Franco-Opfer von 1937: Zwei Täter starben unbestraft

Ein Tweet erinnert an die Erschießung von „el tíu Lelo“ in León. Die Akte 79/37 zeigt fünf identische Aussagen und zwei Guardia-Civil-Mitglieder, die in Ponferrada unbehelligt starben.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Franco-Opfer von 1937: Zwei Täter starben unbestraft
Der Erschossene am Kastanienbaum und der Fall mit fünf deckungsgleichen Zeugen

Am 6. Februar 1937 in Vega de Valcarce, einem Dorf in León direkt am Jakobsweg. Manuel, im ganzen Bezirk als „el tíu Lelo“ bekannt, spielte gerade seine tägliche Runde im Wirtshaus, als ein Trupp der Guardia Civil (spanische Gendarmerie) hereinbrach, ihn festnahm und ihn unter Gewaltandrohung hinausschleppte. Beim Verlassen des Ortes, neben einem Kastanienbaum, feuerte einer der Beamten mehrere Schüsse auf ihn ab. Er war 58 Jahre alt. Das Spiel wurde nie beendet.

Diese Szene wird durch einen Tweet von OUTSIDERS.ESP wiederbelebt, verfasst von seinem Enkel, einem Journalisten, der erst fast siebzig Jahre später von der Geschichte erfuhr. Zu Hause sprach man nie darüber; seine Eltern starben, ohne ein Wort zu verlieren. Die Erinnerung an die Repression von 1936 kehrt zurück, wann immer jemand in der eigenen Familiengeschichte forscht.

Die Akte 79/37 aus León: Fünf verdächtig identische Aussagen

Das Charisma des Ermordeten und die Existenz von Zeugen der Festnahme zwangen das Franco-Regime dazu, Ermittlungen einzuleiten, was selten geschah. Wie im Zwischenarchiv der Militärregion Nordwest dokumentiert, reichten bei Akte 79/37 aus León fünf Aussagen — von zwei Gendarmen und drei Falangisten aus der Region — die verdächtig identisch waren, „als gehorchten sie einem vorher eingeübten Drehbuch“, um den Fall abzuschließen. Alle fünf behaupteten, der Häftling habe versucht, die Staatsgewalt anzugreifen und zu fliehen, weshalb die sogenannte Ley de Fugas (Gesetz über Fluchtversuche) angewandt wurde. Der Prozess endete mit einem Bericht, der ihn als „Subjekt mit schlechten Vorstrafen, extremen Ansichten und sehr gefährlich“ abtat.

Die beiden Beamten wurden identifiziert: Ignacio Gil Perdigones, der Schütze, und sein Begleiter Saturnino Puente Rey. Beide starben eines natürlichen Todes im nahen Ponferrada. Unbestraft. Der Erstere blieb noch Jahre nach Kriegsende im Dienst; irgendwo bewahrt jemand seinen Mut mit mehr Kerben auf als bei diesem Fall, denn Vega de Valcarce war nicht sein einziges Opfer.

Warum die franquistische Repression stets mit Paracuellos verglichen wird

Die Geschichte entfachte die übliche Debatte. Eine Strömung konterte mit der Repression auf der anderen Seite: Paracuellos, die Asturien-Revolution von 1934 und die Morde an wehrlosen Zivilisten im republikanischen Hinterland. Andere argumentieren, dass die Gewalt nicht gleich verteilt war: Es gab Opfer in beiden Lagern, aber nur eine Seite konnte vier Jahrzehnte lang ihre Repression mit den Mitteln des Staates durchsetzen.

Das überzeugendste Argument ist, dass es keine sauberen Blöcke gab. Im aufständischen Gebiet tötete man Militärs und Gendarmen, die der Republik treu blieben. Im republikanischen Gebiet tötete man Falangisten, Karlisten und eine erhebliche Anzahl eigener Anhänger. José Antonio Primo de Rivera wurde wegen militärischer Rebellion angeklagt und verurteilt; Andreu Nin wurde auf Befehl eines Sektors seiner eigenen Seite beseitigt. Nichts passt in eine Erzählung von zwei klaren Fronten.

Hinzu kommt ein Detail, das viel vom Lärm dämpft: Die Entschädigungszeremonie in Galizien für einen Streik von 1901 fand zu einer Zeit statt, als Franco neun Jahre alt war und der Liberale Sagasta regierte. Dies als franquistische Repression zu bezeichnen, ist zumindest eine freie Interpretation.

Von Straßengräben zu Pflegeheimen: Gedächtnis als politisches Munition

Fast neunzig Jahre später ist die Sache noch lebendig, weil sie als Schlagstock dient. Der letzte Teil der Kontroverse springt vom Kastanienbaum in Vega de Valcarce zur Gegenwart: die gerichtlichen Anschuldigungen wegen der Todesfälle in Madrider Pflegeheimen während der Pandemie und die Verfahren gegen ehemalige hochrangige Politiker wegen der sogenannten „Schandprotokolle“. Manche ziehen eine direkte Linie zwischen den Vollstreckern von 1936 und ihren politischen Erben. Andere antworten, diese Verbindung sei nur Nebelkerzenwerfen, um nicht über die aktuellen Probleme sprechen zu müssen.

Manche behaupten, das kollektive Gedächtnis sei zu einer Pose geworden, die je nach Bedarf des Tagesdiskurses aktiviert wird. Und andere erinnern daran, dass auch dort erschossen wurde, wo keine Frontlinie verlief: In einer bestimmten Region wurden vier Menschen getötet, obwohl der Krieg dort nie stattfand, und von dreien konnte nicht einmal die Leiche geborgen werden. Die Diskussion über ein Sanktionssystem, das Herabwürdigungen der Opfer bestraft, schwebt über all dem, bleibt aber ungelöst.

Das Detail, das niemand bestreitet

Die Archive existieren. Die Akten existieren. Die Namen der Henker sind bekannt. Dank der Asociación para la Recuperación de la Memoria Histórica (Vereinigung zur Wiedererlangung des historischen Gedächtnisses) erhielt der Enkel die Kopie der Sterbeurkunde seines Großvaters, die er wie einen Schatz hütet. Unter „Todesursache“ steht wörtlich: „Die marxistische Revolution“. Es ist das kälteste und vernichtendste Dokument der gesamten Erzählung. Es gab keine Hinrichtung, kein Urteil, nicht einmal einen glaubwürdigen Vorwand: Es gab ein bürokratisches Etikett auf Papier, das einen 58-jährigen Nachbarn in eine Feindes-Sigla verwandelte. Siebzig Jahre später wartet die Familie immer noch darauf, dass jemand erklärt, warum der Kastanienbaum am Ortsausgang zum Richtplatz wurde.

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (233 Antworten).

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