Gold nährt niemanden, wenn das System zusammenbricht
Ein paar Münzen, versteckt in einer Türrahm, retteten eine Familie während des Spanischen Bürgerkriegs vor dem Verhungern. Ihre Nachfahren berichten nüchtern: Mit Metall kam man auf den Schwarzmarkt; mit Papier-Pesetas gab es nicht einmal Kartoffeln. Heute notiert dieses Metall auf historischen Höchstständen und wird als Schutzschild gegen jede Katastrophe verkauft. Die entscheidende Frage lautet jedoch: Wozu dient physisches Gold, wenn es nichts mehr zu kaufen gibt?
Schützt Gold bei einem Kollaps oder nur bei wirtschaftlichen Dellen?
Der Ausgangspunkt ist eine Liste möglicher Endszenarien: ein klimatischer, gesundheitlicher oder technologischer Apokalypse; ein Weltkrieg; ein gesellschaftlicher Zusammenbruch; ein Öl-Crash ohne geordnete Transition. In all diesen Szenarien, so argumentieren Kritiker, bringt der Wechsel von einem Fiat-System basierend auf buntem Papier zu einem Horten von Metallklumpen exakt null realen energetischen Wert. Die meisten Verteidiger des Metalls denken laut dieser These nicht an einen langen Kollaps, sondern an eine Übergangsphase mit gewisser Ordnung und Regierung: das Mad Max des ersten Films, nicht die spätere Wüste.
Die grundlegende Skepsis besteht darin, dass Gold eher innerhalb des Status quo funktioniert als außerhalb davon. Wer es kauft, setzt implizit darauf, dass das System hält; wer wirklich an einen totalen Zusammenbruch glaubt, hätte wenig Sinn darin, eine Unze im Hosentasche zu tragen.
Die spanische Erfahrung: Wertlose Pesetas und Ringe, die Speck kauften
Das häufigste Gegenargument ist nicht theoretisch, sondern familiär. Es gab eine jüngere Vergangenheit, in der Gold und Silber in Spanien Essen kauften. Im republikanischen Madrid überlebten Familien dank zweihundert Sovereigns, die im Türrahmen versteckt waren: Schwarzmarktwaren wurden in Metall bezahlt, weil die Papier-Pesetas wertlos waren.
Die Nachkriegszeit folgte demselben Muster. Wer Münzen oder Schmuck hatte, entkam der Not; wer nur Scheine besaß, nicht. So sehr, dass die erste Franco-Regierung am 20. Januar 1939 ein Gesetz erließ, das allen Silbermünzen ihre Gültigkeit entzog und ihre sofortige Ablieferung unter Androhung strafrechtlicher Verfolgung anordnete. Die Menschen hatten bereits gelernt, dem Metall zu vertrauen, nicht dem Papier. Eine weitere Familiengeschichte beschreibt eine Großmutter, die mit einem kleinen Ring zum Schwarzmarkt ging und mit Kartoffeln und Speck zurückkehrte, während die Nachbarinnen neidisch zusahen.
Wasser, Essen und ein goldener Zahn: Gold isst man nicht
Hier liegt der Kern der gegenteiligen These. Gold hat keinen intrinsischen Wert: Bei einem vollen Kollaps sind Wasser und jegliche Nahrungsmittel mehr wert. Wer behauptet, Münzen gegen Essen tauschen zu können, hat die Situation missverstanden. Und in einem Szenario echten Bruchs ist das Tragen von Gold eher ein Problem als ein Vorteil: Der Typ mit Metall in einer gesetzlosen Welt ist wie ein Land mit Ressourcen und ohne Armee – ein Magnet für Übeltäter.
In der Praxis ähnelt die erste Phase eines Kollapses kaum einem Film. Die städtische Mehrheit bleibt ohne Strom und fließendes Wasser zu Hause; eine Minderheit mit Familie auf dem Land und einer Schrotflinte versucht zu fliehen; das Militär riegelt Straßen ab, und Gold reicht nicht, um jeden zu bestechen. In dieser Phase dient das Metall bestenfalls dazu, sich einen neuen Zahn leisten zu können.
