Gesuchter Spanier rekrutiert Soldaten und Spione für Russland

Bericht beziffert 350.000 Abonnements des prorussischen Netzwerks unter Leitung eines geflohenen Professors und warnt vor Kontofarm in Vietnam vor Wahl am 29. November.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Ein spanischer Professor, der von der Audiencia Nacional gesucht wird, rekrutiert aus Russland Bürger zum Kampf in der russischen Armee, zu Cyberangriffen gegen Kryptowährungen oder zur Weitergabe von Daten über Beamte. Ein Bericht warnt zudem vor einer Seitenfarm in Vietnam, die sich als spanisch ausgibt, um die Wahlen am 29. November zu beeinflussen.

Da ist ein spanischer Professor, den die Audiencia Nacional wegen Sabotage mit terroristischem Hintergrund sucht und der sich aus Russland mit etwas viel weniger Akademischem beschäftigt: Rekrutierung. Soldaten für die russische Armee, bezahlte Cyber-Angreifer in Kryptowährung und Mitarbeiter, die bereit sind, vertrauliche Informationen über spanische Beamte und Unternehmer weiterzugeben. Das Bild ergibt sich aus einer Studie von **Golden Owl**, einem Startup im Wissenschaftspark der Universität Alicante, das auf Open-Source-Intelligence spezialisiert ist. Es hat zwischen dem 20. August und dem 5. November **54.737 Elemente** gesammelt und **10.773 Social-Media-Konten** kartografiert sowie 528 Dokumente aus dem Dark Web überprüft.

Der Mann ist **Enrique Arias Gil**, ein 38-jähriger Madrilenen, der sich als Politikwissenschaftler der Complutense und Doktor der internationalen Sicherheit am Instituto Gutiérrez Mellado ausgibt. Sein offizieller Lebenslauf enthält auch das Etikett "Exilierter und Flüchtling in der Russischen Föderation". Im September 2025 nahm Europol ihn auf seine Liste der meistgesuchten Personen auf wegen seiner Verbindung zur Hackergruppe **NoName057(16)**. Die Policía Nacional schreibt ihm einen Bericht mit persönlichen Daten von fast **2.000** Polizisten, Guardia-Civil-Angehörigen, Militärs und CNI-Agenten zu.

## Vom Soldaten zum Cyber-Freiwilligen: So sieht das Angebot aus

Der Telegram-Kanal, den er betreibt, mit über **14.500 Abonnenten**, hat in den letzten Wochen neun Nachrichten veröffentlicht, die zum Eintritt in die russische Armee aufrufen. Das Angebot: ein Gehalt von **2.500 bis 3.000 US-Dollar pro Monat** (zwischen 2.240 und 2.690 Euro) und eine Prämie von **25.000 Dollar** (ca. 22.400 Euro) bei Vertragsunterzeichnung. Flugticket und Visum inklusive. Er sucht Bewerber zwischen 18 und 50 Jahren, bevorzugt mit Militär- oder Sicherheitsdienst-Erfahrung, und bietet die Möglichkeit, die russische Staatsbürgerschaft zu erhalten.

Zwischen dem 21. Oktober und dem 3. November veröffentlichte er drei Nachrichten, die Bürger und Beamte auffordern, mit der Russischen Föderation zusammenzuarbeiten, indem sie vertrauliche Informationen und persönliche Daten von Beamten und Unternehmern liefern. Am 26. Oktober kam die Einladung, "Cyber-Freiwilliger, bezahlt in Kryptowährung" zu werden und sich den "besten russischen Hackern" im sogenannten Projekt **Ddosia** anzuschließen, präsentiert als Cyberangriff und -sabotage gegen den "kollektiven Westen" gegen Belohnungen. Alle drei Beiträge verweisen auf dieselbe Kontaktadresse.

Der Kanal rekrutiert nicht nur. Er verbreitet auch Identitäten von Mitgliedern der Streitkräfte und Sicherheitsorgane. Am 29. Oktober veröffentlichte er Name, Foto und Werdegang eines aktiven Unteroffiziers der spanischen Armee. Er schüchtert auch Gegner des Kremls ein und übersetzt die Forderungen russischer Cyber-Piraten ins Spanische, einschließlich Beweisen ihrer Angriffe.

## Netzwerk von Kanälen mit 350.000 Abonnements

Der Bericht mit dem Titel *Das unsichtbare Arsenal: Hybride Bedrohungen für die spanischen Wahlen 2026 und die nationale Sicherheit* stellt Arias Gil an die Spitze des zentralen Knotens eines Telegram-Kanalnetzwerks, das Inhalte aus offiziellen russischen Quellen wie **Sputnik**, der Agentur **Tass** oder dem Propagandakanal **Rybar** sowie kremlnahen Bloggern auf Spanisch verteilt. Diese Kanäle veröffentlichen synchron oder replizieren sich gegenseitig. Zusammen kommen sie auf **350.000 Abonnements** und **8,5 Millionen Aufrufe** in 16 Tagen.

