Hochzeiten in Sevilla: 60.000 Euro im Schnitt – und das Kuvert deckt das Essen nicht mehr

Hochzeiten in Sevilla kosten im Schnitt 60.000 Euro, doch das Geldgeschenk der Gäste deckt die Kosten pro Person nicht mehr. Eine Analyse von Hochzeitsverschwendung und sozialem Druck.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Hochzeiten in Sevilla: 60.000 Euro im Schnitt – und das Kuvert deckt das Essen nicht mehr

Ein durchschnittliches Paar in Sevilla gibt heute 60.000 Euro für seine Hochzeit aus, so die Weddingplanerin Alejandra Lacida, Gründerin von La Madrina. Die Summe, die Bankett, Kleid, Fotografie und Dutzende Extras umfasst, steht im Kontrast zur Erfahrung vieler, die sich für das Minimum entschieden: 20 Euro beim Standesamt, zwei Trauzeugen und zwei Runden Getränke. Doch die schmerzhafteste Zahl ist, dass das traditionelle Kuvert der Gäste nicht einmal mehr das Essen deckt. Die Rechnung ist einfach: Bei 100 Gästen und 150-200 Euro pro Kopf übersteigt der durchschnittliche Beitrag pro Gast selten 100 Euro. Das Loch zahlen die Brautleute.

Der Preis des Prunks: von 1.200 bis 60.000 Euro

Wer eine schlichte Hochzeit verteidigt, kann mit Zahlen prahlen. Ein Nutzer erzählt, er habe 1996 mit 3.600 Euro für 60 Personen geheiratet; ein anderer heute für 1.200 Euro mit 15 Gästen, ohne anzukündigen, dass es eine Hochzeit sei. Doch der vorherrschende Trend, befeuert von sozialen Netzwerken und sozialem Druck, treibt zum Prassen. Das Brautkleid kostet rund 3.000 Euro, der Anzug des Bräutigams über 1.000, oft mitten im Sommer und in der Hitze Sevillas. Dazu kommen Dekoration, Musik, Fotograf und die allgegenwärtige Weddingplanerin – für viele Kritiker nichts weiter als eine Vermittlerin, die die Rechnung aufbläht, um ihre Provision zu kassieren.

Sevilla, Hauptstadt der Hochzeitsposerei

Die andalusische Stadt führt bei diesem Phänomen. Mehreren lokalen Analysen zufolge kommt es in Sevilla nicht darauf an, Geld zu haben, sondern es zu scheinen. „Du kannst pleite sein, aber wenn die Feria kommt, fehlen weder Anzug noch Caseta noch das Foto“, fassen sie zusammen. Hochzeiten entgehen dieser Logik nicht: Es werden Kredite aufgenommen, um den Schein zu wahren. Der Vergleich mit den USA, wo Hochzeiten zu einer „Performance“ mit Verlobungsfeiern, Proben und mehreren Abschiedspartys geworden sind, legt nahe, dass das spanische Phänomen noch nicht seinen Höhepunkt erreicht hat, aber in diese Richtung läuft.

Der Vertrag, der nicht mehr das ist, was er war

Hinter den Ausgaben steht eine bitterere Überlegung: Die Ehe als Vertrag hat an Wert verloren. „Wenn eine der Parteien ihn bricht, wird sie vom Staat noch belohnt“, spotten einige. Die Aussicht auf eine teure Scheidung, zusammen mit der Wahrnehmung, dass die Gesetze bei einer Trennung die Frau begünstigen, bringt viele Männer dazu, sich zu fragen, ob das Risiko es wert ist. „Heiraten, um Viogenizado zu werden und sein Vermögen zu verlieren“, fassen sie im Forum zusammen. Auch wenn es eine extreme Haltung ist, spiegelt sie eine wachsende Skepsis wider, die mit der Hochzeitsindustrie kollidiert, die Milliarden umsetzt.

Das Ergebnis ist ein Paradox: 60.000 Euro werden für einen Tag ausgegeben, der statistisch hohe Chancen hat, in einer Scheidung zu enden, und die Gäste tragen, weit davon entfernt, das Fest zu finanzieren, kaum etwas bei. Währenddessen fragen sich die, die sich für das Einfache entscheiden, warum niemand die Dinge beim Namen nennt: Das Bankett ist nicht die Hochzeit, es ist das bodorrio (die große Feier). Aber das bodorrio, für 60.000 Euro, wird weiterhin als der glücklichste Tag verkauft.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (103 Antworten).

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