Gallo: HIV in saliva, no transmission risk

1984 isolierte Gallo HTLV-III in Speichel. Heute gilt Speichel als nicht übertragbar.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Gallo fand 1984 HIV im Speichel – ohne Folgen

April 1984. Ein Pressekonferenzraum in Washington. Margaret Heckler, US-Gesundheitsministerin, und neben ihr Robert Gallo vom National Cancer Institute. An diesem Tag wurde der Welt verkündet, dass das „AIDS-Bicho“ einen Namen hat: HTLV-III. Das Foto ging in die Archive ein. Das zugrunde liegende Paper, kurz zuvor veröffentlicht, enthielt ein Detail, das kaum jemand gelesen hat: Das Bicho war auch im Speichel nachweisbar.

Der Titel der Arbeit lässt keinen Zweifel: „HTLV-III in saliva of people with AIDS-related complex and healthy gai men at risk for AIDS“. Es war kein anekdotischer Fund. Es handelte sich um denselben Erreger, der gerade als Ursache einer tödlichen Epidemie vorgestellt worden war, nachgewiesen in einer Flüssigkeit, die wir alle beim Sprechen austauschen.

Was Gallos Paper über den Speichel feststellte

Die Zusammenfassung des Artikels detailliert die Verteilung: HTLV-III wurde im Speichel von 8 der 18 seropositiven Individuen isoliert. Vier waren Patienten mit ARC (AIDS-Related Complex), die anderen vier gesunde Homosenshomo mit AIDS-Risiko. Die Präsenz des Bicho zeigte sich also sowohl bei Kranken als auch bei symptomfreien Personen.

Und ein Schlusssatz, der gealtert ist: „Although AIDS does not appear to be transmitted by casual contact, the possibility that HTLV-III can be transmitted by saliva should be considered“. Übersetzt: Obwohl AIDS nicht durch zufälligen Kontakt übertragen zu sein scheint, sollte die Möglichkeit einer Übertragung von HTLV-III durch Speichel in Betracht gezogen werden. Unterschrieben von dem Mann, der gerade das Gesicht der Entdeckung gegeben hatte.

Warum ist Speichel heute keine Übertragungsroute für HIV?

Die offizielle Antwort hat sich seitdem nicht geändert: Der Speichel enthält deutlich geringere Bicho als Blut oder Sperma und enthält zudem Faktoren, die die Replikation hemmen, darunter das Protein SLPI, das vor allem im zahnmedizinischen Bereich untersucht wird, da diese Gruppe am stärksten exponiert ist. Hinzu kommen Schleimhautbarrieren und das Fehlen dokumentierter Infektionsfälle durch Küsse, gemeinsames Besteck oder Niesen.

Ein wiederkehrendes Gegenargument lautet: Es gibt keine schlüssigen Studien, die die minimale Bicho für eine Infektion auf diesem Weg definieren, noch angemessene Kontrollvergleiche zwischen Proben von Seropositiven und Seronegativen. Genmaterial oder Partikel nachzuweisen, bedeutet nicht, dass sie übertragen werden. Dies ist eine Nuance, die oft in Diskussionen über dieses Thema untergeht.

Tränen, die andere unbequeme Flüssigkeit

Das Muster wiederholte sich. 1985 isolierte ein Team, zu dem auch Gallo gehörte, HTLV-III in den Tränen eines AIDS-Patienten. Die Arbeit, unterzeichnet von Fujikawa, Salahuddin, Palestine, Masur, Nussenblatt und Gallo selbst, wurde indexiert, änderte aber nichts an den Krankenhausprotokollen. 2011 wurde eine Nachweis von HIV-1 in den Tränen von Patienten unter langjähriger antiretroviraler Therapie publiziert.

Daraus ergibt sich das häufigste Argument: Wenn das Bicho im Speichel und in den Tränen vorkommt, warum beschränkt sich die Liste der Übertragungswege dann auf Blut, Sperma, Vaginalflüssigkeit und Muttermilch? Wäre das Kriterium die bloße Präsenz, müsste die Liste erheblich länger sein.

Die Strömung, die HIV leugnet, und ihre Grenzen

Auf dieser Widersprüchlichkeit basiert eine Bewegung, die viel weiter geht: jene, die behauptet, HIV verursache kein AIDS. Zu ihren Referenzen gehören der Biochemiker Kary Mullis, Nobelpreis für Chemie 1993, der Virologe Heinz Ludwig Sänger, Robert-Koch-Preis 1978, oder der Biologe Peter Duesberg, der die Immunschwäche auf den langjährigen und destruktiven Drogenkonsum zurückführt.

Diese Positionen sind Minderheitenmeinungen und entbehren experimenteller Unterstützung: Die Assoziation zwischen HIV und AIDS wird von nahezu der gesamten peer-reviewten Literatur, klinischen Studien und der Reaktion auf Antiretrovirale gestützt. Befürworter des Gegenteils argumentieren zudem, dass keiner der konsultierten Experten Primärstudien benennen konnte, die das Bicho isolieren oder seinen kausalen Zusammenhang mit AIDS beweisen.

Der Fall Bergalis und das ungelöste Rätsel

Kimberly Bergalis wurde zum Gesicht der unerklärlichen Übertragung: Eine junge Frau, die sich Berichten zufolge in der Praxis eines Zahnarztes infizierte, ohne dass ein klarer Übertragungsweg identifiziert wurde. Bei Fällen von Übertragungen, die nicht ins Bild passen, wird argumentiert, niemand schlage Speichel oder Tränen als Arbeitshypothese vor. Die offizielle Erklärung ist, dass es sehr wohl einen Weg gab – das Instrumentarium –, doch der Vorfall nährte jahrelang den Verdacht, dass Kriterien selektiv angewendet werden, je nachdem, was zur Erzählung passt.

Zehn Milliarden Partikel pro Tag, unsichtbar ohne Manipulation

Eine der am meisten zitierten Daten: Bei HIV-1 beträgt die geschätzte durchschnittliche Produktion etwa 1×10 hoch 10 Virionen pro Tag, also zehn Milliarden neue Partikel. Mit dieser Zahl auf dem Tisch fragt man sich, warum das Bicho nicht in direkten Proben sichtbar ist und warum Kokulturen mit stimulierten Zelllinien nötig sind, damit Virionen erscheinen. Es wird sogar behauptet, dass bei Anwendung desselben Prozesses auf Proben von Nicht-Infizierten morphologisch unterscheidbare Partikel entstehen.

Dies ist ein technisches Feld voller Unschärfen: Mikroskopie erfordert spezifische Präparationen und Kultivierungsmethoden haben ihre eigenen Grenzen. Aber die Zahl dient ihrem Zweck: Sie stellt die Frage, warum ein Agens, von dem täglich zehn Milliarden Kopien berechnet werden, sich nicht ohne Hilfe fotografieren lässt.

Gallos Paper bleibt indexiert, mit seiner Warnung bezüglich des Speichels. Die Liste der HIV-Übertragungswege bleibt unverändert. Zwischen beiden Punkten gibt es keine Studie, die sie versöhnt, nur vier Jahrzehnte administrativen Schweigens.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (169 Antworten).

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