Georgien: Gesetz zu ausländischen Agenten und Konflikt mit Russland

Georgien verabschiedet das Gesetz über ausländische Agenten, das Medien und NGOs mit über 20 % auslandsgespeisten Mitteln registriert, begleitet von Protesten in Tiflis.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Georgien: Gesetz zu ausländischen Agenten und Konflikt mit Russland
Georgien verabschiedet Gesetz zu ausländischen Agenten: Die Straße gibt nicht nach

Das georgische Parlament hat ein Gesetz verabschiedet, das den Namen Russland kein einziges Mal erwähnt, doch es reichte aus, um Tiflis wieder an Kiew im Jahr 2014 erinnern zu lassen. Die als Gesetz über ausländische Agenten bekannte Regelung verpflichtet Medien und Nichtregierungsorganisationen zur Eintragung in ein spezielles Register, wenn mehr als 20 % ihrer Finanzierung aus dem Ausland stammen. Seitdem erlebt die georgische Hauptstadt nächtelange Demonstrationen, Wasserwerfer-Einsätze und EU-Flaggen vor Polizeisperren.

Georgien ist seit 1991 unabhängig und keineswegs ein prorussisches Land. Genau darin liegt der Kern des Konflikts. Der Protest richtet sich nicht gegen eine Regierung, die Moskau hofiert, sondern gegen ein Gesetz, das weite Teile der Bevölkerung als Wink in Richtung Moskau interpretieren. Dieser Unterschied ist entscheidend: Er verändert grundlegend, wer etwas zu verlieren hat.

Was das Gesetz über ausländische Agenten besagt und wen es trifft

Der Text ist kurz, und nur die Schwelle zählt. Gemeinnützige Organisationen und Medien gelten künftig als ausländische Agenten, wenn mehr als ein Fünftel ihrer Mittel aus dem Ausland stammt. Das Gesetz verbietet nichts, schließt nichts, es etikettiert nur. In der Praxis entscheidet dieses Etikett darüber, wer die nächste Wahlkampagne übersteht.

Die Auswirkungen sind bereits spürbar. Zwei Organisationen, die sich für LGBTQ+-Themen engagierten und durch Fonds aus den Niederlanden, Großbritannien und den USA finanziert wurden, hätten laut Berichten ihre Arbeit einstellen müssen. Das offizielle Argument ist klassisch: Wenn Sie aus dem Ausland bezahlt werden, soll bekannt sein, wer zahlt. Das Gegenargument lautet ebenso klar: Derselbe Maßstab lässt sich genauso gut gegen jede kritische Medienlandschaft wenden.

Wer führt den Protest an und warum wird seine Herkunft hinterfragt?

Die Präsidentin des Landes, Salome Zourabichvili, steht im Zentrum der Kritik. Geboren in Frankreich, studierte sie an der Columbia University und war bis 2004 französische Botschafterin in Georgien, bevor sie die georgische Staatsbürgerschaft annahm. Heute findet ein Großteil ihrer öffentlichen Aktivitäten in den Vereinigten Staaten statt. Dass das Staatsoberhaupt Proteste gegen das eigene Parlament anführt, liefert Skeptikern, die fremde Interessen vermuten, reichlich Munition.

Auf der anderen Seite stellte der Oppositionspolitiker Vashadze dem Parlament ein Ultimatum von einer Stunde zur Korrektur, verbunden mit der Drohung weiterer Schritte bei Nichtbeachtung. Zwischen Protest und zeitlichen Druckmitteln besteht ein großer Unterschied – genau diesen betonen jene, die behaupten, der Zeitplan werde von außen diktiert.

Der Geist des Maidan und das Beispiel Kasachstan

Der Vergleich zieht sich wie ein roter Faden: Ähnliches geschah vor acht oder neun Jahren, gleiches Drehbuch, andere Bühne. Dass Washington durch seinen Sprecher Ned Price erklärte, friedliche Demonstranten hätten das Recht, sich zu versammeln und ihre Haltung kundzutun, nährte die Lesart, dass mehrere Interessen auf dem Spiel stehen. Dass das US-Außenministerium dies genau dann betont, wenn ein Gesetz gegen ausländische Einmischung debattiert wird, wirkt zumindest wie eine wohlüberlegte Übereinstimmung.

Das hier angeführte Präzedenzfall ist nicht die Ukraine, sondern Kasachstan. Im Januar 2022 ebbten die Unruhen binnen zwei Tagen ab, als die Bevölkerung fernblieb und nur noch Gruppen übrig waren, die nach dieser Deutung im Auftrag externer Akteure handelten. Die Frage ist nun, ob Tiflis dieses Muster oder das von 2014 wiederholen wird.

Warum Georgien wichtig ist: Türkei, Armenien und die Pipeline

Georgien besitzt etwas, das man in Brüssel nicht kaufen kann: Geografie. Es war das zweite Land der Geschichte, das das Christentum zur offiziellen Religion erhob – noch vor Rom – und seine Lage zwischen der Türkei, Aserbaidschan und Russland macht es zum unverzichtbaren Korridor für Öl- und Gasleitungen. Ohne diese geografische Realität ist die Diskussion nicht zu verstehen.

Die häufigste Warnung bezieht sich auf Armenien. Die Entfernung Jerewans von Moskau hat das Land gegenüber seinen historischen Nachbarn geschwächt, und der letzte Krieg um Artsach ist noch lebendig in den Erinnerungen. Niemand erwartet hier, dass der Westen im Ernstfall die Türkei oder Aserbaidschan zugunsten Georgiens austauschen würde. Man hat es einmal getestet.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (161 Antworten).

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