Vom lila Pferd zu Jim Carrey: Das Gesetz der Annahme zur Diskussion
Reicht es aus, sich etwas intensiv vorzustellen, damit es tatsächlich eintritt? Der Ansatz, der diese Debatte eröffnet, ist radikaler als er scheint: Das Leben wäre viel einfacher, als wir glauben, und würde sich nur durch unsere Gedanken verkomplizieren. Weder Glück noch Schicksal erklären viel. Entscheidend ist das Selbstbild im Unterbewusstsein, und dieses ist unpersönlich und unterscheidet nicht zwischen wahr und falsch: Es akzeptiert als wahr, was als wahr empfunden wird. Fühlen kommt der Zustimmung gleich, die das tiefe Bewusstsein dem für wahr Erklärten gibt. Von hier bis zur Behauptung, dass nichts unmöglich sei, ist es ein weiter Weg, den viele ohne Zögern gehen.
Was ist das Gesetz der Annahme und woher kommt es?
Der Begriff, der die gesamte Konversation überschwebt, stammt von Neville Goddard: Den Wunsch auf mentaler Ebene als bereits erfüllt annehmen, damit er in dem auftaucht, was er die „3D“ nennt. Die Idee ist nicht neu. Sie gehört zur Strömung des New Thought, einem Namen mit über hundert Jahren Tradition, und ihre Verteidiger verbinden sie mit der esoterischen Auslegung der Bibel, hermetischen Prinzipien und natürlich mit Quantenphysik und Epigenetik. Alles Existierende soll zuvor imaginiert worden sein: der Stuhl, der Kugelschreiber, das Haus. Es wird sogar erzählt, Nikola Tesla habe keine Prototypen getestet, sondern sie zuerst im Geist visualisiert.
Die Methode hat ihre berühmteste Anekdote. Joseph Murphy wollte ein Haus kaufen, hatte aber kein Geld dafür, also setzte er sich hin und visualisierte es: Er ging gedanklich durch die Zimmer, sah sich dort leben, mit einem schallisolierten Raum zum Aufnehmen als Voraussetzung. Eines Tages erhielt er einen Anruf. Eine Hörerin ohne Familie hatte ihm ihr Haus vermacht. Als er es besuchte, war er sprachlos: Es war fast identisch mit dem, was er sich vorgestellt hatte. Diese Geschichte zirkuliert als Beweis dafür, dass das tiefe Bewusstsein keinen Spaß versteht und auch keine Kalender kennt.
Das lila Pferd und andere Heimexperimente
Der meistzitierte Fall ist häuslich und etwas absurd, was ihn gerade glaubwürdig macht. Jemand nahm sich vor, ein lila Pferd zu finden, eine schwierige Aufgabe, selbst wenn man in einer pferdereichen Gegend lebt. Am dritten Tag schenkte ihm eine verspätete Kundin zur Entschuldigung ein Spielzeugpferd. Es war nicht lila, aber die Frau trug von Kopf bis Fuß Lila. Ein anderer Teilnehmer berichtet, dass er beim Durchstöbern von Instagram einen alten Beitrag vom Oktoberfest in München fand, in dem jemand fragte, ob ihm bei der Rückkehr nach Spanien zwei Bierkrüge mitgebracht werden könnten.
Nicht alles sind auffällige Zufälle. Manche erinnern sich daran, ein Gespräch mit einem Kollegen imaginativ geführt zu haben, den sie seit vierzehn Jahren nicht gesehen und seit sieben Jahren nichts von ihm gehört hatten, nur zum Spaß, ohne Ergebnis zu erwarten; drei oder vier Tage später kontaktierte er sie. Die wiederkehrende Schlussfolgerung lautet immer gleich: Wenn man es ohne Erwartungshaltung tut, geht es oft sehr schnell. Die Aufmerksamkeit auf das „Wie“ und „Wann“ ist es, die den Erfolg sabotiert.
Welches Gewicht hat das Unterbewusstsein wirklich?
