Gratis in Spanien: von altbackenem Brot bis zur öffentlichen Bibliothek

Bibliotheken, Pilzsammeln, Angeln mit billiger Schnur und gebrauchte Fahrräder: ein Inventar dessen, was kein direktes Geld kostet – samt steuerlichem Kleingedrucktem.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Gratis in Spanien: von altbackenem Brot bis zur öffentlichen Bibliothek
Der Katalog des Gratis-Angebots: Bibliotheken, Pilze und altbackenes Brot

Eine öffentliche Bibliothek, eine Angel aus einer Plastikflasche und 100 Metern billiger Schnur, ein Waldspaziergang auf Pilzsuche. Die Liste der Dinge, die kein direktes Geld kosten, ist länger, als man denkt, und jemand hat sich die Mühe gemacht, sie mit aufgeschlüsselten Preisen zu inventarisieren. Vorab eine Klarstellung, die man festhalten sollte: Gratis bedeutet hier, dass für den Nutzer kein direkter Geldbetrag anfällt. Bibliotheken werden zwar über Steuern finanziert, aber man zahlt genauso viel, ob man hingehen oder nicht.

In diesem Rahmen beginnt das Inventar mit Sport —Gehen, Laufen, Schwimmen im Meer oder Fluss, Calisthenics— und geht dann zur Kultur über. Dort zeigt sich die Goldgrube: alle Bücher der öffentlichen Bibliotheken, jede Weiterbildung, die man will, mit Internet und etwas Englisch, und das gesamte Angebot an Musik, Film und Lesestoff, das man auftreiben kann. Auch die Ernährung bekommt ihren Platz, mit einem Detail, das man genau lesen sollte.

Angeln für unter 10 Euro: die Einkaufsliste

Die Aufschlüsselung des Handangelns ist das Nächste an einer Tabellenkalkulation, was das ganze Material zu bieten hat. 100 Meter billige Schnur für 2 Euro. Eine Plastikflasche zum Aufwickeln, gratis wenn man eine recycelt, oder Plastikringe für 3 Euro, wenn man es luxuriös mag. Drillingshaken und Schwimmer, 4 Euro. Und der Köder: altes Brot, das man beim Bäcker erbittet und meist gratis bekommt. Insgesamt: weniger als ein Zehntel des Preises eines Kinotickets.

Das Problem: Angeln ist nicht so gratis, wie es aussieht. Der Fischereischein der dritten Klasse, der für das Angeln von der Küste nötig ist, kostet laut den angeführten Daten etwa 15 Euro und gilt drei Jahre. Wer ohne ihn angelt, dem wird die Rute konfisziert, und es droht ein Bußgeld, das in einer bestimmten spanischen Region bei 60 Euro liegt. Und es kommt schlimmer: Das Sammeln von Krabben, Strandwürmern oder Napfschnecken als Köder außerhalb der Saison kann eine Strafe von 300 Euro nach sich ziehen. Das Kleingedruckte des Gratis-Angebots holt einen immer ein.

Das Fahrrad: das Fortbewegungsmittel ohne Treibstoff

Das Fahrrad ist das perfekte Beispiel für etwas, das nicht gratis ist, aber aufhört zu kosten. Hat man es einmal, verbraucht es keinen Treibstoff und bewältigt lange Strecken. Der Gebrauchtmarkt bestätigt es: Ein altes Mountainbike wurde für 25 Euro verkauft und war nach zehn Minuten aus dem Inserat verschwunden. Manche behaupten, es reiche, ein Schild aufzustellen und um alte Fahrräder zu bitten, weil die Leute sie verschenken, wenn sie sie nicht mehr brauchen.

Die Kehrseite sind die Preise für neue Räder. Eine Analyse, die kursiert, fragt, wie es sein kann, dass ein gewöhnliches Fahrrad so viel kostet wie ein 125er Motorrad oder ein Gebrauchtwagen. Der Vergleich ist nicht trivial: Wenn das motorlose Zweirad zum Luxusgut geworden ist, hat das Narrativ von der billigen Mobilität ein Loch.