Unter den genährten Narrativen ist die Theorie, dass Israels, die USA, Marokko und die NATO die Hauptbedrohungen für Spanien seien, oder die Idee, dass Spanien Ziel von Angriffen sei, weil es die Ukraine bewaffnet. Die Maschinerie ist schnell: Nur **36 Minuten** nach dem Unfall in **Urda (Toledo)** begann das Netzwerk, das Gerücht zu verbreiten, die Katastrophe sei das Ergebnis von Sabotage gewesen, gestützt auf falsche Konten, die sich als Eisenbahnunternehmen oder Medien ausgaben.

## Die vietnamesische Farm, die sich als spanisch ausgibt

Außerhalb des russischen Einflussbereichs haben Ermittler eine Facebook-Seitenfarm auf Spanisch entdeckt, die von **Vietnam** aus verwaltet wird und sich als spanisch präsentiert. Sie versammelt etwa **270.000 Trinc**, insbesondere Menschen ab 65 Jahren. Zur Verstärkung ihrer Reichweite haben sie bezahltes Publikum über Bürger mit vietnamesischen Namen gekauft. Ab dem 27. Oktober legten sie harmlose Inhalte beiseite und begannen, erfundene Wahlgeschichten mit künstlicher Intelligenz zu veröffentlichen, mit antiregierunglicher und sarracinophober Schlagseite.

Die vietnamesische Farm mit acht Seiten ist die größte, aber nicht die einzige. Es gibt Kanäle in Sri Lanka, Indonesien, Pakistan oder Argentinien, die sich als spanisch ausgeben. Eine Gruppe von **25 verbundenen Konten**, die aus den USA, Frankreich und Deutschland posteten, generierte **1,39 Millionen Abrufe** mit identischen Tags im Zusammenhang mit der Krise in Ceuta.

Der Bericht beschreibt auch die Übertragung der Erzählung über angeblichen Wahlbetrug in Brasilien nach Spanien. Gestartet in Lateinamerika von rechtsgerichteten Websites wie **La derecha Diario** oder **UHN Plus**, verbunden mit dem Unternehmer Javier zaine, wurde sie in weniger als einer halben Stunde spanifiziert. Das Ziel: Misstrauen gegenüber dem Wahlsystem vor dem 29. November erzeugen. Vier verschiedene Konten verbreiteten denselben Textblock in derselben Reihenfolge mit nur **neun Sekunden** Unterschied, was Analysten als eine Zelle identifizieren, die aus einem gemeinsamen Skript veröffentlicht. Die Idee wird durch KI-generierte Bilder verstärkt, wie das eines Postbeamten, der Stimmzettel schreddert.

## Der 29. November und Briefwahl als Ziel

Die Botschaft, die in allen analysierten Strukturen konvergiert, hat drei Varianten: Wählen Sie nicht per Brief, das Wählerverzeichnis ist manipuliert, sie werden das Ergebnis stehlen. Der Diskurs ist nationalen Ursprungs, betonen die Autoren, aber ausländische Netzwerke tragen zur Amplifikation bei. Das erklärte Ziel ist es, jedes Ergebnis, das von einer Umfrage von **El Mundo** abweicht – die PP und Vox eine absolute Mehrheit gab –, auf angeblichen Betrug bei der Briefwahl zurückzuführen.

Die Autoren warnen, dass ein angefochtenes Ergebnis am 29. November auf ein Informationsumfeld treffen würde, in dem nationale und ausländische Sektoren die Ablehnung vorbereitet haben, mit Lautsprechern, die bereit sind, sie zu füttern. Im Dark Web stehen mehr als **13 Millionen Datensätze** spanischer Bürger und **113.000 Kombinationen** aus E-Mail und Passwort aus früheren Hacks zum Verkauf, nützlich zur Identitätsfälschung in Desinformationskampagnen.

Forscher betonen, dass nicht alle Aktivitäten im Bericht Teil derselben Operation sind, aber sie zeigen die Vielfalt der Methoden und Akteure, die das politische Umfeld Spaniens beeinflussen können. Die unmittelbare Sorge geht, wie sie warnen, über die bereits dokumentierte Manipulation hinaus: Es gibt konsolidierte Netzwerke und Narrative, die in der Lage sind, die Frist für die Briefwahl, die Wahlnacht und die für den nächsten Tag geplante Mobilisierung auszunutzen. Diese Erkenntnisse sollten mit der Vorsicht behandelt werden, die für einen Open-Source-Intelligence-Bericht typisch ist, und bei kompromittierten persönlichen Daten sollten offizielle Kanäle genutzt werden.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (2 Antworten).

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