Galizische Bars verweigern Kartenzahlung

Banken kassieren 0,36% pro Transaktion. Galizische Wirte verzichten auf Terminals und akzeptieren nur Bargeld.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Galizische Bars verweigern Kartenzahlung
Gastronomen gegen das Kartenlesegerät: „Muss man einen Kaffee wirklich mit Karte zahlen?“

Die Zahlung eines Kaffees für 1,20 Euro per Karte kostet die Bar sechs Tausendstel Euro. Die Abwicklung in bar erfordert Kleingeld, eine korrekte Kassenführung und gelegentlich einen Bankbesuch. Auf dem Papier gewinnt das Terminal. In der Praxis haben einige galizische Bars ein Schild angebracht, das vor zehn Jahren undenkbar gewesen wäre: Sie warnen nicht mehr davor, dass sie keine Karten akzeptieren – sondern dass sie es tun. „Es ist eine Grundsatzfrage“, sagt Fernando Rial von der Bar O Galeón Vikingo in Catoira.

Das Phänomen ist nicht neu, aber zunehmend sichtbar. Der Trend bestand bereits vor der Pandemie, die ihn beschleunigte: Auf Märkten und in Markthallen hat sich die Kartenzahlung so sehr normalisiert, dass Stände ohne Akzeptanz auffallen. Gegen diesen Strom wird die Ablehnung zum Identitätsmerkmal kleiner Gastronomiebetriebe.

Was eine Kartenzahlung wirklich kostet

Der häufigste Wert für die Transaktionsgebühr liegt bei 0,36%. An der Theke bedeutet das: Bei einer Rechnung von 1,50 Euro behält die Bank einen Cent. Eine andere Schätzung geht von 0,5% aus, was bei einem 1,20-Euro-Kaffee 0,006 Euro entspricht. Mit diesen Zahlen lässt sich kaum argumentieren, dass das Terminal eine Bar ruiniert; das Gegenargument lautet, dass nicht der Betrag zählt, sondern wer bezahlt wird.

In einem Geschäft mit niedrigen Preisen und engen Margen ist jeder Cent an Gebühren ein Cent weniger für die Beilage (Tapa). Hier liegt der Streitpunkt: nicht in der Gewinn-und-Verlust-Rechnung, sondern im Prinzip. „Ich investiere das lieber wie immer, indem ich den Kunden eine Tapa gebe“, fasst Cándido Cascallar vom Maty in Vilagarcía zusammen.

„Ich will keinen einzigen Cent verlieren, um ihn der Bank zu geben“

Dieses Argument wiederholt sich an jeder Theke mit anderen Worten. Rial sagt es offen: Er werde nicht zulassen, „dass auch nur ein Cent meines Gewinns an die Bank geht; sie verdienen schon genug“. Im Maty, wo das Schild gut sichtbar ist, betonen sie, dass die Preise stabil geblieben sind und die Entscheidung keine Kunden gekostet hat, da die Stammkundschaft täglich kommt.

Etwas weiter entfernt, auf der Plaza de España in Vilagarcía, verzichtet die Bar Mickey seit den 70er-Jahren sowohl auf Terminals als auch auf WLAN. Mar Gallego, die seit 26 Jahren hinter der Theke steht, scherzt über ihre „ein wenig altmodische“ Haltung, verteidigt aber, dass Bars Orte für Gespräche seien: „Ich zahle den Banken nicht mehr, die ohnehin für alles Gebühren verlangen.“ Ihre Frage ist dieselbe, die das gesamte Thema durchzieht: Ist es wirklich nötig, einen Kaffee mit Karte zu bezahlen?

In Cambados eröffnete Viqui Pérez das Catro Camiños mitten in der Pandemie, bestellte ein Terminal, gab es zurück und blieb beim Bargeld, weil ihm die Gebühren zu hoch erschienen. Er räumt ein, dass Kartenzahler klar im Vorteil sind, und schickt unentschlossene Gäste zur nächsten Bankfiliale. Einige kamen nie zurück, obwohl sie die Minderheit bilden.

Touristen ohne Bargeld im Portemonnaie

Der Widerstand führt zu alltäglichen Reibungspunkten. Ausländische Kunden führen meist mehr Bargeld bei sich; Gäste aus anderen Teilen Spaniens kommen oft nur mit der Karte und fühlen sich laut Rial verschaukelt, wenn ihnen erklärt wird, dass dies nicht möglich ist. Beim Romaría Vikinga-Fest stehen manche ohne einen Euro da und können nicht einmal Wasser kaufen. Die Frage „Aber welchen Sinn hat das?“ bleibt unbeantwortet.

Der häufigste Fall ist der Gast, der erst konsumiert und dann fragt. In einer dieser Bars kehrte eine junge Frau später lächelnd zurück, um zwei Kaffees nachzuzahlen, die sie wegen fehlenden Bargeldes hatte stehen lassen müssen. Diese Anekdote zeigt viel über das Modell: Bei treuer Kundschaft funktioniert es; bei Durchgangsverkehr entstehen unangenehme Situationen.

Steuerhinterziehung, Privatsphäre und der digitale Euro

Hier spaltet sich die Analyse. Eine Strömung sieht die Ablehnung des Terminals als Methode, einen Teil der Einnahmen nicht zu erfassen, und merkt an, dass selten große Betriebe gegen die Geräte protestieren. Die Gegenseite argumentiert, dass Bargeld heute einer der letzten Räume der Privatsphäre sei: Jede elektronische Zahlung mache das Leben einer Person für Behörden und Banken transparent.

An dieser Schnittstelle taucht der digitale Euro auf. Manche erwarten, dass die elektronische Währung der Zentralbank das Problem mit nahezu null Transaktionsgebühren löst; andere warnen vor dem Gegenteil: vollständig nachverfolgbarem Geld, direkt verbunden mit den Steuerbehörden. Beide Lesarten passen in denselben Absatz, und keine ist bisher bewiesen.

Verschwindende Trinkgelder und unpassende Kassen

Ein oft übersehener Effekt der Kartenzahlung betrifft das Trinkgeld. In einem Betrieb war es unmöglich, zusätzlich 1,50 Euro per Karte zu geben: Der am Terminal eingegebene Betrag musste exakt der Dienstleistung entsprechen, sonst stimmte die Kasse am Tagesende nicht. Die Lösung bestand darin, Münzen zu suchen. In den USA wird dieses Problem durch ein Feld auf dem Beleg gelöst – und Trinkgelder liegen dort oft bei 20% oder mehr –, wobei die Steuer dort nachträglich auf den Gesamtbetrag einschließlich Trinkgeld erhoben wird.

Ein weiterer Aspekt ist die Kundeninformation. Es wird vertreten, dass ein Betrieb die Annahme von Karten unter bestimmten Beträgen ablehnen darf, sofern dies auf einem sichtbaren Schild angegeben wird. Wer jedoch Kartenlogos an der Tür zeigt, aber die Zahlung verweigert, muss dem Kunden die Barzahlung ermöglichen. Die Details zu Schwellenwerten, Hinweisen und Ausnahmen sind komplexer, als es von der Theke aus scheint.

Kunden, die zur Bank gehen und nicht zurückkehren

Der Kampf entscheidet sich nicht vor Gericht oder bei den Gebühren, sondern an der Tür. Die Lokale, die Widerstand leisten, sagen, dass ihre Stammkunden es verstehen und die Verluste gering sind. Die Logik der Gegenseite ist ebenso einfach: Wer keine Karten akzeptiert, erhält kein Geld von jenen, die nur mit Karte zahlen. Monat für Monat steigt der Anteil der Menschen, die ohne Bargeld das Haus verlassen.

Vorerst hält das Schild stand. Niemand weiß, wie lange. Wie viele dieser Bars werden noch Nein sagen, wenn Bargeld zur Ausnahme statt zur Regel wird?

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (291 Antworten).

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