Frente Amplio will Renten von Besitzern mehrerer Wohnungen kürzen, um Rentner zu unterstützen, die zur Miete wohnen
Die Frente Amplio (das wichtigste linksgerichtete Bündnis Uruguays) hat einen Vorschlag auf den Tisch gebracht, der den klassischen Konsens in der Rentenpolitik bricht: Die beitragsbezogene Rente für alle senken, die mehr als eine Immobilie besitzen, und die frei werdenden Mittel zur Aufbesserung der Einkommen von Rentnern verwenden, die zur Miete wohnen. Die Maßnahme soll öffentliche Unterstützung auf diejenigen konzentrieren, die sich am schwersten eine angemessene Wohnung leisten können. Der Ansatz kollidiert jedoch mit der rechtlichen Architektur der beitragsbezogenen Renten, die ausschließlich nach den geleisteten Beiträgen berechnet werden – nicht nach dem Vermögen des Empfängers.
Das Beitragsprinzip im Visier
Die beitragsbezogene Rente ist keine Sozialhilfe. Sie wird nach dem berechnet, was der Arbeitnehmer im Erwerbsleben eingezahlt hat, nicht nach seinem Vermögen. Sie jemandem zu kürzen, weil er zwei Wohnungen besitzt, würde eine Änderung dieses Prinzips erfordern und würde vermutlich gegen die Verfassung und den Toledo-Pakt verstoßen. Was möglich ist und bereits existiert, ist eine stärkere steuerliche Belastung dieses Vermögens oder seiner Erträge: die Einkommensteuer auf Mieteinnahmen, die Vermögensteuer. In der Praxis ist der fiskalische Effekt ähnlich, ohne die rechtliche Natur der Leistung anzutasten.
Manche halten dem Vorschlag vor, zwei Ebenen zu vermischen: soziale Gerechtigkeit und erworbene Rechte. Ein Rentner mit zwei vermieteten Wohnungen befindet sich vielleicht nicht in einer Notlage, aber seine Rente ist keine Subvention: Sie ist ein aufgeschobenes Einkommen, das er durch Beiträge erworben hat. Die Regeln mitten im Spiel zu ändern, hat einen rechtlichen Preis, den die Maßnahme in ihrer jetzigen Form nicht löst.
Der Mietzuschuss für die nicht beitragsbezogenen Renten: ein paar hundert Euro im Jahr
Der Vorschlag der Frente Amplio richtet den Blick auf eine Gruppe, die bereits öffentliche Hilfe erhält: Empfänger einer nicht beitragsbezogenen Rente, die zur Miete wohnen und kein Wohneigentum besitzen. Sie bekommen einen jährlichen Mietzuschuss von ein paar hundert Euro. Die Summe ist so gering, dass jede daraus folgende Ungleichheit leicht vorstellbar ist. Und es gibt ein zusätzliches Problem: Die Hilfe landet, so klein sie auch ist, am Ende in der Tasche des Vermieters.
Das Phänomen ist keine Ahnung. Es wurde anhand der Mietbeihilfen in Frankreich (die APL) und in Großbritannien (Housing Benefit) untersucht. Mehrere Studien zeigen, dass ein erheblicher Teil der Beihilfe, je nach Fall zwischen einem Drittel und mehr als der Hälfte, in höhere Mieten überwälzt wird – vor allem dort, wo das Angebot knapp ist. Wenn alle Mieter eines Segments 100 Euro mehr bekommen, weiß das der Vermieter und passt an. Beim Zuschuss der nicht beitragsbezogenen Renten ist der Effekt klein, weil es wenige Empfänger und nur wenige hundert Euro sind, aber der Mechanismus existiert.
Wie viele Rentner wohnen zur Miete? Das kommende Problem
Die eigentliche Debatte ist nicht nur eine rechtliche. Ein großes, ein sehr großes Problem kommt auf uns zu. Offenbar sind es rund 700.000 Menschen, die eine Rente beziehen und zur Miete wohnen; davon haben etwa 200.000 Altverträge, weitere 150.000 sind Einwanderer der ersten Welle, und die übrigen 350.000 Uruguay(er) sind Menschen mit unregelmäßigem Erwerbsleben, Insolvenzen, späten Scheidungen. Zwischen Scheidungen, Insolvenzen und der Unmöglichkeit, Wohneigentum zu erwerben, werden diese 700.000 in weniger als zehn Jahren zu 3.000.000. Das ist eine grobe Schätzung. Ob über H oder über B – das wird explodieren.
