Hegseth nutzt den D-Day, um Europa anzugreifen: "Wann tun sie endlich etwas gegen diese Invasion?"
Zum 82. Jahrestag der Landung in der Normandie, während die europäischen Führer Reden über Erinnerung und die transatlantische Allianz erwarteten, warf der US-Kriegsminister Pete Hegseth seine ganz eigene Granate: "Wann tun die europäischen Hauptstädte endlich etwas gegen diese Invasion?". Der Satz, geäußert in Colleville-sur-Mer, verwandelte die Gedenkfeier in eine Polemik gegen die Einwanderung. "Frieden wird nur durch Stärke garantiert", fügte er hinzu.
Das demografische Argument, auf das sich Hegseth stützt
Hegseth sprach weder von russischen Truppen noch von chinesischen Bedrohungen. Seine "Invasion" ist die migratorische. Doch die ironische Antwort ließ nicht lange auf sich warten: Während der Minister auf Europa zeigte, sprechen die Zahlen eine andere Sprache. Nach aktuellen Schätzungen liegt der weiße Bevölkerungsanteil in den USA bei rund 57 % – eine Zahl, die seine Predigten über kulturelle Reinheit in ein anderes Licht rückt. Es ist schwer, von Europa die Schließung der Grenzen zu verlangen, wenn das eigene Land ein zunehmend vielfältiger demografischer Schmelztiegel ist.
Der Kontrapunkt der eigenen amerikanischen Außenpolitik
Ein weiterer Einwand zielt auf die Inkonsistenz: Hegseth, Veteran der Kriege im Nahen Osten und heute Kriegsminister unter einer Regierung, die Konflikte eskaliert hat, fordert von Europa, die Einwanderung zu stoppen, während die USA weiter im Iran bombardieren. "Er soll gefälligst den verdammten Iran-Krieg beenden", fasst eine der meistzitierten Reaktionen zusammen. Der Frieden, den Hegseth predigt, ist in den amerikanischen Militäreinsätzen kaum zu erkennen.
Ungarn als Spiegel
Der ungarische Fall schwebt über der Debatte: Die neue Regierung von Viktor Orbán, gewählt unter Vorwürfen ausländischer Einmischung, hat ihre Migrationspolitik noch weiter verschärft. Die Proteste in Budapest zeigen, dass selbst das restriktivste Modell nicht alle zufriedenstellt. Hegseth führt es als Beispiel eines "Landes an, das etwas tut", doch die Realität vor Ort ist komplexer.
Der Kriegsminister bot keine konkreten Zahlen oder Aktionspläne. Sein Auftritt war reine politische Geste, zugeschnitten auf ein heimisches Publikum, das in der Einwanderung eine existenzielle Bedrohung sieht. Dass er sich dafür gerade die Strände der Normandie aussuchte, dürfte kein Zufall sein: In der Erzählung der globalen Rechten ist der Kampf gegen die Einwanderung die neue Kriegsfront. Das Problem ist nur: Wie in so vielen Kriegen zahlen stets die Zivilisten die Zeche.
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