Gold ist für nach der Katastrophe, nicht für die Katastrophe
Eine mittlere Strömung unterscheidet zwei Phasen. Während der Unruhen gilt es, geduckt zu warten; Metall ist für diesen Moment nicht gedacht. Es ist für die Zeit danach, wenn sich die Lage stabilisiert, alle ärmer sind, aber keine Unruhen herrschen, und wer Gold behalten hat, seinen Kaufwert weitgehend erhält. Nicht kurzfristig, nicht extrem langfristig: Seine Funktion ist es, aufzutauchen, wenn es schlecht läuft, wann immer das sein mag.
Ein Detail verkompliziert die Erzählung vom rein lokalen Kollaps. Der Goldpreis ist global, nicht lokal. Man kann ein Land wie Venezuela haben, das in Trümmern liegt, wo das Metall weiterhin zum internationalen Kurs notiert und man es an ausländische Zwischenhändler verkaufen kann. Selbst wer nicht an einen totalen Kollaps glaubt, räumt ein, dass man in jedem Szenario, das kein Weltuntergang ist, mit Gold besser lebt als ohne.
Wolfram, Blei und Waagen: Das Fälschungsproblem
Bei nächtlichem Tausch im Dunkeln kann man sich nicht nur auf den Glanz verlassen. Der Einwand ist berechtigt: Imitationen existieren, Legierungen werden verwendet, und ganze Serien befassen sich mit gefälschten Münzen. Die technische Antwort ist jedoch schlagend: Gold und Blei stehen im selben Periodensystem, und seit Archimedes ist das Prinzip der Dichte bekannt. Ein Messschieber und eine billige Präzisionswaage messen und wiegen gleich, ob mit Licht oder ohne, bei jedem Wetter.
Sorgfältige Händler ergänzen, dass klassische Anlage-Münzen – Sovereigns, Krügerrands, Napoleon-Dor – beim Anschlagen klingen und schwer mit Kupfer-Wolfram-Legierungen zu reproduzieren sind. Eine andere praktische Option: Silber für kleine Transaktionen und dünne Münzen, die mit Zangen zerteilt werden können, auch wenn dabei etwas Staub verloren geht.
Wer zieht die Fäden: BRICS, China und Sibiriens Minen
Das Metall ist nicht nur eine Obsession privater Anleger. Laut geteilten Daten unterzeichneten die China National Gold Company und JSC West Keys die Dokumente für das Entwicklungsprojekt der Goldlagerstätte Klyuchevskoye in Sibirien, mit Millioneninvestitionen chinesischer und indischer Unternehmen, in einer Meldung vom 24. September 2018, veröffentlicht von Russia Briefing. Die Aktivitäten der BRICS-Staaten und das Bestreben der Zentralbanken, Metall anzuhäufen, stützen die Idee, dass, wenn etwas sinkt, es nicht das Gold sein wird.
Die skeptische Lesart ist das Gegenteil: Nichts ist systemfreundlicher als Gold. Pilingui nutzt es als Schild, Banken lagern es in hochgesicherten Bunkern, und genau deshalb ist unklar, ob es die Kaufkraft eines Privatanlegers schützt, wenn die der ganzen Welt gleichzeitig kollabiert.
Mit Gold auf Höchstständen und steigenden geopolitischen Spannungen koexistieren beide Thesen ungeklärt: Finanzieller Schutzschild versus nutzloses Relikt in einer marktlosen Welt. Die eigentliche Frage ist nicht, ob Gold den Kollaps überlebt, sondern ob jemand bereit ist, ein Kilo Metall gegen ein Kilo Essen zu tauschen. Und diese Frage hat heute noch niemand beantwortet.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
Die ganze Diskussion lesen (171 Antworten).