Wenn Gott Brot verteilt und niemand Zähne hat
Der Satz ist keine Klage: Er ist eine Diagnose. "Gott gibt Brot denen, die keine Zähne haben" spiegelt eines der unangenehmsten Paradoxa des Lebens wider: Ressourcen und Chancen landen bei denen, die sie nicht nutzen können oder wollen, während die, die sie brauchen, mit leerem Mund warten.
Das Sprichwort ist nicht neu, doch jede Epoche findet ihr eigenes Beispiel. In dem Gespräch, das diesen Text auslöste, bezog sich jemand auf die weibliche Hypergamie, die soziale Theorie, wonach die Suche nach einem Partner mit höherem Status zu wachsender Frustration führt. Es ist eine umstrittene und vielfach angefochtene Hypothese, aber sie veranschaulicht die Logik von Brot ohne Zähne perfekt: Man begehrt, was man nicht kauen kann.
Auch die Nostalgie der 90er Jahre passt hierher. Die Eltern von damals riefen: "Iss dein Gemüse, in Afrika würden sie sich sowas wünschen." Jahrzehnte später kommt diese Rhetorik leer an: Das Argument überzeugt nicht mehr, und wer es wiederholt, geht ohne Substanz aus. Das Gesetz gilt selbst über die Sprache.
- Hypergamie als Beispiel für das Gesetz, mit all ihren Kritikpunkten.
- Die 90er-Generation und der Verschleiß der Mangel-Rhetorik.
Die Frage ist, ob dies ein Naturgesetz oder eine Verzerrung ist. Wer an das Gesetz glaubt, sieht ein objektives Muster; wer es bestreitet, eine mentale Falle zur Erklärung von Misserfolgen. Die Beweislage ist unentschieden.
Und wenn diese Trägheit anhält, wird das Brot weiter dorthin fallen, wo keine Zähne sind. Oder vielleicht ändert sich diesmal etwas. Schließlich schont das Gesetz niemanden.