Gemahlene Gewürze: Betrug oder Transportkosten?

Laut Forum-Berechnungen kostet gemahlenes Gewürz fast das Doppelte, obwohl weniger Rohware enthalten ist. Diskussion über Adulteration und Cassia.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Gemahlene Gewürze: Betrug oder Transportkosten?
Gemahlene Gewürze sind billiger: Betrug oder Transport?

Das Mahlen von Gewürzen kostet Geld: Maschinen, Strom, Arbeitskräfte. Eigentlich sollte es teurer sein als der Verkauf im Ganzen. Doch laut einer Berechnung eines Forumsnutzers anhand mehrerer Beispiele kostet gemahlene Ware fast doppelt so viel, obwohl weniger als die Hälfte an Rohprodukt enthalten ist. Manche sehen den Grund in der Verfälschung, andere im Transport.

Der Hinweis liegt, so ein Nutzer, nicht im Glas, sondern im Kleingedruckten: Eine als Schwarzer Pfeffer etikettierte Packung enthält Maisstärke, Salz, Farbstoffe (E155, E102, E153), Sonnenblumenöl, Oleoresin und „Pfefferessenz“. Alles, nur nicht genug Pfeffer.

Warum sind gemahlene Gewürze günstiger als ganze?

Das häufigste Argument ist der Transport: Getrocknet und pulverisiert nimmt es weniger Platz ein und passt besser in Container. Ein anderer Teilnehmer hält dagegen: Die Dichte sei entscheidend. Ein Container mit Pulver füllt weniger Gläser als einer mit ganzen Stängeln – Pulver verdichtet sich, Stängel lassen Luft – und trotzdem wird Pulver billiger verkauft. Die Rechnung geht nicht auf.

Andere verteidigen die industrielle Erklärung: Im Pulver lässt sich alles verstecken. Gebrochene Stängel, unverkaufbare Chargen, Schalen, Stiele, fehlerhafte Körner. Alles wandert durch den Trichter und niemand erkennt es. Ganze Stängel hingegen erfordern Auswahl, Schnitt und Handhabung. Sorgfalt kostet mehr als Zerkleinern.

Zimt, der kein Zimt ist: Cassia und Cumarin

Hier tritt der mögliche Betrug namentlich zutage. Mehrere Teilnehmer behaupten, dass was in den meisten Regalen als Zimt verkauft wird, Cassia ist, eine Rinde, die der echten – dem Ceylon-Zimt – ähnelt, aber deutlich weniger wert ist. Man unterscheidet sie auf einen Blick: Cassia ist eine dicke Röhre; Ceylon-Zimt ist dünn, runzelig und fasrig. Wenn nicht „Ceylon“ draufsteht, ist es auch keiner, fasst ein anderer zusammen.

Das Problem ist nicht nur preislicher Natur. Cassia enthält Cumarin und ist, wie im Thread gewarnt wird, giftig. Ein halber Teelöffel kann etwa 20 mg enthalten, während die EU-Tageshöchstmenge bei 0,1 mg pro Kilogramm Körpergewicht liegt. Es ist nicht kumulativ und tötet nicht bei einem Dessert, aber der tägliche, sorglose Konsum von Zimt in Backwaren und Milchprodukten ist nicht harmlos. Derselbe Stoff führte, erinnert ein Teilnehmer, zum Verbot der Tonkabohne.

11% des analysierten Safrans verfälscht

Das Muster wiederholt sich, den genannten Beispielen zufolge, auf dem restlichen Regal. Gemahlener Kardamom kostet die Hälfte. Vanille wird samt Hülse gemahlen, obwohl nur die Samen wertvoll sind. Und Safran bleibt nicht verschont: Laut dem im Thread erwähnten Bericht der Europäischen Kommission war bei 11% der Proben eine Verfälschung nachweisbar, teilweise mit verbotenen Substanzen wie Distelfasern oder Tagetes.

Ähnliches gilt für Oregano, meint ein Nutzer. Der Hausmittel-Trick, einen Nagel hineinzustecken und zu prüfen, ob er sinkt, gehört zur Mythologie der Branche, da Reibung selbst bei echtem Oregano dazu führt, dass er steht. Der seriöse Test ist ein anderer: Chromatographie und Spektrometrie.

Was tun, ohne paranoid zu werden

Die wiederholte Empfehlung lautet: Ganze Gewürze kaufen und zu Hause mahlen. Das ist teurer, hält länger und der Geschmack ist unvergleichlich. Gewürze waren immer teuer – wie ein Nutzer daran erinnert, kostete Pfeffer vor zwei Jahrhunderten fast sein Gewicht in Gold – und dieser Preis war kein Missbrauch: Er stand für die Integrität des Produkts.

Bei diesen Preisunterschieden sollte das Etikett das meistgelesene Dokument in der Küche sein. Ist es aber nicht. Lohnt es sich, das Doppelte für ein Glas zu zahlen, das in einem Pudding endet? Es hängt davon ab, wie viel man täglich isst, nicht davon, wie sehr man Reispudding mag.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (138 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver