Galeone San José: 20 Mrd. Dollar und drei Streitparteien

Vor Kolumbien 1708 gesunken, wird der Galeone San José auf 20 Milliarden geschätzt. Spanien, Kolumbien und ein Schatzsucher streiten um das Wrack.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Galeone San José: 20 Mrd. Dollar und drei Streitparteien
Der Galeone San José: 20 Milliarden in Gold, die es vielleicht nicht gibt

Schätzungen beziffern den Wert des Galeonen San José auf fast 20 Milliarden Dollar. Praktisch könnte er kaum etwas wert sein. Beide Aussagen beziehen sich auf dasselbe Wrack: ein Schiff der spanischen Krone, das 1708 vor der Küste Kolumbiens sank. Spanien beansprucht das Eigentum am Schiff, betrachtet es als Staatsfahrzeug und damit als spanisches Grab; es verfügt über Dokumente zu Eigentum, Ort, Datum und Uhrzeit des Untergangs. Das US-Unternehmen Sea Search Armada behauptet, es gefunden zu haben, und fordert mindestens 10 Milliarden. Kolumbien sieht es als eigenes Eigentum. Drei Narrative, ein Meeresboden.


Was mit dem Galeonen San José 1708 geschah

Der San José sank nach einer Seeschlacht nahe Cartagena. Von Jamaika aus patrouillierte der Freibeuter Charles Wager mit den Schiffen Expedition, Kingston, Portland und Vulture, bewaffnet mit 74, 60, 50 bzw. 8 Kanonen. Der Vorfall ging als Wager's Action in die Marinegeschichte ein: Ein Schatzschiff wurde zerstört, ein anderes gekapert. Von den 600 spanischen Besatzungsmitgliedern an Bord – eine Zahl, die selten in Schlagzeilen auftaucht – überlebte nur eine Handvoll.

Wer ist der rechtmäßige Eigentümer des Wracks von San José

Die spanische Position stützt sich auf zwei Säulen: Eigentumsdokumente und die Einstufung als Kriegsgrab. 2019 verteidigte das Außenministerium die Würdigung „des Friedhofs der spanischen Seeleute“ und betonte, dass Wrack und Inhalt unpfändbar seien und dem Handel entzogen werden müssten. Ein Präzedenzfall stärkt dieses Argument: Die Fregatte Nuestra Señora de las Mercedes, die ein US-Gericht zur Rückgabe an Spanien verurteilte.

Der Rechtsstreit mit Kolumbien zieht sich seit Jahren hin. Eine Version datiert den ersten Fund auf die 1980er Jahre, die Wiederentdeckung auf 2015. Seitdem schreitet die juristische Debatte langsamer voran als die wirtschaftlichen Erwartungen, ohne absehbares Ende.

Was wirklich über 1.000 Meter Tiefe übrig bleibt

Hier bröckelt die Erzählung vom großen Schatz. Das Wrack liegt über 1.000 Meter unter der Oberfläche. Die hölzernen Schiffe sind seit fast drei Jahrhunderten extremen Bedingungen ausgesetzt: Teile der Ladung sind auf dem Meeresboden verteilt, andere begraben, wieder andere durch Strömungen zerstreut oder durch Zeit zerschlagen. Nur restaurierbare Stücke behalten Wert.

Unter karibischem Wasser war das Geschäft stets weniger spektakulär als dargestellt. Laut im Diskurs angeführten Vergleichen übersteigt die Menge an Gold und Silber, die in den letzten fünf Jahrzehnten aus Hispanoamerika gefördert wurde, die Summen aus Jahrhunderten spanischer Verwaltung. Der einzige Ort mit wirklich großen Mengen bleibt der Golf von Cádiz, wo siebzehnte Jahrhundert-Wracks ohne Kontroversen geborgen werden.

Die Zahlen: Von 20 Milliarden zu 400 Tonnen

Eine im Umlauf befindliche Berechnung geht von einem Goldpreis von 50.000 pro Kilogramm aus und kommt auf 400 Tonnen Metall. Das erscheint viel, weshalb manche es anzweifeln. Einige vergleichen dies mit den Goldreserven des Banco de España, die laut dieser Version bei rund 200 Tonnen liegen. Demnach würde das Wrack doppelt so viel Gold enthalten wie die Zentralbank.

Um die Bedeutung einer damaligen Ladung einzuschätzen, hilft das Inventar der Mercedes, dokumentiert in den Aufzeichnungen der Real Aduana de Lima: Fast zwei Millionen Pesos in Münzen und Barren, davon 972.480 geprägte Pesos (5.809 in Goldmünzen) und 950.621 in Silberbarren, plus 415 Castellanos Gold. Genau diese dokumentarische Detailtiefe stützt Eigentumsansprüche gegenüber späteren Sonar-Entdeckungen.

Die Größe des Fundes lädt auch zu Haushaltsvergleichen ein. Die 20 Milliarden Dollar wurden neben öffentliche Posten wie die 20,319 Milliarden Euro eines Gleichstellungsplans der Regierung gestellt – ein Vergleich, der mehr über die politische Debatte aussagt als über den tatsächlichen Wert des Wracks.

Erwartungen an den Rechtsstreit

Mit diesen Voraussetzungen bleibt der San José wahrscheinlich dort, wo er ist: einen Kilometer tief, verteilt zwischen Sediment und Strömungen, während Anwälte abrechnen. Versuche einer unbefugten Bergung führen zur gerichtlichen Rückgabe, wie das Beispiel der Mercedes zeigt. Doch Vorsicht ist geboten: Die Geschichte spanischer Wracks pendelte stets zwischen festen Dokumenten und langsamen Gerichten, und dieser Fall scheint keine Ausnahme zu machen.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (123 Antworten).

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