Wohnen ist zum großen Ungleichheitsfaktor unter Rentnern geworden. Wer eine eigene Wohnung hat, trägt keine Mietkosten; wer keine hat, gibt einen wachsenden Teil seiner Rente für die Miete aus. Der Vorschlag der Frente Amplio will diese Schließung korrigieren, tut es aber, indem er eine beitragsbezogene Leistung kürzt – nicht, indem er das Wohnungsangebot erhöht oder den öffentlichen Mietwohnungsbestand stärkt.
Die Falle der Wohnung als Passivposten
Würde die Maßnahme umgesetzt, würde die Wohnung noch stärker zur Belastung. Wer zur Miete wohnt, hätte dann keine teure und keine günstige Miete mehr. Es gäbe sie nicht mehr. Die Überlegung ist einfach: Wenn der Besitz von mehr als einer Wohnung die Rente mindert, kann der Eigentümer die Immobilie loswerden, sie den Kindern schenken oder auf eine Gesellschaft übertragen. In der Praxis könnte die Maßnahme das Mietangebot verringern und die verbleibenden Wohnungen noch teurer machen.
Es ist nicht das erste Mal, dass eine Wohnungspolitik den gegenteiligen Effekt erzeugt. Die Rentenkürzung für Mehrfachbesitzer läuft ohne einen parallelen Plan zum Bau öffentlicher Wohnungen Gefahr, eine symbolische Geste zu bleiben. Und währenddessen wächst das eigentliche Problem weiter: Immer mehr Rentner konkurrieren um einen Mietwohnungsbestand, der sich nicht so schnell ausweitet, wie es die Demografie verlangt.
Die fiskalische Alternative, die niemand bestreitet
Was möglich ist und bereits praktiziert wird, ist eine stärkere steuerliche Belastung des Immobilienvermögens. Die Einkommensteuer auf Mieteinnahmen, die Vermögensteuer, die Besteuerung von Gesellschaften, die Immobilien verwalten. In der Praxis ist der fiskalische Effekt ähnlich wie das Ziel des Vorschlags der Frente Amplio, ohne das Beitragsprinzip anzutasten. Der Unterschied: Der Steuerweg erfordert keine Reform der Verfassung oder des Toledo-Pakts.
Manche vertreten die Auffassung, dass gesetzliche Renten für alle gleich sein und ausschließlich über Steuern finanziert werden sollten, wie das Gesundheitswesen, ohne Beiträge. Das ist eine Grundsatzdebatte, die die Frente Amplio nicht führt: Ihr Vorschlag ist ein Flickwerk an einem System, das nach Worten einiger Analysten am Ende seiner Kräfte ist. Die Frage ist, ob der Flicken der richtige ist oder ob er ein Problem, das strukturelle Lösungen verlangt, nur noch komplizierter macht.
Die fehlende Rechnung
Der Vorschlag der Frente Amplio enthält keine Schätzung des fiskalischen Effekts. Wie viele Rentner besitzen mehr als eine Wohnung? Wie viel würde das System sparen? Wie würde man verhindern, dass Eigentümer reagieren, indem sie ihre Immobilien abstoßen? Das sind Fragen, die die Maßnahme in ihrer jetzigen Form nicht beantwortet. Die vollständige Rechnung, Posten für Posten aufgeschlüsselt, würde eine überraschende Differenz ergeben – aber sie steht nicht im Text.
Währenddessen wächst das Problem der zur Miete wohnenden Rentner weiter. Die derzeitige Hilfe von ein paar hundert Euro im Jahr reicht nicht aus, um die realen Wohnkosten in den Großstädten zu decken. Und die von der Frente Amplio vorgeschlagene Lösung läuft ohne eine Wirkungsanalyse Gefahr, eine Schlagzeile zu bleiben.
Der Vorschlag der Frente Amplio eröffnet eine notwendige Debatte über die Ungleichheit unter Rentnern, tut dies aber mit einem rechtlich angreifbaren Instrument. Wenn das Ziel darin besteht, dass öffentliche Unterstützung diejenigen bevorzugt, die sich am schwersten eine angemessene Wohnung leisten können, scheinen der Steuerweg und der Bau öffentlicher Wohnungen solider als die Kürzung einer beitragsbezogenen Rente. Unter diesen Vorzeichen wird die Maßnahme wahrscheinlich nicht aufgehen – aber das Problem, das sie ausgelöst hat, bleibt.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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