Grönland: Trumps 50-Milliarden-Dollar-Kaufplan

Trump fragte Berater, ob die USA Grönland kaufen können. Die dänische Insel mit Seltenerd-Rohstoffen und Öl ist nicht zu verkaufen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Grönland: Trumps 50-Milliarden-Dollar-Kaufplan
Grönland: Die Insel, deren Kauf Trump erwägt

Kann man ein ganzes Land kaufen? Die Frage klingt wie ein Witz beim Abendessen, aber sie liegt nun auf dem Tisch der Berater im Weißen Haus. Laut Berichten des The Wall Street Journal hat Donald Trump sein Team wiederholt gefragt, ob der Kauf Grönlands eine gute Idee wäre und ob es einen Weg dazu gäbe. Die größte Insel der Welt hat rund 50.000 Einwohner, gehört zu Dänemark und steht nicht zum Verkauf. Keine dieser Tatsachen hat das Thema jedoch gestoppt.

Das Interesse hat geografische Logik: Grönland ist auf der Karte Amerika zugeordnet, nicht Europa. Es liegt direkt neben Kanada, nahe Island und in Reichweite der Schifffahrtsrouten, die durch das Abschmelzen der Arktis entstehen. Dass Washington nach Norden schaut, ist nichts Neues. Neu sind die Hartnäckigkeit, der Tonfall und der diplomatische Lärm, den dies bei einem NATO-Verbündeten erzeugt.

Warum die USA Grönland wollen

Unter dem Eis liegen Seltene Erden und Öl, und die globale Erwärmung legt Lagerstätten frei, die bis vor Kurzem unerreichbar waren. Die US-Behörde für Eisüberwachung, NSIDC, dokumentiert jede Saison, wie die Oberfläche der Insel abschmilzt. Weniger Eis bedeutet mehr Zugang, und mehr Zugang bedeutet, dass jemand dort Fuß fassen will, bevor andere es tun.

Es gibt einen zweiten, kälteren Grund: die Kontrolle über die Arktis. Russland agitiert seit Jahren, und in der Debatte wird China als Hauptbedrohung für die Versorgung mit Seltenen Erden genannt. Das am häufigsten wiederholte Argument ist genau dieses: Wenn Peking die Lieferung stoppt, leiden die US-Tech- und Rüstungsindustrie schwer. In diesem Narrativ wäre Grönland eine Vollkasko-Versicherung.

Und eine dritte, weniger offenbare Ebene. Die Luftwaffenbasis Thule, heute die einzige militärische Einrichtung der USA auf der Insel, operiert mit dänischer Genehmigung und nicht kostenlos. Der Kauf des Bodens würde aus einem Mieter einen Eigentümer machen. Die Frage ist, ob der aktuelle Eigentümer verkaufen will. Er will nicht.

50.000 Einwohner und eine Unabhängigkeit, die lange auf dem Tisch liegt

Grönland ist keine klassische Kolonie: Es hat seit 2009 Selbstverwaltung, wählt Vertreter ins dänische Parlament, und die Staatsoberhauptfunktion liegt bei der Monarchie in Kopenhagen, vertreten auf der Insel durch einen Hochkommissar. Es ist auch kein unabhängiges Land. Es lebt von den jährlichen Zuschüssen Dänemarks, was langfristig Gewicht hat.

Die kursierende Rechnung ist einfach zu formulieren, aber schwer zu verdauen: Wenn tatsächlich mehr als 60 % der Bevölkerung die Unabhängigkeit wollen und es 50.000 Einwohner gibt, würde eine Zahlung von einer Million Dollar pro Kopf etwa 50 Milliarden Dollar kosten. Für den US-Bundeshaushalt ist das keine schockierende Zahl. Für einen territorialen Kauf eines souveränen Gebiets ist es absurd. Das optimistische Szenario geht davon aus, dass Geld das Problem der Lebensqualität lösen würde, das derzeit durch dänische Hilfen gedeckt wird. Das pessimistische Szenario erinnert daran, dass man ein Referendum nicht mit einem Scheck kaufen kann.

Man sollte den Wunsch nach Unabhängigkeit vom Wunsch trennen, Amerikaner zu werden. Die zitierten Daten deuten auf eine Mehrheit hin, die mit Kopenhagen brechen will, nicht den Besitzer wechseln möchte. Der Unterschied ist wichtig: Ein Land sein zu wollen ist etwas anderes, als der 51. Bundesstaat zu werden. Und es fehlt ein Detail, das fast alle Analysen überspringen: Dänemark respektiert formal das Recht der Insel auf Selbstbestimmung, also kann Kopenhagen nicht verkaufen, was ihm nicht vollständig gehört.

Dänemark, die NATO und Artikel 5

Dänemark ist NATO-Mitglied und Grönland Teil des Königreichs. Würde ein Drittland die Insel angreifen, würde Artikel 5 ausgelöst und alle Verbündeten wären zur Reaktion verpflichtet, einschließlich Spanien. So steht es im Vertrag. Ähnliches gilt nicht für Ceuta und Melilla, woraus sich die Vergleichsbasis in der Debatte ergibt.

Die Paradoxie besteht darin, dass die USA nichts invadieren müssen: Sie sind bereits drin. Ihre militärische Präsenz auf der Insel basiert auf einem Abkommen mit Dänemark, inklusive Gegenleistungen. Das Problem ist nicht militärisch, sondern betrifft die Souveränität. Und Souveränität lässt sich nicht mit einer Private-Equity-Transaktion lösen, egal wie gut der Präsident Dinge kauft.

Die Jungferninseln, das fast vergessene Präzedenzfall

Hier ein historischer Hinweis mit Humor: Dänemark verkaufte die Jungferninseln an die USA im Jahr 1917. Dieselben Inseln, die heute US-Territorium sind, waren bis vor etwas mehr als einem Jahrhundert dänisch. Dies ist der oft zitierte Präzedenzfall und zugleich die Warnung: Es geschah mit Vereinbarung und Preis. Nichts zu tun mit einer unilateralen Operation.

Der Scherz, der keiner ist: T-Shirts, Karten und Island

Was sich im Vergleich zu 2019 geändert hat, als das Thema fast als Exzentrik abgetan wurde, ist der Kontext. Das republikanische Komitee für den Kongress verkauft ein T-Shirt mit dem Slogan Got Greenland? und zeigt die Insel als Teil der USA. Die Antwort ließ nicht auf sich warten: Grönländische Bürger erinnerten daran, dass ihr Land nicht zum Verkauf stehe und der Scherz sie beleidige. Manche lesen es als billige Propaganda, andere als Testballon.

Und dann ist da die Karte. Ein Bild, das angeblich vom Präsidenten stammt, zeigt Kanada, Grönland und Venezuela als US-Territorien. Parallel dazu hat die isländische Premierministerin einen offiziellen Besuch wegen „vorheriger Verpflichtungen“ abgesagt. Kleine Details, alle in dieselbe Richtung weisend. Niemand bewegt so viele Figuren nur zur Unterhaltung.

Am Ende lautet die Frage nicht, ob Dänemark verkauft. Sondern ob jemand mit Geld und Eile erkannt hat, dass das Eis schneller schmilzt als die Verhandlungen, und Kasse machen will, bevor das Geschäft wirklich teuer wird.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (178 Antworten).

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