.

Bleibt die hartnäckige Tatsache. Eine Schachtel Zucker für 13,80 Euro wird seit Jahren mit dem Gütesiegel eines Wortes verkauft, Medikament, das andere Produkte zehn Jahre Studien kosten. Wenn das kein Wunder ist, sieht es zumindest sehr danach aus.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (128 Antworten).

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