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Französische zehnjährige Anleihe erstmals seit 2002 über 5 Prozent
Die zehnjährige französische Anleihe hat erstmals seit 2002 die 5-Prozent-Marke überschritten, die Risikoprämie steigt auf 156 Punkte, den höchsten Stand seit 15 Jahren, nach den Unruhen vom…
Frankreich zahlt jetzt 5 Prozent für seine Schulden: Der Markt misstraut
Wie weit muss der Zins für die Schulden eines Landes steigen, bis Anleger nicht mehr auf das BIP schauen, sondern auf die Straße? Die zehnjährige französische Anleihe überschritt am Mittwoch die symbolische Schwelle von 5 Prozent – das gab es zuletzt 2002. Die Risikoprämie schoss auf 156 Punkte hoch, der höchste Stand seit fünfzehn Jahren, und die Differenz zur deutschen Anleihe – dem sichersten Schuldner der Eurozone, bei rund 3,41 Prozent – weitete sich unverhohlen aus. Der unmittelbare Auslöser: die Unruhen vom 17. und 18. Oktober mit Plünderungen in mehreren Städten, die neben direkten Kosten für das BIP vor allem eine unbequeme Frage aufwarfen: Kann der Staat seine Haushalte noch in den Griff bekommen?
Von 4 auf 5 Prozent in drei Monaten
Anfang des Sommers lag die französische Anleihe noch bei rund 4 Prozent, ein Niveau, das bereits als Rekord seit 2008 galt. Drei Monate später ist aus der psychologischen Barriere von 5 Prozent Realität geworden. Der CAC 40 erholte sich am Mittwoch allerdings um 0,5 Prozent nach einer Serie von Verlusten – denn Aktienmarkt und Anleihemarkt schauen nicht immer auf dasselbe.
Ministerpräsident Sébastien Lecornu hat einen Haushaltsentwurf für 2027 vorgelegt mit dem Ziel, das Defizit von derzeit 5,4 auf 5 Prozent zu senken. Auf dem Papier klingt das vernünftig. In der Praxis ist das Parlament polarisiert, und die Präsidentschaftswahlen stehen in sechs Monaten an. Die Analysten von ING bringen es auf den Punkt: „Die Unruhen verstärken die Sorgen über Frankreichs Fähigkeit, seine Finanzen zu konsolidieren.“ Zudem, so die Analysten, verursachten die Ausschreitungen „auch erhebliche direkte Kosten für das BIP“.
Wer die 5 Prozent zahlt – und wer sie kassiert
Ein Detail geht in den Schlagzeilen oft unter: Steigt die Rendite einer Anleihe, verliert derjenige Geld, der sie früher gekauft hat und sie nun verkaufen will. Wer vor einem Jahr französische Schulden gekauft hat, als sie weniger abwarfen, muss einen höheren Zins bieten, um sie am Sekundärmarkt loszuwerden. Die Banken als größte Halter der „billigen“ Anleihen spüren das zuerst in ihren Bilanzen. Das europäische Bankgewerbe erwacht mit dieser Last.
Die Abstrafung mit 5 Prozent lässt sich vielfältig deuten. Manche sehen darin eine gesunde Korrektur für ein Land, das jahrzehntelang mit fiskalischer Verantwortungslosigkeit Schulden und Inflation geschaffen hat und dafür jetzt den Preis zahlt. Andere halten dagegen, dass 5 Prozent real immer noch nahe null liegen, solange die Kerninflation hoch bleibt: In realen terms ist die Strafe gar keine. Die Debatte, ob der Markt diszipliniert oder dem EZB-Ratgeber nur folgt, ist offen.
Die politische Lage hilft nicht
Die Umfragen deuten auf ein Duell bei der kommenden Präsidentschaftswahl zwischen Marine Le Pen, Vorsitzende des Rassemblement National, und Jean-Luc Mélenchon, Kandidat von La France Insoumise, hin. Keines der beiden Szenarien beruhigt die Anleger. Mélenchon hat sogar vorgeschlagen, den Teil der französischen Schulden, den die Europäische Zentralbank hält, zu erlassen – eine Idee, die Christine Lagarde rundheraus ablehnte und die die Regierung als „absoluten Unsinn“ bezeichnete. Le Pen wiederum will aus dem Euro austreten, was die Rückendeckung der EZB beenden würde – jene Institution, die nach Ansicht der Analysten den Anstieg der Schuldenkosten stützt, in der Überzeugung, dass sie eingreifen würde, falls die Lage eskaliert.
Die Ratingagentur Moody's will Frankreichs Bonität überprüfen. Derzeit weist sie AA3 mit negativem Ausblick aus, was die Tür zu einer Herabstufung öffnet – ein weiterer Schlag für die ohnehin angeschlagene französische Schuld. Der Zeitpunkt ist kein Zufall: Die Überprüfung erfolgt mitten im Nachklang der Unruhen und mit einem Haushalt, der noch in der Schwebe ist.
Das Problem, das niemand beim Namen nennen will: die Eurobonds
Die europäische Solidarität hat eine arithmetische Grenze. Die fiskalisch verantwortungsvolleren Länder – die Niederlande, Deutschland – zahlen weniger für ihre Schulden und wollen keine Eurobonds, weil sie dann für die Gemeinschaftsschulden mehr zahlen müssten als für die eigenen. Ihre Bevölkerungen sind längst verärgert, wenn sie sehen, dass in fiskalisch verantwortungsloseren Ländern der Anteil von Wohneigentum höher ist, während ihre eigenen gesetzlichen Renten schrumpfen und sie im Alter steigende Mieten bewältigen müssen. Das deutsche Mietwohnungsmodell gerät ins Wanken, wenn die Rente mit 1.400 Euro kommt und die Miete 1.000 Euro kostet. Daher die Minijobs für Rentner.
Die Frage, die über dem Markt schwebt, ist nicht, ob Frankreich zahlen wird, sondern zu welchem Preis. Und dieser Preis – in Form von Inflation oder höherer Zinsen – landet am Ende immer beim Sparer. Die Geschichte der 5 Prozent endet nicht in Frankreich.
Dieser Artikel basiert auf Informationen von France24 und Cinco Días zur Entwicklung der französischen Anleihe sowie auf Daten der Analysten von ING und der Toronto Dominion Bank.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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