Freizeit, die an keiner Kasse vorbeikommt

Das kostenlose Freizeitangebot hat seine eigene Liste: Sonne tanken, Schach oder Karten spielen, sich mit Freunden und Familie im Park treffen, öffentliche Konzerte, Wandern, ländliche Kirchen und Kapellen, Vogelbeobachtung und Gespräche mit den Alten auf der Parkbank. Schach verdient eine eigene Erwähnung: Man kann gratis auf Online-Plattformen spielen, mit Videos lernen und ein Brett für 3 bis 10 Euro im Laden um die Ecke kaufen. Zehntausende Stunden Spaß für den Preis eines Kaffees.

Manche treiben den Sport ins sparsamste Extrem: Liegestütze zu Hause, alte Hanteln aus dem Schrankgrund, Routinen zum Muskelerhalt ohne Fitnessstudio. Andere wiederverwenden Briefumschläge, einseitig beschriebenes Papier und Kartonverpackungen. Die Reparatur von Haushaltsgeräten erweist sich als lohnendes Hobby: Wer Werkzeug hat und Ersatzteile aufbewahrt hat, kommt an den Punkt, an dem die Ersatzteile gratis sind. Ein Turmventilator aus dem Müll wurde repariert, indem man den Einschaltknopf überbrückte.

Das Handy als Bibliothek von Alexandria

Das am häufigsten wiederholte Argument ist das des Wissens. Das gesamte Wissen der Menschheit passt in ein Taschengerät, vorausgesetzt es gibt Internet, ein Endgerät und minimale Suchkünste. Der Ertrag, so das Argument, sei unendlich, wenn man damit umzugehen wisse. Und etwas fällt auf: Den meisten Leuten scheint das nicht klar gewesen zu sein.

Die Liste geht weiter mit Dingen, die nichts kosten und nicht immer geschätzt werden: ein Nickerchen machen, Wolken beobachten, Steine werfen, Origami mit jedem Papierfetzen, Eröffnungsfeiern von Geschäften, kostenlose Museen und Zoos in manchen Städten, im Auto schlafen, wo immer es einem gefällt. Auch das Durchsuchen von Containern zum Weiterverkauf auf Gebrauchtplattformen taucht auf, ebenso wie Emulatoren, um Klassiker zu spielen.

Die Gratis-Falle: Steuern, Lizenzen und Kleingedrucktes

Der stärkste Einwand lautet, dass nichts wirklich gratis ist. Gehen führt über Straßen, die jemand bezahlt hat; Laufen ebenso; Schwimmen nutzt Strände und Flüsse, die jemand unterhält; Calisthenics erfordert Essen, und Essen kostet Geld. Bibliotheken werden über Steuern finanziert, und Internetzugang braucht ein Endgerät und eine Verbindung. Hinter öffentlichen Konzerten stehen Künstler und Logistik. Das Fazit dieser Denkrichtung: Gratis ist eine buchhalterische Illusion — jemand zahlt, auch wenn du es in dem Moment nicht bist.

Der andere Einwand ist unbequemer: Wenn etwas kein Geld kostet, bist du das Produkt. Er taucht bei Apps und Diensten auf, die kostenlos angeboten und über Daten finanziert werden. Und manche erinnern daran, dass heute Gratises morgen kostenpflichtig werden kann: Die Liste der Dinge, die plötzlich Zahlung oder Lizenz erfordern, ist lang, und der Trend stimmt nicht optimistisch.

Das Detail, das aus der Bahn wirft, liegt nicht in der Liste der Gratis-Dinge, sondern in ihrem Kleingedruckten. Angeln mit 100 Metern billiger Schnur kostet 2 Euro, aber das Bußgeld ohne Lizenz oder außerhalb der Saison kann diese Zahl mit 150 multiplizieren. In Spanien kommt das Gratis fast immer mit einem Amtsblatt daher.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (99 Antworten).

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