Frührente mit 300.000 Euro: Warum die 4,8%-Regel scheitert

Ein Kapital von 300.000 Euro für 1.200 Euro monatlich entspricht einer Entnahmerate von 4,8%, was über der klassischen 4%-Regel liegt.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Frührente mit 300.000 Euro: Warum die 4,8%-Regel scheitert
Ruhestand mit 300.000 Euro und 1.200 Euro monatlich: Die Rechnung geht nicht auf

Pläne wirken zunächst simpel, bis man sie in eine Tabelle einträgt. Bei abbezahlter Immobilie, ohne Unterhaltspflichten, im Alter zwischen 50 und 55 Jahren und 300.000 Euro investiert, um Inflation auszugleichen, ergäben sich 1.200 Euro monatliche Rente, inflationsbereinigt. Wer dies vorschlägt, nennt es „Ausstieg“. Die Diskussion dazu, mit 277 Antworten, gibt dem Plan andere Namen.

Rechnet man nach: 1.200 Euro monatlich sind 14.400 Euro jährlich. Auf ein Kapital von 300.000 Euro ergibt das eine initiale Entnahmerate von 4,8% pro Jahr. Die in der Finanzliteratur als nachhaltig für drei Jahrzehnten geltende Regel liegt bei 4%. Diese Differenz von acht Zehnteln ist Kern des Streits und entscheidet, ob der Plan hält oder bricht, je nachdem wie lange man leben will.

Wie viel Kapital braucht man für 1.200 Euro monatlich?

Mit einer konservativen Rate von 3% und Ausgaben von 1.200 Euro monatlich steigt das benötigte Kapital auf 560.000 Euro, fast doppelt so hoch wie der Startwert. Die detaillierte Berechnung zeigt Überraschungen für jene, die nur die runde Anfangszahl sehen. Eine Entnahme von 3% statt 4,8% ist kein kleiner Unterschied: Es ist die Distanz zwischen einem tragfähigen Plan und einem Countdown.

Die strengste Position lässt sich zusammenfassen: Das Einkommen muss aus den Erträgen des Vermögens stammen, nie aus dem Vermögen selbst. In Zahlen bedeutet das: Wer 300.000 Euro hat und 1.500 Euro monatlich möchte, braucht eine Nettorendite von 6% pro Jahr. Über Jahrzehnte hinweg ist das eher Wunschdenken als Plan. Allerdings zwingt der Ruhestand nicht zur Passivität: Man kann zurückkehren, temporäre Einkünfte suchen oder Überschüssiges verkaufen.

Im Extremfall dient diese Übung der Kalibrierung der Erwartungen. Manche berechnen, dass für jährliche Ausgaben von 140.000 Euro und ein Erbe für die Kinder ein Vermögen von 4,6 Millionen Euro nötig ist. Der Maßstab sei die Ausgabe, nicht das Kapital; die Rechnung funktioniert mit 1.200 Euro ebenso wie mit 10.000 Euro. Hier entsteht der Verdacht, dass viele kursierende Berechnungen rückwärts gerechnet werden, um Nichtstun zu rechtfertigen.

Welche Rente bleibt, wenn man mit 54 Jahren aufhört einzuzahlen?

Es bleibt weniger, als der Plan suggeriert. Das Gesetz verlangt mindestens 15 Beitragsjahre und 2 Jahre innerhalb der letzten 15 Jahre vor dem Renteneintritt für eine beitragsabhängige Rente. Mit Renteneintritt mit 67 und Ausstieg aus dem Arbeitsmarkt mit 54 müssen Beiträge in der Endphase wieder aufgenommen oder die Leistung aufgegeben werden.

Ein zweites Detail fehlt oft in der Kalkulation: Für die Berechnung der Rentenbasis werden die letzten 25 Jahre vor dem Eintritt betrachtet, also vom 42. bis zum 67. Lebensjahr. Beitragsfreie Jahre zählen als Lücken, nicht als Joker. Je länger die Pause, desto niedriger die zukünftige Rente, auch wenn Grundsicherung für Ältere ab 52 und das Mindesteinkommen (IMV) als Notfallnetz dienen.

Zur Nachhaltigkeit des Systems gibt es zwei Narrative. Eines behauptet, keine Regierung werde Renten kürzen, da Schulden durch höhere Inflation getilgt würden; solange dieser Mechanismus existiere, blieben Leistungen erhalten, wenn auch durch Geldentwertung. Das andere erinnert daran, dass wer nicht genug einzahlt, mit 70 Probleme hat. Die Rente als tot anzusehen ist genauso riskant wie ihre Sicherstellung anzunehmen.

Das IMV als Boden: 658 Euro bei abbezahlter Wohnung

Das Mindesteinkommen (Ingreso Mínimo Vital) liegt bei 658 Euro in 12 Zahlungen und steigt im Dezember auf 710 Euro, laut den Vergleichsdaten. Mit abbezahlter Wohnung argumentieren manche, man lebe ohne Not, sofern das Innenleben interessant und der Konsum minimal sei. Die Gegenreaktion kommt schnell: Essen und Heizen im Winter passen nicht gleichzeitig, und jeder unvorhergesehene Fall frisst die Marge.

Die Spanne dessen, was als ausreichend gilt, wird absurd. Manche behaupten, mit 600 Euro monatlich inklusive Hypothek und Familie zu leben, während andere erinnern, dass der durchschnittliche Spanier hart arbeitend etwa 800 Euro verdient. Dem gegenüber steht die Warnung, dass solche Beträge in zehn Jahren nicht einmal mehr für die erste Woche Verpflegung reichen, wenn man nominalen Euro mit Kaufkraft verwechselt.

Inflation: Die indexierte Rente und das verlorene Jahrzehnt

Der Plan setzt voraus, dass das Einkommen jährlich um 3% angepasst wird, dem Durchschnittsinflationswert der letzten zwei Jahrzehnte, wofür das Portfolio darüber hinausrendieren muss. Das unangenehme Szenario ist ein flaches Jahrzehnt wie 2000 bis 2012, wo der Index stagniert und Entnahmen das Hauptkapital angreifen. Eine Simulation mit 75% Aktien und 25% Anleihen ergibt eine Wahrscheinlichkeit von 0%, das Kapital in 15 Jahren aufzubrauchen, und 15% in 25 Jahren; im besten Fall endet es bei einer Million, im schlechtesten bei 30.000 Euro.

Der Punkt, der beide Lager verwirrt: Ob man über heutige Euro oder nominale Euro von 2035 spricht, macht die Diskussion zu einem Taubstummen-Dialog. Die Vorsichtigen rechnen in Kaufkraft; die Beschleuniger ebenfalls. In der Mitte bleibt die unbequeme Frage, wie viel Freizeit man bereit ist, gegen eine Rente zu tauschen, die vielleicht nicht hält.

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (277 Antworten).

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