Gefeierte Alben, von denen nur zwei Songs zu retten sind

Von Ziggy Stardust bis Loveless: eine Abrechnung mit dem Musikkanon, die Meisterwerke auf ein bis zwei behaltenswerte Songs schrumpft und den Rest im Limbo lässt

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Gefeierte Alben, von denen dir nur ein oder zwei Songs gefallen

Wie viele Meisterwerke hörst du komplett durch? Diese Frage zieht sich durch eine Diskussion mit 200 Beiträgen, die mit fünf unantastbaren Namen beginnt und in einer Abrechnung mit dem Kanon endet. Ausgangspunkt ist eine Liste vollständiger Durchhörungen mit Bewertungen: Ziggy Stardust landet bei 7/10 mit nur drei rettbaren Songs, Loveless von My Bloody Valentine reduziert sich auf „When You Sleep", und von Remain In Light der Talking Heads überlebt nur „Once In A Lifetime“. Von Björks Vespertine und Mingus' The Black Saint And The Sinner Lady erinnert sich niemand an einen einzigen Song. Der Autor fasst es schonungslos zusammen: Er mag Jazz nicht.

Das Muster wiederholt sich bis zum Überdruss. Ein von der Kritik verehrtes Album, eine komplette Durchhörung, eine Handvoll Songs, die die Mühe rechtfertigen, und ein Urteil zwischen „meh“ und Durchgefallen. Auffällig ist nicht die Geringschätzung, sondern die Disziplin: Wer den ersten Schlag setzt, behauptet, mehr als 1.300 Alben vollständig, von Anfang bis Ende, mehrfach gehört zu haben. Das ist kein Singles-Hörer. Das ist jemand, der sich zwingt, Angefangenes zu Ende zu bringen, und dann Abrechnung hält.

Von „meh“ bis 10: die Noten des Kanons

Geordnet wird das Ganze mit Bewertungen. Genesis' Selling England by the Pound bekommt eine 10; King Crimsons Red eine 9; Pink Floyds Wish You Were Here und Animals eine 9 und eine 8,5; Mike Oldfields Tubular Bells eine 8. Am anderen Ende fällt Lou Reeds Berlin auf 4/10, und Supertramps Crime of the Century und Bowies Low werden mit einem „meh“ abgefertigt, was in diesem Register einer Freispruchs mangels Beweisen gleichkommt.

Manche halten das Problem für eine Methodenfrage: Das Album als Format sei überbewertet, die meisten seien „Sammlungen minderer Songs, verbunden mit ein bis zwei Hits“. Die Antwort kommt als kompromisslose Verteidigung des Gesamtwerks, ohne eine Sekunde Füllmaterial. Zwei Arten, Musik zu verstehen, die sich nie finden werden.

Der Fall Pet Sounds: reicht ein Song, um ein Album zu rechtfertigen?

Das meistgenannte Beispiel sind die Beach Boys. Von Pet Sounds überleben nur „God Only Knows“ und „Wouldn't It Be Nice“, und selbst da wird eingeräumt, dass der erstere „gewaltig“ sei und das Album allein deswegen existieren dürfe. Der Rest, so das Argument, falle nach vier oder fünf aufeinanderfolgenden Durchläufen nicht mehr auf. Die Anekdote liefert sich selbst: Jemand platziert „Good Vibrations“ auf dem Album und wird korrigiert. Ist nicht drauf. Es ist eine Single aus derselben Zeit, separat aufgenommen.

Das Muster wiederholt sich bei Neil Young: Von Harvest hält nur „A Man Needs A Maid“ stand; von After The Gold Rush nichts. Bei Nick Drake „River Man“ und „Way To Blue“ von einem Five Leaves Left, das später auf Pink Moon verklingt. Bei The Cure reduziert sich Prono auf „One Hundred Years“ und die Single „Charlotte Sometimes“, in denselben Sessions aufgenommen, aber nicht auf dem Album. Und bei Björk bleibt Homogenic bei „Jóga“ und wenig mehr, während von Vespertine „Pagan Poetry“, „Hidden Place“ und der Abschluss „Unison“ als absolutes Juwel verteidigt werden.

Jazz und Pogre Rock als Schlachtfeld

Die Ablehnung des Jazz wird ohne Umschweife erklärt: Er langweilt. Die Diagnose ist technisch. Es seien „ständige Akkord- oder Tonartwechsel zum Vergnügen der Musiker, nicht des Hörers“, endlose Schleifen, die nie an einen konkreten Punkt kommen. Die Verteidigung von außen leugnet das nicht: Es sei Musik ohne Richtung, ein Zeitvertreib, bei dem die Idee über der Virtuosität steht. Zwei Beschreibungen desselben Phänomens und keine Möglichkeit, sie zu versöhnen.

Der Pogre Rock schneidet besser ab. After Crying, eine ungarische Band, schleicht sich als hartnäckige Empfehlung ins Gespräch, mit dem Hinweis, dass ihr Pianist und Komponist Csaba Vedres die Band verließ, als das dritte Album fast fertig war. Die Formation löste sich 2021 auf, und ihr Gründungscellist Péter Pejtsik blieb an der Spitze eines Projekts, das mehr Reibung als Musik erzeugt. Die Anekdote über das ein Jahr lang angekündigte Album, das allein komponiert und vorgestellt wurde, als gehöre es der Band, erklärt besser als jede Rezension, warum das Gesamtwerk nicht immer hält, was es verspricht.

Der Vorschlag, der das Problem auf den Kopf stellt

Mitten im Inventar der Enttäuschungen taucht die nützlichste Idee auf: Es umgekehrt zu machen. Statt gefeierter Alben zu suchen, von denen man nur zwei Songs rettet, die aufzulisten, die man fast komplett mag. Das vorgeschlagene Beispiel ist Fleetwood Macs Rumours, von dem höchstens die Hälfte der Songs übrig bleibt. Die Frage hört auf zu lauten, was am Album falsch ist, und wird zu: Was ist falsch am Etikett Meisterwerk?

Denn der Kanon ist keine geschlossene Liste. Bei Loveless etwa wird diskutiert, ob es universell gefeiert wird: Manche haben es nie auf einer Liste der besten Alben aller Zeiten gesehen. Und doch erinnert sich, wer es beim Erscheinen hörte, an die Wirkung von „Only Shallow“, das live die Leute verschmelzen ließ. Zwei gleichzeitige Wahrheiten: das Album, das auf keiner Liste auftaucht, und dasjenige, das einen ganzen Raum veränderte.

Das Fazit, falls es eines gibt, ist unbequem. Das perfekte Album existiert nicht; existiert das Album, das du komplett durchhältst. Und fast niemand hält das komplett durch, das er zu bewundern vorgibt.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (205 Antworten).

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