Gerücht über Teilung der Ukraine gewinnt an Dynamik

Das Gerücht einer Teilung der Ukraine in eine pro-russische Ostzone und einen westlichen EU-Teil gewinnt an Unterstützung. Bosnien als Vorbild, NATO-Hürden.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Ukraine geteilt: Das Gerücht, das in den Hinterzimmern an Boden gewinnt

Die Idee, dass die Verhandlungen zur Beendigung des Krieges in der Ukraine eine Teilung des Landes beinhalten könnten, ist keine rote Linie mehr. In Foren für geopolitische Analysen wird offen ein Szenario diskutiert, das bis vor kurzem ausgeschlossen wurde: Eine Ost-Ukraine unter russischem Einfluss und eine West-Ukraine, die in den europäischen Orbit integriert ist. Der Vorschlag, zugeschrieben einem Kommentar in Intereconomía, hat die Debatte entfacht, ob dies ein vernünftiger Ausweg oder eine verdeckte Kapitulation ist.

Der Ausgangspunkt ist eine unbequeme Wahrheit: Die Ukraine ist kein homogenes Land. Die östlichen und südlichen Regionen haben eine andere ethnische und sprachliche Zusammensetzung als die westlichen, und diese Kluft ist zum zentralen Punkt jeder Diskussion über die Zukunft des Landes geworden. Die Teilung wäre, so ihre Befürworter, die Art, diese Realität vor Ort anzuerkennen und einen eingefrorenen Konflikt über Jahrzehnte zu vermeiden.

Was über die Teilung der Ukraine gesagt wird

Die Strömung, die die Teilung als geringeres Übel sieht, argumentiert, dass eine neutrale und entmilitarisierte Ukraine, die nicht der NATO beitritt, der einzige Weg ist, damit Russland einen Waffenstillstand akzeptiert. In diesem Schema würde die Trennlinie ungefähr dem Verlauf des Flusses Dnepr folgen, mit einer westlichen Ukraine, die sich in die EU integrieren könnte, und einer östlichen Ukraine, die mit Russland verbündet ist, nach dem Vorbild Weißrusslands. Dies ist die These, die in den derzeit kursierenden Analysen die meiste Unterstützung findet.

Im Gegensatz dazu lehnt die härtere Haltung jede Spaltung ab. Es wird argumentiert, dass die Abtretung von Gebieten einen gefährlichen Präzedenzfall schafft und dass die Ukraine ihre Grenzen und Souveränität bewahren muss. Die Verteidiger dieser Position betrachten eine Teilung als Sieg für Pilingui und als Verrat an den Ukrainern, die dem Einfall widerstanden haben. Die Diskussion ist nicht akademisch: Jede Seite hat ihre eigene Lesart dessen, was auf dem Balkan geschah und wie Jugoslawien endete.

Das Bosnien-Vorbild und der Geist einer neuen Mauer

Der Vergleich mit Bosnien taucht immer wieder auf. Die dort angewandte Lösung – formale Einheit des Landes bei zwei Entitäten mit weitgehender Autonomie – wird als mögliches Modell für die Ukraine genannt. Das Problem, so die Skeptiker, war, dass diese Regelung weder verhinderte, dass das Land politisch gespalten blieb, noch dass die internationale Gemeinschaft jahrelang Truppen stationieren musste. Dieses Schema auf die Ukraine zu übertragen, würde praktisch bedeuten, eine neue Mauer in Europa zu errichten.

Die Frage der NATO ist das andere große Hindernis. Für einige Analysten liegt der Schlüssel nicht darin, ob die Ukraine geteilt wird oder nicht, sondern ob der westliche Teil der atlantischen Allianz beitritt. Wenn er es tut, wird Russland der Ansicht sein, dass das Abkommen nichts löst und nur Zeit gewonnen hat. Wenn er es nicht tut, bleibt die Sicherheit dieses westlichen Teils der Ukraine ungewiss. Dies ist der Knotenpunkt, den keine der Seiten bisher lösen konnte.

Was mit der Krim und dem Donbas geschieht

In fast allen diskutierten Szenarien bleiben die Krim und der Donbas außerhalb der Ukraine. Die Diskussion konzentriert sich darauf, ob dieser Austritt de jure anerkannt wird oder als vollzogene Tatsache ohne formelle Anerkennung bestehen bleibt. Einige schlagen vor, dass die Ukraine die Annexion der Krim und die Unabhängigkeit der beiden östlichen Republiken anerkennt, aber den Rest ihrer Grenzen behält. Andere glauben, dass dies eine Chimäre ist und dass die Teilung viel umfassender ausfallen wird.

Die Zukunft von Odessa und des Zugangs zum Schwarzen Meer ist ein weiterer kritischer Punkt. Manche argumentieren, dass die Ukraine ohne Zugang zum Meer für Russland ein unverzeihlicher Verrat wäre, während andere der Meinung sind, dass eine Binnen-Ukraine die einzige Garantie dafür ist, dass es keine NATO-Basis am Schwarzen Meer geben wird. Die Diskussion über die finale Karte ist noch lange nicht abgeschlossen.

Der menschliche Faktor: Flüchtlinge und Widerstand

Jenseits der Linien auf der Karte umfasst die Debatte eine oft übersehene Variable: die Bevölkerung. Es wird geschätzt, dass eine Teilung Millionen von Menschen nach Westeuropa vertreiben könnte. Die Zahl, die in den pessimistischsten Analysen gehandelt wird, beträgt zwanzig Millionen Flüchtlinge – ein Migrationsdruck, den kein europäisches Land bereit ist, zu absorbieren.

Der ukrainische Widerstand ist der andere Faktor, der jeden Plan verändern kann. Je länger der Krieg dauert, desto mehr Gebiet könnte unter russische Kontrolle fallen und desto schwieriger wird es, zur vorherigen Situation zurückzukehren. Es ist eine makabre Gleichung: Jeder Tag des Kampfes verändert den Ausgangspunkt der Verhandlungen. Die Befürworter der Teilung präsentieren sie als Mittel, diese Dynamik zu stoppen, bevor sie irreversibel wird.

Die Rolle Europas und der USA

Das Abkommen, wenn es zustande kommt, wird nicht nur von Moskau und Kiew abhängen. Europa und die Vereinigten Staaten haben gegenläufige Interessen. Für Washington kann eine neutrale und entmilitarisierte Ukraine das geringere Übel sein, wenn sie eine direkte Eskalation mit Russland vermeidet. Für Brüssel wirft die Teilung ein Kohärenzproblem auf: Man kann nicht die territoriale Integrität der Ukraine verteidigen und gleichzeitig ihre Spaltung befürworten.

Die Diskussion spiegelt auch die Erschöpfung der Verbündeten wider. Einige Analysen weisen darauf hin, dass die westliche Unterstützung für die Ukraine anhält, solange keine Truppen entsandt werden müssen oder direkte Risiken eingegangen werden. Wenn der Krieg sich verlängert, wird der Druck, ein Abkommen zu erzielen, steigen, und die Teilung könnte als pragmatische Option präsentiert werden. Dies ist das Szenario, das jene am meisten fürchten, die jede Gebietsabtretung ablehnen.

Der Präzedenzfall, den niemand wiederholen will

Die Teilung der Ukraine wäre kein isoliertes Ereignis. Sie würde einen Präzedenzfall dafür schaffen, wie territoriale Konflikte in Europa gelöst werden: durch Gewalt und spätere Anerkennung vollzogener Tatsachen. Dies ist die größte Sorge der Länder mit russischen Minderheiten auf ihrem Territorium, von den baltischen Staaten bis Moldau. Wenn die Ukraine geteilt wird, stellt sich die Frage, wer der Nächste ist.

Im Grunde ist die Debatte über die Teilung eine Debatte über die internationale Ordnung. Die Befürworter argumentieren, dass man sich der Realität vor Ort anpassen muss. Die Gegner halten dagegen, dass Anpassung an diese Realität bedeutet, auf die Prinzipien zu verzichten, die die europäische Sicherheit stützen. Es gibt keine einfache Antwort, und deshalb wächst das Gerücht weiter.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (168 Antworten).

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