Hier wird die Debatte technischer. Es wird behauptet, der Geist teile sich in bewusstes und unterbewusstes Denken, was seit Jahrzehnten erforscht wird, und dass die Wissenschaft schätzt, dass 95 % der Gehirnaktivität unbewusst abläuft. Das Unterbewusstsein kümmere sich um Vitalfunktionen, Atmung, Hormone, Herzschlag und halte sich strikt an die eingeimpften Glaubenssätze. Seine durchlässigste Phase sei die Kindheit: Von Geburt bis zum Alter von 7 Jahren werde ein Großteil dieser Programmierung festgelegt.
Die Gegenreaktion lässt nicht lange auf sich warten. Manche argumentieren, dass das, was wir Unterbewusstsein nennen, lediglich die Arbeit des motorischen Zentrums sei, das sich dessen voll bewusst ist, und dass das eigentlich Unbewusste das sei, was wir als Aufmerksamkeit bezeichnen. Das Argument ist schwer zu widerlegen: Niemand koordiniert tausende angespannte Muskeln mit dem bewussten Teil des Gehirns, um eine Treppe hinunterzugehen. Würden wir davon abhängen, kämen wir nicht lebend am Treppenabsatz an. Die Diskussion verschiebt sich dann darauf, ob man sich umprogrammieren kann oder sich nur kosmetisch verändert.
Die Zutaten: Wunsch, Willenskraft, Energie und Richtung
Im Gegensatz zum Glauben als Sammelbecken erscheint eine analytischere Aufschlüsselung. Um Berge zu versetzen, bräuchte man vier Dinge: Wunsch, Willenskraft, Energie und Richtung. Ohne klare Richtung ist es möglich, blindlings zu schießen und eine Ente zu treffen, aber das fällt in den Bereich der Zufälle. Der Glaube in seinem weiten Sinne würde diese vier Faktoren synthetisieren, und viele Menschen aktivieren sie, ohne überhaupt zu wissen, was sie tun.
Die häufigste Antwort lautet, dass die Richtung egal ist, solange man daran glaubt: Ob man zu einem Erzengel oder zum Heiligen Geist betet, funktioniert es, wenn man so glaubt. Entscheidend sind Klarheit und Spezifität des Gewünschten. Manche fassen den Mechanismus als „Denken plus Willenskraft“ zusammen, als Beharrlichkeit, bis das gehaltene Denken zum festen Glauben erstarrt und der Glaube zu ruhiger Erwartung wird. Was du ablehnst, bleibt bestehen, wird als Warnung wiederholt.
Die Grenze: Die Kugel, die du nicht kommen siehst
Die Landung erfolgt mit der unbequemen Frage. Kann man das Schicksal eine Millisekunde bevor ändern, bevor eine zufällig abgefeuerte Kugel das Gehirn zerstört? Vielleicht reicht die Kraft eines einzelnen Geistes nicht aus, um diese Situation zu biegen, weil sie immer durch andere Geister bedingt ist. Daher die Unterscheidung zwischen Kette und Schuss: In die erste greift man ein, die zweite liegt außerhalb der Reichweite. Die geteilten Fälle von Intuitionen, die den Tatsachen vorauslaufen, nähren den Verdacht auf ein Skript, das in einer anderen Dimension geschrieben wurde und langsam in die irdische eindringt.
Der Gegenpunkt ist vernünftig: Wenn alles vorherbestimmt wäre, wäre der freie Wille nicht die Wahl zwischen Pizza oder Burger, sondern etwas Erschöpfendes und Maßgeschneidertes. Niemand bestreitet, dass es unveränderliche Startbedingungen gibt, wie Blindheit, und andere, die sich ändern lassen, wie arm geboren zu sein. Die Frage ist, wo die Grenze liegt. Die abschließende Ironie ist die alte: Den Hauptgewinn zieht derjenige, der das Los ohne Illusion kaufte, während die Träumer jahrelang Energie in eine Nummer stecken, die nie gezogen wird. Das Gesetz funktioniert, bis es nicht mehr funktioniert, und dann gibt es immer eine Erklärung.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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