Handwerkermangel in Spanien: Hohe Selbstständigenbeiträge und niedrige Löhne

Ein selbstständiger Installateur rechnet vor: 1.600 € netto nach Beiträgen. Ein Mechaniker verlangt 2.200 €. Der Fachkräftenachwuchs fehlt.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Handwerkermangel in Spanien: Hohe Selbstständigenbeiträge und niedrige Löhne
Beiträge, 2.200 € oder nichts: So verlor Spanien seine Handwerker

Laut den Berichten im Thread weigert sich ein erfahrener Kfz-Mechaniker, unter 2.200 Euro netto zu arbeiten. Ein selbstständiger Installateur stellt fest, dass ihm 1.600 Euro monatlich nach Abzug aller Kosten kaum mehr lassen als die 1.100 Euro, die er in einer Fabrik bei 40 Stunden zum Mindestlohn (SMI) verdienen könnte. Die Stelle bleibt unbesetzt. Das Paradoxon ist nicht Arbeitsmangel: Es gibt Arbeit, sie wird bezahlt – mal besser, mal schlechter –, aber niemand will die Nachfolge antreten. Das Verschwinden der Handwerksberufe in Spanien ist kein mysteriöser Fall, sondern eine Bilanzrechnung mit versteckten Verbindlichkeiten. Eine Branche, die offen behauptet, es gäbe keine Leute, während unzählige eigene Berechnungen genau das Gegenteil nahelegen.

Warum fehlen in Spanien Installateure, Elektriker und Mechaniker?

Weil es keine ausgebildeten Gesellen gibt und die wenigen Verbliebenen keine Jobsuche nötig haben. Dies ist die Diagnose aus dem Baustellenalltag: Der qualifizierte Fachmann wechselt meist über Empfehlungen zwischen Firmen und Kollegen, selten über Jobportale. Und die wenigen veröffentlichten Angebote suchen, wie sie selbst formulieren, „Billiglöhner“ (machacas), keine erstklassigen Gesellen. Das Ungleichgewicht liegt nicht in der Nachfrage, sondern in der leeren Mittelstufe des Ausbildungssystems.

Die andere Seite des Ladentischs bestätigt dies unfreiwillig. Laut den Erzählungen im Thread bewarben sich rund 200 Kandidaten auf eine Stelle für einen spezialisierten Verkaufsberater im Sanitärbereich, doch keiner wusste, was eine Gewindeverbindung oder ein Dübel ist. Das heißt: Es mangelt nicht an Bewerbern, sondern an qualifizierten Bewerbern. Die Filter der Jobbörsen erlauben es jedem, sich mit minimalen Profilübereinstimmungen zu registrieren. Das Ergebnis ist ein Trichter, in den viele Lebensläufe fließen, aus dem aber kaum echtes Handwerk herauskommt.

Warum verlangt ein Installateur 100 Euro für den Austausch eines Wasserhahns in 15 Minuten?

Weil der Preis nicht die 15 Minuten bezahlt, sondern die Struktur. Wer selbstständig arbeitet, trägt die Sozialversicherungsbeiträge (cuota de autónomos), eine Betriebshaftpflichtversicherung, einen Steuerberater, der die Buchhaltung führt – man geht davon aus, dass ein Elektriker dies allein nicht kann –, die Mehrwertsteuer und perspektivisch elektronische Rechnungen, digitale Signaturen, Erklärungen zur Verantwortung, Lohnabrechnungen für Mitarbeiter und Fortbildungskurse. Es ist ein ständiges „Münzeinwerfen“, zusammengefasst von einem Brancheninsider mit einem Satz, der keinen Widerspruch duldet: Selbstständig werden bedeutet, eine Unsumme Geld zu zahlen, ohne zu wissen, wie es ausgeht.

Mit diesem Rucksack führen Anfahrt, Ersatzteil und eine Stunde Transport dazu, dass 50 Euro für eine Reparatur ein Verlustgeschäft sind. Die Debatte über Wucherpreise löst sich auf, wenn man sie mit der Alternative eines Angestelltenverhältnisses vergleicht. Um nichts oder fast nichts zu tun, erhalten manche laut den kursierenden Berechnungen 1.300 Euro monatlich, manchmal mit zwei Sonderzahlungen und 35 Wochenstunden: Regalbetreuer, Verkäufer, Hausmeister, Wachpersonal. Warum sollte man sich das Leben schwer machen, wenn Lehrlinge oder Helfer noch weniger verdienen?

Der Kampf um die 2.200 Euro

Ein erfahrener Mechaniker nennt seinen Preis und bleibt dabei. Die Werkstatt, die ihn einstellen möchte, weiß genau: Wenn der Nachbar hundert Euro mehr bietet, geht der Fachmann und lässt sie wieder im Stich. Es ist die klassische Falle des Handwerks: Wer bereits ausgebildet ist, verhandelt aus einer Position der Stärke; wer es nicht ist, findet niemanden, der ihn lehrt. Und währenddessen stellt sich die unbequeme Frage: Wenn wirklich so viele Leute fehlten, würden die Gehälter viel schneller steigen, als sie es tun. Manche argumentieren, der Mangel bestehe an Qualifizierten, nicht an Händen, weshalb die Lohnanpassung nie die Basis erreicht.

Das verlorene Jahrzehnt und die fehlende Ausbildungsnachfolge

Zwischen 2008 und 2016, fast zehn Jahre lang, verschwand der Bausektor und mit ihm die Handwerksberufe, die ihn ernährten. Maurer, Schalungsbauer, Stuckateure, Tischler, Elektriker, Installateure und Maler wurden arbeitslos, und zwar nicht nur für ein oder zwei Geschäftsjahre. Die erfahrenen Gesellen wechselten den Beruf, wanderten ab oder verschwanden vom Markt; die Lehrlinge blieben ohne Meister. Danach folgte eine schmale Bevölkerungspyramide und eine Geburtenrate, die den Bedarf keineswegs deckt. Niemand bildete die Nachfolge aus, weil es keine Baustellen gab, auf denen man hätte lernen können.

Über die Art der Ausbildung herrscht ein offener Konflikt. Eine Strömung vertritt, dass man dies durch praktische Arbeit lernt, nicht in anderthalbjährigen Modulen, und fordert, dass Unternehmen ihre Funktion als Ausbilder wieder übernehmen – natürlich gegen Entgelt –, mit Treue zwischen Werkstatt und Mitarbeiter. Eine andere Gruppe stellt einfach fest, dass ohne Unternehmen, die ausbilden, die reguläre Berufsausbildung der einzige verbleibende Kanal ist, der jedoch nur mäßig funktioniert.

Barcelona, Bußgelder und Bürokratie vertreiben das Handwerk

Es gibt einen städtischen Faktor, der in Statistiken kaum vorkommt. Professionelle Handwerker, die Versicherungen bedienen, meiden Barcelona zunehmend: Staus, Bußgelder, die Unmöglichkeit, den Transporter zu parken, und Zeitverluste, die nicht berechnet werden konnten, führten dazu, dass sie bei jedem Einsatz Geld verloren. Es ist keine Faulheit, sondern Arithmetik. Addiert man den Pfusch (intrusismo) – Leute ohne Zulassung, die mit Dumpingpreisen konkurrieren –, die Umweltzonen und die technischen Regulierungen für Installationen, ergibt sich ein Bild, in dem ein qualifizierter Fachmann immer seltener bereit ist, in bestimmten Zonen anzurufen.

Prestige, Migranten und die unbequeme Frage

Das kulturelle Argument ist alt und hält nicht stand: Das Handwerk bringt kein Prestige, es ist nicht „sens“, sich die Hände schmutzig zu machen. Stimmt, aber niemandem schmeckt ein Gehalt von 2.200 Euro am Monatsende bitter. Ein anderer Teil der Analyse besagt, dass die Zuwanderung von Arbeitskräften aus Drittländern genutzt wird, um die Löhne in weniger qualifizierten Stellen niedrig zu halten, und warnt davor, dass auch Neuankömmlinge nicht bereit sind, unbegrenzt Bedingungen hinzunehmen, die hierzulande niemand mehr akzeptiert.

Bleibt die Frage, die keine Seite vollständig beantwortet: Wenn man das Handwerk durch Arbeit lernt, wo ist dann die Werkstatt, in der man lernt, wer zahlt die Rechnung solange, und wie viel Geduld hat der Kunde, der auf den Installateur wartet?

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (269 Antworten).

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